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Irakisch-jüdische Aktivisten nach Friedenskonferenz in Erbil optimistisch

Die Hauptstadt der Region Irakisch-Kurdistan Erbil, wo die Friedenskonferenz stattfand
Die Hauptstadt der Region Irakisch-Kurdistan Erbil, wo die Friedenskonferenz stattfand (Quelle: JNS)

Für die Teilnehmer hatte die Konferenz zwar Konsequenzen, aber sie war auch ein erster produktiver Schritt für die Iraker, die Aussichten auf Frieden mit den Israelis zu diskutieren.

Karmel Melamed

Nachdem gegen viele der 300 irakischen muslimischen Politiker und Aktivisten, die auf einer Ende September in der irakischen Region Kurdistan abgehaltenen Konferenz einen Friedensschluss mit Israel forderten, Haftbefehle ausgestellt und öffentliche Morddrohungen ausgesprochen wurden, äußern nun jüdische Aktivisten irakischer Herkunft ihre Unterstützung für diejenigen, die im Irak Frieden mit Israel suchen.

So sagte Lyn Julius, eine jüdische Aktivistin irakischer Herkunft und Mitbegründerin von Harif, einer Vereinigung von Juden aus dem Nahen Osten und Nordafrika mit Sitz im Großbritannien:

„Es ist deprimierend, dass die Konferenzteilnehmer auf diese Weise schikaniert werden. Es war sehr mutig von ihnen, überhaupt teilzunehmen, aber vielleicht haben sie die Risiken unterschätzt, die sie eingingen.“

Repression gegen Teilnehmer

Die Konferenz, die in der Stadt Erbil stattfand, wurde von irakischen Regierungsvertretern scharf verurteilt, die sie als „illegales Treffen“ bezeichneten. Nach Angaben der Irakischen Nachrichtenagentur (INA) kündigten einige irakische Behörden sogar an, alle 300 Teilnehmer zu verhaften, sobald sie identifiziert worden seien.

Bereits ausgestellt wurde ein Haftbefehl gegen Wisam al-Hardan, den Anführer der Bewegung „Söhne des Irak – Erwachen“, der den Beitritt des Irak zum Abraham-Abkommen gefordert und auf der Konferenz auch die Aufnahme uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen zu Israel befürwortet hatte.

Nach der öffentlichen Verurteilung seiner Äußerungen im Irak gab al-Hardan später eine Entschuldigung auf Video heraus und zog seine Unterstützung für die Veranstaltung zurück.

Außerdem wurden Haftbefehle gegen andere Redner der Konferenz ausgestellt, darunter der ehemalige irakische Politiker Mithal Al-Alusi und die hohe Beamtin des irakischen Kulturministeriums Sahar al-Tai.

Später behauptete Al-Alusi, der sich seit langem für den Frieden zwischen Irak und Israel einsetzt, gar nicht an der Konferenz teilgenommen zu haben. Auch mehrere andere Konferenzteilnehmer machten einen Rückzieher von ihren früheren Erklärungen, in denen sie einen Friedensschluss gefordert hatten.

Der Irak befindet sich seit der Gründung Israels im Jahr 1948 offiziell im Krieg mit dem jüdischen Staat. Die Gesetze des Landes aus dieser Zeit sehen die sofortige Inhaftierung aller Personen vor, die mit Israelis zu tun haben oder in irgendeiner Weise mit Israel in Verbindung stehen.

Nach 1948 wurde den Mitgliedern der einst 150.000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde im Irak die Staatsbürgerschaft entzogen, ihr Vermögen wurde von der Regierung beschlagnahmt und sie wurden gewaltsam aus dem Land vertrieben.

Die meisten irakischen Juden ließen sich in Israel nieder, einige wanderten jedoch nach Europa und Nordamerika aus. Experten schätzen, dass heute nur noch eine Handvoll Juden im Irak lebt.

Nutzen für beide Seiten

Linda Menuhin, eine israelische Friedensaktivistin irakischer Herkunft, die über Zoom mit den irakischen Aktivisten auf der Konferenz in Erbil sprach, sagte, dass viele Teilnehmer jetzt ihre Aussagen zum Frieden mit Israel widerrufen, weil sie und ihre Familien befürchten, von den im Irak operierenden Milizen des iranischen Regimes verletzt oder gar getötet zu werden.

Menuhin, die 2013 gemeinsam mit Duki Dror den Dokumentarfilm „Shadow in Bagdad“ über die Entführung und Ermordung ihres Vaters, Jacob Abdel Aziz, durch irakische Beamte in den 1970er Jahren gedreht hat, sagte:

„Ich glaube, dass der Iran, der derzeit großen Einfluss im Irak hat, in der Tat die größte Herausforderung auf dem Weg zum Frieden ist, weil das irakische Regime seine Souveränität nicht frei ausüben kann.“

Dennoch bleibt sie optimistisch, was die Aussichten auf einen künftigen Frieden zwischen dem Irak und Israel angeht.

„Ich glaube, dass es Hoffnung auf Frieden in der Zukunft gibt, denn Millionen von Menschen sehnen sich danach, sich aus dem Würgegriff des Irans direkt oder durch seine Milizen zu befreien. Die jungen Menschen wollen eine Zukunft ohne Feindschaft aufbauen, die auf guten Beziehungen zu allen Nachbarn beruht.“

Andere irakisch-jüdische Aktivisten, die in den Vereinigten Staaten und Kanada leben, sagten, dass Israelis und Juden, die im Westen leben, dazu beitragen können, den Frieden mit den Irakern zu fördern.

So könnten sie sich an möglichen geschäftlichen Unternehmungen beteiligen oder einen Dialog über soziale Medien beginnen, wie Sami Sourani sagte, ein irakisch-jüdischer Aktivist, der in Kanada lebt

„Die beste Rolle der Mizrachim [der vorientalischen Juden] in dieser Situation ist es, Handelskontakte zu knüpfen und Geschäfte zum Nutzen aller Seiten zu entwickeln.“

Die jüdische gemeinnützige Gruppe „Jews Indigenous to the Middle East and North Africa“ (JIMENA) mit Sitz in San Francisco klärt seit langem Gruppen in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt über die Notlage von fast 850.000 jüdischen Flüchtlingen auf, die im 20. Jahrhundert aus den arabischen und islamischen Ländern fliehen mussten oder vertrieben wurden.

Die Leitung von JIMENA hat kürzlich eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Konferenz in Erbil begrüßt und dazu aufruft, bei künftigen ähnlichen Veranstaltungen Vorsicht walten zu lassen, um die Friedensaktivisten in den arabischen Ländern zu schützen.

„Aufgrund der Arbeit von JIMENA in Nordafrika und im Nahen Osten wissen wir, dass viele verschiedene Gemeinschaften in der Region den Wunsch haben, neue Beziehungen zu den jüdischen Gemeinden in Israel und im Ausland aufzubauen.

Aber diese Arbeit muss mit äußerster Vorsicht und Sensibilität für die Sicherheit und das Wohlergehen jener mutigen Seelen geschehen, die einen friedlichen Weg in die Zukunft suchen.«

Die Zukunft liegt in der Zusammenarbeit

Joseph Samuels, ein 90-jähriger irakisch-jüdischer Aktivist und Sprecher von JIMENA, der in Los Angeles lebt, sagte, es müsse mehr getan werden, um die neue Generation von Irakern im Besonderen und Arabern im Allgemeinen über die Notlage der Juden aufzuklären, die unter der Verfolgung in ihren früheren muslimischen Heimatländern gelitten haben.

„Ich glaube wirklich, dass, wenn die jüngere Generation der Iraker in ihrer eigenen arabischen Sprache lernen würde, welche schrecklichen Dinge den irakischen Juden angetan wurden und wie die jüdische Vertreibung eine Katastrophe für den Irak war, dies möglicherweise dazu beitragen könnte, ihre Herzen und ihren Verstand zu ändern und Frieden zu suchen.“

Samuels erzählte auch, dass seine Memoiren „Beyond the Rivers of Babylon“, die vergangenes Jahr veröffentlicht wurden, derzeit von einem im Irak lebenden professionellen Übersetzer, der ein schiitischer Muslim ist, ins Arabische übersetzt werden.

„Der Mann, der mein Buch übersetzt, ist ein großartiger Mensch, und ich weiß, dass es viele andere Iraker gibt, die ebenfalls keinen Hass auf Juden haben. Ich denke, dass mein Buch auf Arabisch viele Araber über meine schrecklichen Erfahrungen bei der Flucht aus dem Irak und beim Wiederaufbau meines neuen Lebens aufklären wird.

Ich würde auch gerne die Möglichkeit haben, über arabischsprachige Medien mit ihnen zu sprechen und ihnen zu sagen, dass wir Juden keinen Hass auf sie hegen, selbst nach all der Verfolgung, die wir im Irak erlebt haben.“

Jüdische Aktivisten aus dem Irak erklärten, dass die Konferenz in Erbil zwar negative Folgen für die Teilnehmer gehabt haben mag, dass sie aber ein erster produktiver Schritt für die Iraker war, um über die Aussichten auf Frieden mit den Israelis nachzudenken. So schluss die eingangs zitierte Lyn Julius:

„Das Großartige an der irakischen Konferenz ist, dass sie nicht die Uhr zurückdrehen und die Juden in den Irak ‚zurückkehren‘ lassen wollte. Vielmehr wurde erkannt, dass Israel hier ist, um zu bleiben, dass die große Mehrheit der irakischen Juden jetzt Israelis ist, und dass die Zukunft in der Zusammenarbeit mit ihnen liegt.“

(Der Artikel Despite crackdown, Iraqi Jewish activists cautiously optimistic after Erbil peace conference“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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