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Heftige interne Konflikte erschüttern Muslimbruderschaft

Wurde von einer rivalisierenden Fraktion für abgesetzt erklärt: Muslimbruder-Führer Ibrahim Munir
Wurde von einer rivalisierenden Fraktion für abgesetzt erklärt: Muslimbruder-Führer Ibrahim Munir (Quelle: Twitter)

In den vergangenen Tagen erlebte die Muslimbruderschaft einen historischen internen Konflikt, der den Zusammenhalt und die Zukunft der Gruppe bedroht, die seit dem Sturz des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 und der Einstufung als „terroristische Organisation“ in Ägypten und mehreren arabischen Ländern immer wieder Krisen durchgemacht hat.

Kürzlich ist ein heftiger Konflikt zwischen dem Flügel der Muslimbruderschaft in der Türkei, der vom ehemaligen Generalsekretär der Gruppe, Mahmoud Hussein, angeführt wird, und einem anderen Flügel unter der Leitung von Ibrahim Munir ausgebrochen, dem amtierenden obersten Führer der Muslimbruderschaft, der in London lebt.

Eskalation des Konflikts

Vor einigen Tagen begann die Lage innerhalb der Muslimbruderschaft dann zu eskalieren, als gut informierte Quellen dem katarischen Sender Al-Jazeera mitteilten, Ibrahim Munir habe beschlossen, sechs führende Mitglieder der Gruppe zu suspendieren und eine Untersuchung gegen sie einzuleiten.

Auf der Liste der suspendierten Personen stehen der ehemalige Generalsekretär der Muslimbruderschaft, Mahmoud Hussein, sowie die Mitglieder des Schura-Rats der Gruppe Medhat Al-Haddad, Hammam Youssef, Rajab Al-Banna, Mamdouh Mabrouk und Mohamed Abdel-Wahhab, der Direktor der ägyptischen Vereinigung der Muslimbruderschaft im Ausland.

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Mamdouh Mabrouk lud die Mitglieder des Schura-Rats zu einer Dringlichkeitssitzung ein, um einige drastische Entscheidungen zu treffen, darunter die Ablösung von Munir als Führer und die Abschaffung des Gremiums, das im Januar 2021 zur Verwaltung der Angelegenheiten der Muslimbruderschaft gegründet wurde.

Die Krise erreichte am Mittwoch ihren Höhepunkt, als die Gruppe um Mahmoud Hussein im Namen des Schura-Rates der Muslimbruderschaft eine Erklärung abgab, in der sie Munir von seinen Aufgaben entband, eine Entwicklung, die den Zusammenhalt der Muslimbruderschaft gefährdet.

Der katarische Sender Al-Jazeera zitierte jedoch ein Mitglied des Schura-Rates der Muslimbruderschaft, das anonym bleiben wollte, mit den Worten, dass „keine Sitzung des Schura-Rates stattgefunden hat und keine der sechs suspendierten Personen das Recht hatte, eine solche einzuberufen. Es liegt auch nicht in der Befugnis des Schura-Rates, den Führer oder seinen Stellvertreter zu entlassen.“

In einer Presseerklärung erklärte Mounir, dass die gegen ihn ergriffenen Maßnahmen ungültig seien, da sie gegen die Regeln und Abläufe der Muslimbruderschaft verstießen, und drohte damit, diejenigen, die die Entscheidung über seine Entlassung getroffen hätten, aus der Gruppe auszuschließen.

Nach dem Konflikt und den widersprüchlichen Entscheidungen wurde die Muslimbruderschaft zwischen zwei Führungen aufgeteilt, einer in der Türkei unter der Leitung von Hussein und einer in Großbritannien unter der Leitung von Munir, was einen offenen Machtkampf innerhalb der Gruppe auslöste, der ihren Zusammenhalt und ihre Existenz bedroht.

Spaltung …

Amr Farouk, ein Forscher auf dem Gebiet der politischen islamischen Bewegungen, sagte in einer Presseerklärung, dass „das gegenwärtige Szenario einen Zustand großer Verwirrung innerhalb der Muslimbruderschaft mit sich bringt. Der Konflikt zwischen den beiden Flügeln von Hussein und Munir könnte zu einer großen Spaltung führen, bei der die Jugend der Bruderschaft die Organisation verlassen würde.“

Farouk fuhr fort, dass „der Kampf um die Macht zwischen den Gruppen vom Stärkeren entschieden werden wird, wobei Munir immer noch der Stärkste ist. Er genießt die Unterstützung der internationalen Organisation der Gruppe sowie der Führer der Muslimbruderschaft in den ägyptischen Gefängnissen. Außerdem kontrolliert er die mit der Muslimbruderschaft verbundenen Organisationen und alle Institutionen außerhalb der Türkei.“

Der Extremismus-Forscher Amr Abdel Moneim erwartet, dass es aufgrund der aktuellen internen Krise zu zahlreichen Spaltungen innerhalb der Jugendgruppe der Muslimbruderschaft kommen wird.

In der Tat hat eine große Gruppe der Bruderschaft-Jugend eine Erklärung veröffentlicht, in der sie den Führern beider Fronten des Konflikts Nachlässigkeit, Chaos, den Zusammenbruch des Schura-Rats, die Missachtung der Verwaltungsvorschriften der Bruderschaft sowie die Voreingenommenheit der beiden Gruppe gegeneinander vorwirft.

Der Experte für islamische Gruppierungen, Mounir Adib hat in Fernsehbeiträgen erklärt, dass sich die Muslimbruderschaft in ihrem historisch schwächsten Zustand befinde und eine Phase des Zusammenbruchs erlebe.

… oder Reorganisation?

Maher Farghali, ein Experte für die Angelegenheiten der Muslimbruderschaft, erklärte gegenüber Mena-Watch: „Die Spaltungen in der Muslimbruderschaft haben sich in letzter Zeit stark verschärft, aber sie werden die Organisation nicht ausschalten, denn die Gruppe hat stürmische historische Spaltungen in Ägypten und Syrien durchgemacht, und es gibt sie immer noch.“

„Die Gruppe wird durch die Spaltungen geschwächt, aber sie ist nicht am Ende“, sagte er und fügte hinzu: „Die Muslimbruderschaft ist zwar momentan stark gespalten, aber es wird erwartet, dass es eine Wiedervereinigung innerhalb der Organisation geben wird.“

Farghali  schloss damit, dass er glaube, „dass Helmy al-Jazzar als Nachfolger von Ibrahim Munir die Position des amtierenden Führers übernehmen wird, um die Gruppe zu vereinen. Dieser Kurs wird von dem derzeit inhaftierten Führer, Muhammad Badi, unterstützt.“

Helmy Al-Jazzar ist einer der Führer, die der Jugend der Muslimbruderschaft nahestehen, und er kann im Prozess der Einigung der Gruppe zu einer wichtigen Figur werden, da er laut Presseberichten keiner der beiden derzeit in Konflikt stehenden Fronten innerhalb der Organisation angehört.

Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft durchlebt seit 2013 schwierige Jahre. Nach dem Sturz des aus ihren Reihen stammenden ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi verlor die Gruppe nach dem Sturz von Omar al-Bashir die Macht im Sudan, und ihre marokkanische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung verlor vor Wochen die Parlamentswahlen. Gleichzeitig beschloss die tunesische Präsidentschaft, die Arbeit des von der Gruppe kontrollierten Parlaments in Tunesien einzufrieren.

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