Idlib: Russland akzeptiert Präsenz von Aufständischen in Pufferzone

„Am 17. September vereinbarten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin die Schaffung einer fünfzehn bis 20 Kilometer breiten Pufferzone um Idlib und den Norden der Provinz Hama. Aufgrund der Vereinbarung wurde eine unmittelbar bevorstehende gemeinsame Offensive der Russen und des Regimes gegen die letzte Hochburg der Aufständischen ausgesetzt. Der Vereinbarung zufolge sollten ‚radikale‘ Gruppen die Zone bis zum 15. Oktober verlassen. Um welche aufständischen Fraktionen es sich dabei genau handeln sollte, blieb allerdings unklar. Die von den Türken unterstützte Nationale Befreiungsfront erklärte, sie werde ihre schweren Waffen abziehen, wenn die Türkei dort ihre eigenen Waffen stationiere, um die Pufferzone zu überwachen, ihre Kämpfer würden aber bleiben.

Der Sprecher des Kremls Dmitri Peskow erklärte am Dienstag: ‚Den Informationen zufolge, die wir vom Militär erhalten, wird die Vereinbarung umgesetzt, und das Militär ist mit der Vorgehensweise der Türken zufrieden.‘ Peskows Erklärung schien zudem darauf hinzudeuten, dass Russland die fortgesetzte Präsenz der Hayat Tahrir al-Scham-Miliz (HTS), die Teile Idlibs kontrolliert, in der Zone dulden werde, obgleich Moskau ursprünglich darauf beharrt hatte, dass die HTS abziehen müsse. Die Dschihadisten hatten am Sonntag deutlich gemacht, dass sie nicht abziehen würden. ‚Man kann natürlich nicht davon ausgehen, dass alles glatt läuft und es nicht auch Pannen gibt, aber die Vereinbarung wird umgesetzt‘, so Peskow.

Vergangene Woche hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow sich öffentlich hinter das Assad-Regime gestellt, nachdem dieses darauf beharrte, die Pufferzone um Idlib sei nur ein ‚Provisorium‘, und Assad werde ‚jeden Zentimeter‘ Syriens wieder unter seine Kontrolle bringen. Allerdings scheinen die Russen ihren Beziehungen zur Türkei im Moment die Priorität zu geben. Im August 2016 begannen türkische Streitkräfte im Kampf gegen den Islamischen Staat gemeinsam mit aufständischen Milizen nach Nordwestsyrien vorzurücken. Anfang dieses Jahres eroberten sie zudem einen Großteil des kurdischen Bezirks Afrin. Nach dem türkischen Abschuss eines russischen Kampffliegers war es zuvor zu einer achtmonatigen Eiszeit zwischen den beiden Ländern gekommen. Doch im August 2016 hatten Erdoğan und Putin ihre Zusammenarbeit kurz vor der türkischen Intervention und während der von den Russen und dem Regime durchgeführten Belagerung und Offensive zur Rückeroberung Ostaleppos erneuert.“ (Scott Lucas: „Syria Daily: Russia Accepts Rebels in Idlib Demilitarized Zone“)

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