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Irak: Neues Zielland für libanesische Wirtschaftsemigranten

Immer mehr Libanesen versuchen im Irak der wirtschaftskrise zu entkommen
Immer mehr Libanesen versuchen im Irak der Wirtschaftskrise zu entkommen (© Imago Images / Xinhua)

Immer mehr Libanesen emigrieren in den Irak, wo sie sich eine bessere Zukunft erhoffen als im eigenen krisengebeutelten Land, in dem eine schwere Wirtschaftskrise herrscht.

Tausende Libanesen, die vor der verfallenden Währung und der in die Höhe schnellenden Armut in ihrem Land fliehen, siedeln sich seit einiger Zeit im Irak an. Der Grund dafür sind nicht nur die relative Nähe und die günstigen Visabestimmungen, sondern auch die zunehmende Stabilität des Irak, seitdem das Land im Jahr 2017 den Sieg über den Islamischen Staat verkündete.

Während der Irak nach Jahrzehnten des Konflikts – vom Iran-Irak-Krieg in den 1980ern über den US-Krieg zum Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 und den darauf folgenden konfessionellen Konflikten bis hin zum Aufstieg des Islamischen Staates im Jahr 2014 – kaum Anziehungskraft auf jene ausübte, die sich ein neues Leben aufbauen wollten, ändert sich die in jüngster Zeit zusehends.

Während den Libanon eine Wirtschaftskrise fest im Griff hat, die von der Weltbank als die schlimmste seit den 1850er Jahren beschrieben wird, die Währung über 90 Prozent gegenüber dem Dollar verloren hat und ca. 80 Prozent der Bevölkerung in Armut leben, erleben einst gewaltgebeutelte Städte wie Bagdad einen Aufschwung, der sich in Ladenzeilen, Geschäftsstraßen und bis spät in die Nacht geöffneten Cafés widerspiegelt.

Mehr als 20.000 Libanesen folgten zwischen Juni 2021 und Februar 2022 dem durch diese Entwicklung hervorgerufenen Versprechen einer besseren Zukunft und übersiedelten in den Irak, um Arbeit zu finden, mit deren Lohn sie sogar noch ihre Familien zu Hause ernähren können.

Laut dem irakischen Wirtschaftsexperten Ali Al-Rawi hätten die libanesischen Unternehmer im Irak den Vorteil, dass sie »die Investitionsbedingungen gut kennen«, während viele ausländische Firmen aufgrund der gewaltvollen Vergangenheit des Irak immer noch davor zurückschrecken, hier zu investieren. »Es gibt viel Raum für libanesische Unternehmen in der irakischen Wirtschaft«, sagte er gegenüber der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw.

Der libanesische Botschafter in Bagdad, Ali Habhab, wird von Rudaw mit der Aussage zitiert, dass sich der Zustrom aus seinem Heimatland in den Irak »in jüngster Zeit vervielfacht« habe. Es gebe 900 libanesische Unternehmen im Irak, die meisten von ihnen im Tourismus- und Gastgewerbe. Aber auch in der Gesundheitsversorgung seien viele Libanesen tätig. So versähen Dutzende Ärzte in irakischen Spitälern ihren Dienst.

Der Libanon war einst eine Hauptdestination für Medizintourismus aus dem Irak, da es in Beirut und anderen Städten weit besser ausgestattete Spitäler und medizinische Einrichtungen gab als in Bagdad, Erbil oder Basra. Aber die Wirtschaftskrise hat auch die Gesundheitsversorgung getroffen.

So sagt ein Vertreter der früher unter irakischen Patienten sehr beliebten Augen- und HNO-Spezialklinik in Beirut, dass »sehr viele Ärzte den Libanon verlassen« hätten. Seine Klinik, so Michael Cherfan weiter, habe auf die Krise genauso reagiert wie viele der emigrierten Ärzte: Sie eröffnete eine Zweigstelle in Bagdad.

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