Irak: Dürrekatastrophe dank der Türkei und dem Iran

Euphrat. Quelle: Youtube.

„Der Bau des äthiopischen Renaissance-Damms am Blauen Nil hat die Aufmerksamkeit der Welt auf die angespannten Beziehungen zwischen Äthiopien und Ägypten gelenkt. Wenn es gefüllt wird, wird dessen Reservoir den Pegel des Nils voraussichtlich um ein bis zwei Meter senken und dem Leben entlang des Nils in Ägypten schweren Schaden zufügen. Der Konflikt, der sich wegen des Wassers des Tigris (Dajla auf Arabisch) und des Euphrat (Furat auf Arabisch) anbahnt, hat dagegen wenig Aufmerksamkeit erhalten. Seit der Antike hat die Existenz des Irak stets von den beiden geschichtsträchtigen Flüssen abgehangen.

Seit Juli 2018 ist es in der südirakischen Stadt Basra zu Protesten der örtlichen Bevölkerung gekommen, die zu Unruhen führten und einige Todesopfer forderten. Nachdem der Gouverneur der Provinz Basra anordnete, scharf auf die Demonstranten zu schießen, verschlimmerte sich die Situation. Demonstranten stürmten am 4. September das Gebäude der Provinzregierung und steckten es in Brand.

Verursacht wurden die Unruhen durch den veralteten und verfallenden Zustand der örtlichen Infrastruktur. Kritisiert wird in erster Linie die versagende Wasserinfrastruktur, die seuchenähnliche Zustände schafft. Aus Basra wird gemeldet, dass täglich 500 bis 600 Menschen mit Wasservergiftung und den Hautkrankheiten, die mit ihr einhergehen, in die Notaufnahmen kommen. Rund 17.000 Infektionen des Verdauungstrakts, die auf verseuchtes Wasser zurückzuführen sind, sind den Gesundheitsbehörden in Basra zufolge bislang gemeldet worden. Die Krankenhäuser kommen nicht mehr hinterher und die Behörden wissen auch nicht, was sie gegen die sich ausbreitenden Infektionen und die Choleragefahr unternehmen sollen. (…)

Die Hauptursachen für diese humanitäre Katastrophe sind die seit sechs Jahren anhaltende Dürre und der mit ihr einhergehende unregelmäßige Niederschlag sowie, in erster Linie, die Tatsache, dass die Türkei und der Iran beide Wasser aus den Flüssen umleiten.

Die beiden Länder haben Dämme am Euphrat und am Tigris gebaut, um die Nebenflüsse statt in den Irak in ihre eigenen Seen und Flüsse umzuleiten. So werden der jährliche Wasserfluss des Euphrat und der Tigris in den Irak um mehr als 40 Prozent reduziert. (…)

Infolge der türkischen und iranischen Wasserprojekte hat der Irak insgesamt mehr als 50 Prozent seines Wassers verloren. Dies wird dazu führen, dass ein Gebiet von bis zu zehn Millionen Quadratkilometern zur Wüste wird. Die Regierung hat Bauern gerade den Anbau wasserintensiver Feldfrüchte wie Reis, Mais und Getreide untersagt. Folglich muss sie nun Weizen aus den Vereinigten Staaten und Kanada importieren. (…)

Die Türken scheinen mit den Irakern zu sympathisieren und verlangsamen die Füllung des mit dem Ilisu-Damm verbundenen Reservoirs. Dagegen zeigen die Iraner keinerlei Mitgefühl. Es könnte durchaus sein, dass dem Iran sogar daran gelegen ist, die Krise im Irak zu verschärfen, um die irakischen Politiker zu zwingen, sich der politischen Agenda Teherans zu fügen. Auf einen Kompromiss in der Wasserverteilung zwischen den beiden Ländern dürfte Teheran sich erst einlassen, wenn er den Irak fest unter seiner Knute hat.“ (Jacques Neriah: „Iran and Turkey Divert Iraq’s River Waters, Leaving Iraq on the Brink of Catastrophe“)

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