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In Memoriam Jitzchak Rabin (1922 – 1995)

Jitzchak Rabin bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im März 1994. (imago images/ZUMA Wire)
Jitzchak Rabin bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im März 1994. (imago images/ZUMA Wire)

Heute vor hundert Jahren wurde Jitzchak Rabin, einer der bedeutendsten Politiker in der Geschichte Israels, als Sohn eines Ukrainers und einer Weißrussin in Jerusalem geboren.

Die Vita des Jitzchak Rabin (1922 – 1995) kann zweifelsohne als symbolhaft für die Geschichte des Landes Israel angesehen werden. Als einer der wenigen nicht immigrierten, sondern schon im Land geborenen Politiker prägte er das politische Geschehen der Gründergeneration wie kaum ein anderer. Und auch sein gewaltsamer Tod prägte die Geschichte Israels in einer Art und Weise, die bis heute ihre Spuren hinterlässt.

Politisch und sozial engagiertes Elternhaus, Kibbuz, Landwirtschaftsschule, Palmach, Diplomat, Generalstabschef, Verteidigungsminister, Arbeitsminister, Parteivorsitzender der sozialistischen Arbeitspartei, Premierminister, Friedensnobelpreisträger, Attentatsopfer: Wie soll man solch ein Leben und solch bedeutende Leistungen in einige wenige Zeilen eines Artikels fassen?

Als Generalstabschef der israelischen Armee war Rabin maßgeblich für den größten militärischen Triumph der israelischen Geschichte verantwortlich, den Sieg im Präventivkrieg gegen Ägypten, Syrien und Jordanien im Juni 1967, der als Sechstagekrieg in die Geschichte einging. Auf seine Zeit in der Armee folgte eine Zeit als Botschafter in den USA, bevor er in die israelische Politik ging. Zwei Mal bekleidete Rabin das Amt des Premierministers: von 1974 bis 1977 – in diese Amtszeit fiel der wohl spektakulärste Antiterror-Einsatz der Geschichte: die Geiselbefreiung am ugandischen Flughafen Entebbe –, sowie von 1993 bis zu seiner Ermordung 1995. In diese Zeit fiel der Beginn jener Entwicklung, die unzweifelhaft Rabins politisches Erbe darstellte: der Oslo-Friedensprozess mit der PLO.

Dazwischen war Rabin als Verteidigungsminister (1984 – 1990) für die Niederschlagung der sogenannten ersten Intifada der Palästinenser verantwortlich. Diese Erfahrung sowie seine frühe Einsicht in die Bedrohung, die das iranische Regime in Zukunft darstellen sollte, machten ihn zum Befürworter eines Friedensprozesses mit der PLO. Geheime Gespräche mit der PLO im norwegischen Oslo führten schließlich zur Unterzeichnung des Oslo-Abkommens im September 1993 in Washington.

In der »Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung« ist die Akzeptanz beider Seiten festgehalten: Israel anerkennt die PLO als offizielle Vertretung der Palästinenser, während die PLO sich verpflichtet, sich von ihrem Ziel, Israel zu vernichten, loszusagen und die dementsprechenden Passagen in ihrer Charta zu streichen. (Diese Zusage seitens der Palästinenser wurde bis heute nicht eingehalten.) In Folgevereinbarungen wurde festgelegt, dass der Gazastreifen und das Westjordanland in der autonomen Verantwortlichkeit der Palästinenser stehen sollen.

Die Ratifizierung dieser politischen Weichenstellung führte zur Vergabe des Friedensnobelpreises an Jitzchak Rabin, Schimon Peres und Jassir Arafat. Wurden die Friedensverhandlungen international mit großem Beifall begrüßt, gab es in Israel selbst auch heftige Kritik. Der Widerstand gegen das Abkommen führte zu einem Ereignis, das nie hätte geschehen dürfen: Ein Jude tötet einen Juden. Jitzchak Rabin wurde am 4. November 1995 in Tel Aviv bei einer Großveranstaltung, die den Frieden feiern wollte, von einem extremistischen Israeli erschossen.

Obwohl oft behauptet, ist fragwürdig, ob wirklich Rabins Ermordung für die Entgleisung des Friedensprozesses verantwortlich war. Im Laufe des Jahres 1995 hatten bereits mehrere Selbstmordanschläge der Hamas Israel erschüttert. Enge Weggefährten berichteten im Nachhinein, dass Rabin wegen der beispiellosen palästinensischen Gewalt und seiner Ernüchterung über Jassir Arafat, der mitnichten den Rollenwechsel »vom Terroristen zum Staatsmann« vollzog, vor seiner Ermordung geplant hatte, den Friedensprozess nicht, oder wenigstens nicht ohne große Änderungen, weiterzuführen.

Sein oft wiederholtes Mantra, wonach der Friedensprozess weiterhin verfolgt werden müsse, als ob es keinen Terror gäbe, aber der Terror bekämpft werden müsse, als ob es keinen Friedensprozess gäbe, hatte sich als nicht praktikabel erwiesen.

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