Irak: Mächtigster Widerstand gegen den Iran seit Saddam Hussein

„[Bei den Wahlen Irak] kam die Sairun-Koalition des aufwieglerischen Klerikers Muqtada al-Sadr auf Platz eins. Sie werden sich an Muqtada al-Sadr erinnern. Er ist derjenige, der zwischen 2003 und 2008 einen vom Iran unterstützten schiitischen Aufstand gegen die Vereinigten Staaten, die irakische Regierung und die sunnitische Zivilbevölkerung anführte. Heute ist er eine ganz andere Person. Er streckt seine Faust zwar weiterhin in die Luft und fuchtelt mit ihr herum, doch heute richtet sie sich gegen die korrupten Eliten und seine ehemaligen iranischen Förderer. ‚Wenn die korrupten (Amtsträger) und Quoten bleiben‘, erklärte Sadr, ‚wird die gesamte Regierung ausnahmslos gestürzt werden‘. Anders ausgedrückt: ‚Drain the swamp‘. Er ist die irakische Version eines aufwieglerischen Populisten: fundamentalistisch, gegen das Establishment und gegen Ausländer, ein Fürsprecher der Arbeiterklasse und erklärter Feind des westlichen Liberalismus. Auf seiner Liste kandidierte sogar Muntadhar al-Zaidi, der schillernde Journalist, der 2008 bei einer Pressekonferenz in Bagdad Präsident George W. Buch mit einem Schuh bewarf. (…)

Sadr ist ein schrecklicher Reaktionär und mehr als nur ein bisschen gefährlich. Er ist auch kompliziert. Er ist ein schiitischer Sektierer, dessen Miliz Sunniten brutal aus den Nachbarschaften in und um Bagdad vertrieb. Doch ist er nach heutigen Maßstäben auch  ein irakischer Nationalist. Er lehnt Gewalt gegen Iraker ab und missbilligt jede ausländische Einflussnahme. ‚Wir werden es nicht zulassen, dass Iraker zum Kanonenfutter in den Kriegen anderer werden, oder in Stellvertreterkriegen außerhalb des Irak eingesetzt werden‘, erklärte Jumah Bahadily, der der Bewegung Sadrs angehört, mit Blick auf den syrischen Bürgerkrieg. Zudem hat Sadr ein Bündnis mit den Kommunisten geschmiedet – vom Standpunkt des westlichen Liberalismusaus gesehen ein grauenerregendes ideologisches Gemisch. Doch im alten Mesopotamien gibt es nicht viele Demokraten à la Jefferson. Allerdings gib es einige säkulare Reformer und Technokraten, und sie haben ebenfalls ein Bündnis mit den Sadristen geschlossen. Teheran beobachtet die Entwicklung mit Unbehagen. ‚Wir werden es nicht zulassen, dass Liberale oder Kommunisten den Irak regieren‘, erklärte Ali Akbar Velayati, ein hochrangiger Berater des iranische Machthabers Ayatollah Khamenei.

Herzlich wenige Amerikaner würden gerne unter eine sadristischen Regierung leben. Der Widerstand gegen den Iran ist aber nicht zu verachten. Nicht nur der Westen, sondern auch die Araber haben sich über den seit dem Sturz Saddams zunehmenden Einfluss des Iran im Irak beklagt. Dafür war die Mahdi-Armee Sadrs in hohem Maße verantwortlich. Doch nun stellt er sich dem iranischen Einfluss im Irak erfolgreicher als sonst irgendjemand entgegen. Die sunnitischen Parteien setzen sich natürlich wie immer zur Wehr, aber sie stellen nur eine kleine Minderheit dar. Der Einfluss des Iran im Irak wird fast in Gänze durch Schiiten ausgeübt. Nur sie können sich Teheran erfolgreich widersetzen, da sie auch die einzigen waren, die Teheran überhaupt erst so mächtig werden ließen. Sitzt die Bewegung Sadrs erst fest im Sattel, wird der Iran in Bagdad auf den seit Saddams Flucht von Palast zu Palast größten Widerstand stoßen.“ (Michael J. Totten: „The Populist Revolt Reaches Iraq“)

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