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Irak kämpft gegen Drogenhändler aus Syrien und Afghanistan

Der Grenzübergang Bukamal-Qaim zwischen Syren und dem Irak
Der Grenzübergang Bukamal-Qaim zwischen Syren und dem Irak (© Imago Images / Xinhua)

Der starke Anstieg des Drogenhandels, der sowohl über die Ost- als auch die Westgrenze des Landes aus betrieben wird, ist besorgniserregend.

Shelly Kittleson, Al Monitor

Anfang Dezember drängte die für die Drogenkontrolle in der irakischen Provinz Maysan im Südosten des Landes entlang der iranischen Grenze zuständige Direktion darauf, so schnell wie möglich weitere Haftanstalten zu bauen, da die Zahl der Verhaftungen im Zusammenhang mit Drogen stark gestiegen ist und nicht alle Verhafteten untergebracht werden können.

Das Problem scheint sich jedoch auf das gesamte Land auszudehnen.

Ende Dezember wurde im Irak ein Hashtag veröffentlicht, der wörtlich übersetzt „Lasst Sie uns aushungern« bedeutet. Damit ist gemeint, dass gegen bewaffnete Gruppen und politische Parteien in Verbindung mit Milizen vorgegangen werden soll, die in den Drogenhandel verwickelt sind, mit den Erlösen Waffen und Unterstützung kaufen und de facto als mafiöse Organisationen agieren.

Es werden keine spezifischen Parteien genannt, aber zur Beschreibung wurde ein Wort verwendet, das während der massiven Proteste Ende 2019, die die damalige Regierung zu Fall brachten, dazu diente, auf mit dem Iran verbundene Gruppen hinzuweisen.

Im Irak ist nicht nur der Schmuggel verschiedener Drogen, sondern auch der Konsum von Methamphetamin in den letzten Jahren zu einem größeren Problem geworden, wie mehrere irakische Quellen, die den Sicherheitskräften nahestehen, gegenüber Al-Monitor erklärten.

Der Irak hat eine lange Grenze mit dem Iran, der nach der Machtübernahme durch die Taliban Mitte August einen starken Zustrom von Afghanen zu verzeichnen hat, die aus ihrem Heimatland fliehen. Ein großer Teil der durch den Iran geschmuggelten Drogen kommt seit vielen Jahren aus Afghanistan. (…) In einem Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, der im November 2020 veröffentlicht wurde, heißt es:

„Eine wichtige Neuerung in den letzten drei Jahren war die Produktion und Verarbeitung erheblicher Mengen von Ephedrin und Methamphetamin durch ländliche Haushalte im Südwesten [Afghanistans].« (…)

An der westlichen Grenze des Irak, in der Provinz Anbar, floriert derweil der Drogenhandel mit Captagon weiter, wie lokale Sicherheitsquellen berichten. (…)

Irakische Sicherheitskräfte, die von der internationalen Koalition unterstützt werden, haben Rawa, die letzte vom Islamischen Staat kontrollierte Stadt, im November 2017 zurückerobert. Mittlerweile gibt es in Anbar inzwischen weniger IS-Angriffe als in anderen irakischen Provinzen, aber die überwiegend wüstenartige Provinz im Westen des Irak an der Grenze zu Syrien, Jordanien und Saudi-Arabien dient dem IS und Drogenhändlern weiterhin als Versteck.

Weite Teile der Provinz werden von bewaffneten Gruppen kontrolliert, die mit dem Iran in Verbindung stehen. Viele der Kämpfer dienen zwar in den von der Regierung anerkannten Volksmobilisierungseinheiten (PMU), geben aber offen an, Teil der vom Iran geführten „Muqawama („Widerstand“) zu sein.

Wiederholt wurde Al-Monitor der Zugang zu den von ihnen kontrollierten Gebieten zwischen Qaim und Rutbah verweigert, in denen ein Großteil des Drogenschmuggels stattfinden soll.

Auf der anderen Seite der Grenze in Syrien hat die Tanf-Garnison der von den USA unterstützten bewaffneten syrischen Oppositionsgruppe Jaysh Maghawir al-Thawra (MaT) häufig Versuche verhindert, große Mengen von Captagon zu schmuggeln.

Der MaT-Kommandeur Mohannad al-Talaa erklärte am 25. Dezember gegenüber Al-Monitor (…), dass die libanesische Hisbollah syrisches Territorium für den Anbau von Rauschgift und dessen Produktion ausnutzt, was für sie zu einer wichtigen Einnahmequelle in ihrem Krieg gegen die syrische Bevölkerung geworden ist.

Die Verwicklung der syrischen Regierung und der Hisbollah in den regionalen Handel mit illegalen Substanzen, einschließlich Captagon, wurde in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien hinreichend belegt. Die New York Times veröffentlichte am 5. Dezember einen ausführlichen Bericht, in dem es heißt:

„Eine illegale Drogenindustrie, die von mächtigen Mitarbeitern und Verwandten von Präsident Bashar al-Assad betrieben wird, hat sich zu einem milliardenschweren Geschäft entwickelt, das die legalen Exporte Syriens in den Schatten stellt und das Land zum neuesten Drogenstaat der Welt macht.“

(Aus dem Artikel Iraq urged to ’starve’ those profiting from rising drug trade ”, der bei Al-Monitor erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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