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Irak: Eine „Revolutionsgarde“ nach iranischem Vorbild?

Hat den Irak im Visier: Der Chef der iranischen Revolutionsgrarde Hossein Salami. (© imago images/ZUMA Wire)
Hat den Irak im Visier: Der Chef der iranischen Revolutionsgrarde Hossein Salami. (© imago images/ZUMA Wire)

Der Iran und seine Handlanger kündigen den Aufbau einer „Revolutionsgarde“ im Irak an. Ein weiterer Schritt zur Unterwerfung des Landes.

Vor einigen Tagen äußerte sich der Chef der sogenannten Volksmobilisierungskräfte (Popular Mobilization Forces) im Irak, Faleh al-Fayyad, dass die Entwicklung der iranischen Revolutionsgarde im Irak nachgeahmt werden sollte. Angesichts der der Öffnung der irakischen Regierung gegenüber den sunnitischen arabischen Nachbarländern wirft das einige Fragen auf.

Besuch in Teheran

Am 8. August sagte al-Fayyad bei einem Treffen mit dem Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionsgarde, Hossein Salami, in Teheran, dass er „stolz auf das Modell der iranischen Revolutionsgarden sei und dass die Erfahrungen der Garde im Einklang mit den irakischen Gesetzen und Merkmalen genutzt werden sollten“. Dabei verwies er auf die Möglichkeit der Bildung einer „irakischen Revolutionsgarde“.

Im Gegenzug bezeichnete Salami die Volksmobilisierungskräfte als „dschihadistische Organisation“ und fügte hinzu, dass „der Iran sein gewichtigstes Wort auf dem Schlachtfeld spricht“, wie die offizielle iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete. „Die Leistung der Volksmobilisierung ist in diesem Bereich beeindruckend, und ihre Fähigkeiten werden ausweiten – als defensive und dschihadistische Kraft mit großen Zielen“, fügte er hinzu.

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Diese Äußerungen lassen den Wunsch des Iran erkennen, parallel zur irakischen Armee eine Truppe ähnlich der libanesischen Hisbollah zu etablieren. Alle mit den Volksmobilisierungskräften verbundenen Gruppen sollten unter einem organisatorischen Rahmen vereint werden, der dem der Revolutionsgarde entspricht.

Nach Ansicht des offiziell nichtstaatlichen Future Center for Advanced Research and Studies in den Vereinigten Arabischen Emiraten stehen die Statements im Einklang mit der iranischen Vision für die Zukunft des Irak und seinem Wunsch, den für Ende 2021 erwarteten Rückzug der USA aus dem Land auszunutzen:

„Es besteht kein Zweifel daran, dass der Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak Ende dieses Jahres gemäß den Ergebnissen der vierten Runde des strategischen Dialogs zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak eine Zunahme des iranischen Einflusses im Irak nach sich ziehen dürfte. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Iran seine offiziellen und inoffiziellen Visiten darauf ausgerichtet, das erwartete amerikanische Vakuum auf allen Ebenen zu füllen.“

Das Zukunftszentrum erklärte weiter: „Die Ankündigung der Schaffung einer irakischen Revolutionsgarden folgt dem iranischen Plan, den Irak durch ideologische Milizen zu beherrschen, die mit den Revolutionsgarden verbunden sind und deren Loyalität nur Teheran gilt.“

In diesem Zusammenhang erklärt der irakische Experte Ramadan Al-Badran gegenüber Mena-Watch: „Al-Fayyads Ruf nach einer Revolutionsgarde im Irak bedeutet, dass die Volksmobilisierungskräfte die oberste militärische Autorität im Irak sein werden. Sie werden die Sicherheitsagenden übernehmen und die Standpfeiler des irakischen Staates werden.“

Er fährt fort: „Die Volksmobilisierungskräfte haben sich bereits ausgedehnt, sind in viele Bereiche im Irak eingedrungen und haben ihren Einfluss auf weite Teile des Landes ausweiten können – und all dies geschah unter der Schirmherrschaft des Iran.“

Al-Badram fügt hinzu: „Wir sind praktisch mit dem Versuch konfrontiert, die iranische Erfahrung im Irak zu reproduzieren und das Land von einem zivilen Staat in ein Land umzuformen, das von einem anderen, hochideologisierten Staat (Iran) regiert wird. Die staatlichen Institutionen des Irak sollen ausgeschaltet werden, um das Land dem Iran zu unterwerfen.“

Unabhängigkeit unterbinden

Al-Fayyads Äußerungen über eine irakische Revolutionsgarde erfolgten in einer Zeit, in der die irakische Regierung eine Politik der Öffnung und Annäherung an die unmittelbare arabische Nachbarschaft verfolgt, was als Versuch gesehen werden kann, eine selbstständige Außenpolitik unabhängig von Teheran auszuüben. Beobachtern zufolge müssten Al-Fayyads Bemerkungen auch als Antwort auf diese Bestrebungen verstanden werden.

Ramadan Al-Badran meint in diesem Zusammenhang, dass das Ziel des Irans bei der Ausweitung des Einflusses und der Rolle der ihm loyalen Milizen im Irak darin besteht, „die iranische Hegemonie im Land zu konsolidieren und alles zu zerstören, was mit dieser Hegemonie konkurriert – insbesondere Versuche Bagdads, eine unabhängige Politik zu verfolgen und unabhängige Beziehungen zu den Ländern der Region oder anderen Ländern aufzubauen“.

Seit seinem Amtsantritt im Mai 2020 bemüht sich der irakische Ministerpräsident Mustafa Al-Kazemi um eine Politik, die verhindern soll, dass der Irak zum Schauplatz eines Konflikts zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten wird, und bemüht sich um ausgewogene Wirtschaftsbeziehungen zu den arabischen Ländern.

Diese Ziele wurden deutlich, als Al-Kazemi das für Ende dieses Monats geplante Gipfeltreffen der regionalen Nachbarn organisierte, eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Ägypten und Jordanien im Rahmen der so genannten Allianz „Neue Levante“ anstrebte und die Möglichkeit erörterte, Strom aus den arabischen Golfstaaten zu importieren, anstatt sich auf den Iran zu verlassen.

Auch das Treffen des irakischen Verteidigungsministers Jumaa Inad Saadoun mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi am 7. August in Kairo sei laut dem Future Center for Research and Advanced Studies in diesem Kontext zu sehen. Al-Kazemi versuche, von einer militärischen Zusammenarbeit mit Ägypten zu profitieren, die Fähigkeiten der irakischen Streitkräfte zu verbessern und die irakische Armee gegenüber den Volksmobilisierungskräften zu stärken. „Dieses Treffen könnte den Iran beunruhigt und veranlasst haben, gleich am nächsten Tag mit dem Besuch von Al-Fayyad in Teheran, seinem Treffen mit Salami und den Erklärungen der irakischen Revolutionsgarden zu reagieren.“

Aus Sicht des Forschungszentrums will Teheran mit der Bildung einer irakischen Revolutionsgarde unterstreichen, dass es der Iran seinen Einfluss im Irak stärken und anderen regionalen Akteuren den Weg abschneiden will.

Rabab Ahmed, eine auf den Nahen Osten spezialisierte ägyptische Journalistin, zeigt sich gegenüber Mena-Watch überzeugt, dass der Irak bei der Organisation des regionalen Nachbarschaftsgipfels und bei der Annäherung an die arabischen Länder trotz der iranischen Drohungen mit einer irakische Revolutionsgarde Fortschritte mache.

„Die widerstreitenden Interessen könnten im Irak zu einem heftigen Kampf um Einfluss zwischen den arabischen Ländern und dem Iran führen“.

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