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Immer mehr Selbstmorde im Gazastreifen

Aufgrund der Hamas-Herrschaft ist die Lage für viele in Gaza katastrophal
Aufgrund der Hamas-Herrschaft ist die Lage für viele in Gaza katastrophal (© Imago Images / NurPhoto)

Im Gazastreifen treiben die steigende Arbeitslosigkeit, die darniederliegende Wirtschaft und die repressive Herrschaft der Hamas immer mehr vor allem junge Menschen in den Selbstmord.

Mohammed Altlooli

Als Ahmed nach einem langen Tag, an dem er stundenlang an seinem Stand gestanden und, Kaffee zubereitet und verkauft hatte, in sein Haus zurückkehrte, überlegte er, was er tun könnte, um seinen Umsatz steigern zu können. Der 23-Jährige hatte einen Universitätsabschluss, wie viele junge Menschen, die sich eine Zukunft in Gaza erhoffen, die doch nie eintrifft.

Ahmed nahestehende Personen sagten, dass er einen Tag vor seinem Selbstmord erzählte, die Hamas wolle den Stand, dem er seinen Lebensunterhalt verdankte, entfernen, weil er nach Angaben der Hamas die Gemeinde verunstalte. Ahmed war frustriert und wusste nicht, was er tun soll, um den Streit mit der Stadtverwaltung zu beenden.

Am nächsten Morgen ging Ahmed wieder an die Arbeit, seinen Stand zu betreiben – doch schon in den ersten Momenten, in denen er Kaffee für die Passanten zubereitete, kam die Gemeindepolizei, verstärkt durch Militär, um den Stand zu entfernen, der Ahmeds einzige Einnahmequelle war.

An dem Tag, an dem die Hamas seinen Lebensunterhalt zerstört hatte, kehrte Ahmed voller Frustration in sein Haus zurück – und sah keine andere Wahl.

Keiner Perspektive

Wie jeder junge Mann in Gaza suchte er nach einer Einkommensquelle im Gazastreifen, der von wirtschaftlichen Krisen heimgesucht wird, die durch die Herrschaft der Hamas verursacht werden, die nach ihrem Putsch gegen ihren politischen Gegner von der Fatah den Gazastreifen mit militärischer Gewalt regiert.

Seit 2007 leben die Menschen im Gazastreifen ohne Rechte. Eine kollabierende Wirtschaft, fehlende Arbeitsmöglichkeiten und die hohen Steuern, die die Hamas vom Grund- und Immobilieneigentum der Bevölkerung sowie von Lebensmitteln und Getränken erhebt, haben dazu beigetragen, die Belastungen der Bürger im Gazastreifen zu erhöhen.

Seitdem leben die ohne jede Hoffnung auf Freiheit. Die von Israel wegen des Hamas-Terrors verhängte (Teil-)Blockade und die Korruption der Regierung drängen die Menschen dazu, vor der Realität zu fliehen, die sie nicht ändern können. In den Jahren 2017 und 2019 hat die Bevölkerung es zwar versucht und gegen die Hamas protestiert, doch wurde der Protest mit harter Hand niedergeschlagen.

All dies hat dazu beigetragen, die Gemüter zu zermürben und die am meisten von Ungerechtigkeit Betroffenen, in noch nie dagewesener Zahl in den Selbstmord zu treiben. Vor gar nicht allzu langer Zeit war Selbstmord bloß ein als inakzeptabel angesehene Anomalie in der palästinensischen Gesellschaft, die von Clans und Stämmen regiert und von einer religiösen Kultur beherrscht wird, die solche Taten verbietet: jene, die sie begehen, landen in der Hölle, es sei denn, sie bringen im Zuge ihres Selbstmordes noch ein paar Israelis um und gelten dann als »Märtyrer«.

Jahrzehntelang war Selbstmord nahezu unbekannt und wurde von so gut wie niemandem begangen. Das änderte sich erst, als wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen immer schlechter und unerträglicher wurden. Im Jahr 2022 verzeichnete der Gazastreifen große Zahlen an Suiziden und die Zahlen, die von Analysten genannt werden, sind beängstigend.

Drohende Epidemie

Nach dem Selbstmord von Ahmed organisierten die Aktivisten Kampagnen über Social-Meida-Plattformen, in denen dieses Verhalten der Jugendlichen verurteilt und sie aufgefordert wurde, zu demonstrieren, um ihre Rechte einzufordern – als Alternative zum Selbstmord.

Seit 2019 gibt es jedoch eine Welle von Selbstverbrennungen in Gaza, bei denen sich junge Menschen selbst in Brand setzen, um die Aufmerksamkeit der palästinensischen Politiker auf sich zu ziehen, von denen sie sich im Stich gelassen fühlen.

Psychiater machen dafür neben der Wirtschaftkrise auch die periodisch wiederkehrenden, von der Hamas angezettelten Kriege verantwortlich, die das psychische und physische Wohlbefinden der Bevölkerung beschädigt haben. Ärzte warnen, dass die Selbstmorde zu einer Art Epidemie werden könnten, die die gesamte Gesellschaft trifft und sagen, dass Männer und Frauen aller sozialen Schichten von dem Phänomen betroffen sind.

So wird berichtet, dass sich kürzlich ein 16-jähriges Mädchen und ein gleichaltriger Junge erhängt haben. Unter den Toten sind nicht nur Männer, die verzweifelt sind, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren können. Angesichts der katastrophalen Lage der Bevölkerung, der extremen Armut und der Überbevölkerung sagen selbst Frauen oft, dass sie keine Kinder in dem verarmten Leben im Gazastreifen in die Welt setzen wollen.

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