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„Importierter“ Antisemitismus: Das verdrängte Problem

Der mutmaßliche Angreifer auf die Grazer Synagoge
Der mutmaßliche Angreifer auf die Grazer Synagoge (Quelle: Landespolizeidirektion Steiermark, (© Imago Images / imagebroker)

Der jüngste antisemitische Exzess in Graz zeigt, dass der Antisemitismus der Rechtsextremen in Österreich momentan nicht das Hauptproblem ist.

Jener Mann, der am Samstagabend den Präsidenten der Grazer Kultusgemeinde, Elie Rosen, mit einem Holzprügel attackiert hat, stammt aus Syrien und ist vor sechs Jahren nach Österreich gekommen. Und man muß von den Gegebenheiten in Syrien und anderen arabischen Ländern schon ganz besonders wenig Ahnung haben, um die Zusammenhänge nicht zu begreifen.

Denn wer in den letzten Jahrzehnten in Syrien in die Schule gegangen ist, der wurde dort systematisch zum Antisemitismus erzogen. Dass die Juden unrein seien, mehr Affen als Menschen ähnlich und besonders geldgierig, und dass Israel am besten von der Landkarte verschwinden möge, wird dort in der Schule gelehrt wie Mathematik oder Arabisch. Selbst intelligente und gebildete Syrer, die schon Jahrzehnte in Europa leben und ansonsten perfekt integriert sind, können sich nicht immer von dieser kindlichen Indoktrination lösen.

Vermutlich wird man dem Grazer Täter dies vor Gericht sogar als leicht mildernden Umstand zugutehalten müssen. Geplatzt ist mit der Grazer Attacke auf Rosen aber die in bestimmten Milieus seit 2015 noch immer gepflogene Illusion, die Migrationswelle der letzten fünf Jahre habe keine nennenswerte Auswirkung auf die Intensität des Antisemitismus in Österreich oder Deutschland.

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Wer in Anbetracht dieser Migrationswelle aus der notorisch antisemitischen arabischen Welt behauptet hatte, dies würde schon aus rein logischen Gründen zu einem Anstieg des Antisemitismus bei uns führen, musste sich regelmäßig den Vorwurf gefallen lassen, „islamophob“ zu sein, Fremdenhass zu schüren oder überhaupt gleich ein Nazi zu sein.

Nicht wenige Medien hielten es für richtig, dieses Problem diskret unter den Tisch zu kehren, anstatt es klar zu benennen. Aus Juden anpöbelnden arabischen Jungmachos wurden so regelmäßig „Männer“; was freilich beim durchschnittlich aufgeweckten Leser dazu führte, dass er schnell begriff, wer gemeint war, wenn von „Männern“ die Rede war.

Arik Brauer …

Nur ausnahmsweise wurde öffentlich der Zusammenhang zwischen Migration und Antisemitismus benannt. „Ein neuer Antisemitismus wurde mit den Flüchtlingen importiert. Natürlich gibt es immer andere, die anders empfinden. Aber ich sage, dass die Mehrheit der arabischen Muslime die Juden hassen. Sie fühlen sich vom Staat Israel gedemütigt“, erklärte 2018 der Künstler Arik Brauer und wurde dafür heftig kritisiert und zum Teil beschimpft. Und setzte noch eins drauf: „Für mich ist die muslimische Einwanderung schuld daran, dass die FPÖ zu einer Massenpartei werden konnte und in der Regierung sitzt. Die Rechten haben von Anfang an begriffen, dass die muslimische Migration ein Pferd ist, auf dem man vorwärts reiten kann.“

Dass Brauer zwar dafür zwar angegriffen, aber wenigstens nicht seiner bürgerlichen Ehre beraubt wurde, dürfte auch damit zusammenhängen, dass er Jude ist, was ihm in dieser Debatte eine gewisse Immunität verschafft hat.

… und Elie Rosen

Was auch für den jüngst brutal attackierten Elie Rosen gilt. Der hatte schon 2018 in einem Interview mit der Kleinen Zeitung gemeint: „Man reduziert den Antisemitismus hierzulande oftmals nur allzu gern auf den rechtsextremen. Aber ein Gefahrenpotenzial für Europas Juden stellt in starkem Maß der oft als Antizionismus getarnte Antisemitismus der Linken oder der muslimische dar. Die Anschläge auf Synagogen in Frankreich wurden kaum von Rechtsextremen verübt. Wir müssen dementsprechend für unsere Sicherheit jetzt mehr Vorkehrungen treffen als früher.“

Dieser Tage musste er am eigenen Leib erfahren, wie richtig sein Befund war. Dass endlich eine ehrliche und schonungslose öffentliche Debatte stattfinden wird über den Zusammenhang zwischen Migration und Antisemitismus – und vor allem die Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind – das darf freilich bezweifelt werden.

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