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IAEO: Iran stockt seinen Bestand an fast waffenfähigem Uran weiter auf

IAEO-Chef Grossi bei einer Pressekonferenz mit dem Chef der iranischen Atombehörde Mohammad Eslami
IAEO-Chef Grossi bei einer Pressekonferenz mit dem Chef der iranischen Atombehörde Mohammad Eslami (© Imago Images / ZUMA Wire)

Laut einem vertraulichen Bericht der IAEO hat der Iran seine Bestände an nahezu waffenfähigem Uran weiter aufgestockt. Dies ist der jüngste Versuch Teherans, kontinuierlichen Druck auf die internationale Gemeinschaft auszuüben.

Dabei bemüht sich der Iran um die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, die wegen seines unter der Leitung des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei stehenden Atomprogramms verhängt wurden, wenn er im Gegenzug das Programm verlangsamt.

Laut dem – auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten wegen des Kriegs zwischen Israel und der Hamas brisanten – Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), der am Montag präsentiert wurde, verfügt der Iran seit dem 11. Mai über 142,1 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran, was einen Anstieg von 20,6 Kilogramm seit dem vorherigen Bericht der UN-Überwachungsbehörde im Februar darstellt.

Sechzig Prozent angereichertes Uran ist nicht nur einen kurzen technischer Schritt von waffenfähigem Uran mit neunzig Prozent entfernt: Nach der IAEO-Definition sind rund 42 Kilogramm auf sechzig Prozent angereichertes Uran jene Menge, mit der die Herstellung einer Atomwaffe theoretisch möglich ist, wenn das Material weiter auf 90 Prozent angereichert wird. Der Iran besitzt momentan also genug auf nahezu waffenfähiges Niveau angereichertes Uran für knapp 3,5 Atombomben.

Mit Stand vom 11. Mai beläuft sich der Gesamtbestand an angereichertem Uran auf 6.201,3 Kilogramm, was einen Anstieg um 675,8 Kilogramm seit dem IAEO-Bericht im Februar bedeutet.

Unglaubwürdig

Der Iran behauptet, sein Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken, doch der Leiter der IAEO, Rafael Grossi, hat in Vergangenheit bereits mehrmals öffentlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Höhe des Anreicherungsgrads für zivile Ziele keinen Sinn mache und Teheran über genügend auf Waffenqualität angereichertes Uran verfüge, um mehrere Atombomben zu bauen. Grossi räumte ebenfalls ein, seine Organisation könne nicht garantieren, ob keine iranischen Zentrifugen zur heimlichen Anreicherung aus den Verschlussdepots entwendet wurden.

Die Spannungen zwischen dem Iran und der IAEO haben seit dem Jahr 2018 zugenommen, als der damalige US-Präsident Donald Trump einseitig aus dem Abkommen zwischen Teheran und den Weltmächten ausstieg. Seitdem hat Teheran alle Beschränkungen des Abkommens für sein Atomprogramm aufgegeben und die Anreicherung zügig vorangetrieben.

Im Rahmen des ursprünglichen Atomabkommens aus dem Jahr 2015 durfte der Iran Uran nur bis zu einem Reinheitsgrad von 3,67 Prozent anreichern, einen Vorrat von etwa dreihundert Kilogramm halten und nur sehr einfache IR-1-Zentrifugen zu Anreicherungszwecken verwenden. Das Mullah-Regime erklärte sich bereit, die Anreicherung im Gegenzug für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen auf das für die Erzeugung von Atomstrom erforderliche Maß zu beschränken. Damals wurden die UN-Inspektoren mit der Überwachung des Programms beauftragt.

Unkooperativer Iran

In dem Bericht heißt es weiters, Teheran habe seine Entscheidung vom September 2023, den IAEO-Inspektoren die weitere Überwachung seines Atomprogramms zu untersagen, nicht überdacht und man erwarte, dass der Iran dies »im Rahmen der laufenden Konsultationen zwischen der (IAEO) und dem Iran tun wird«. Grossi bedauert zutiefst die Entscheidung des Irans, die Inspektoren auszuschließen, aber eine Umkehrung dieser Entscheidung »bleibt unerlässlich, um es der Agentur zu ermöglichen, ihre Verifikationsaktivitäten im Iran effektiv durchzuführen«.

Der Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi und des Außenministers Hossein Amir-Abdollahian bei einem Hubschrauberabsturz am 19. Mai habe eine Pause in den Gesprächen der IAEO mit Teheran über eine bessere Zusammenarbeit ausgelöst, heißt es in dem Bericht. Nach einem Besuch von Grossi Anfang des Monats hatte der Iran zugestimmt, am 20. Mai technische Verhandlungen mit der IAEO zu führen; das Treffen wurde jedoch wegen Raisis Tod abgesagt. Am 21. Mai informierte der Iran die Organisation, sein Nuklearteam wolle die Gespräche »zu einem angemessenen Termin, auf den sich beide Seiten einigen werden«, fortsetzen.

Explizite Kritik gibt es wegen der noch offenen Fragen bezüglich der mittlerweile jahrelangen IAEO-Untersuchung über die Herkunft und den aktuellen Standort der angereicherten Uranpartikel, die an zwei Orten gefunden wurden, die nicht als potenzielle Nuklearstandorte deklariert sind, nämlich Varamin und Turquzabad. Solange diese Fragen nicht zufriedenstellend geklärt sind, ist die Behörde nicht in der Lage, die Richtigkeit und Vollständigkeit der iranischen Erklärungen im Rahmen des Abkommens zu bestätigen.

Auch habe es bisher keine Fortschritte bei der Wiederinstallation weiterer Überwachungsgeräte und Kameras gegeben, die im Juni 2022 entfernt worden waren. Seitdem wurden nur die Daten jener IAEO-Kameras aufgezeichnet, die im Mai 2023 in einer Anreicherungsanlage in Isfahan installiert worden waren. Davon hat die IAEO jedoch nicht viel, gewährt das iranische Regime ihr doch keinen Zugang zu den Aufzeichnungen.

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