Viele Deutsche fürchten nach der Tötung des Terror-Paten Soleimani einen Krieg – haben aber offenbar nicht mitbekommen, dass dieser längst geführt wird.
Michael Wolffsohn/Bild
Fast alle fragen bange: ‚Wird es in Nahost Krieg geben?‘ Es gibt diesen Krieg längst. Hauptakteur ist der Iran. Teheran beherrscht heute faktisch den Libanon, den Irak im Süden und Zentrum, weite Teile des Jemen und mischt im Gazastreifen militärisch kräftig gegen Israel mit. Iranische Raketen fliegen auf saudische Ölanlagen und Schiffe, die Öl vom Arabisch/Persischen Golf in die Welt transportieren sollen. (…)
Sollte man tatenlos zuschauen, wie der Iran unter seiner Regie die gesamte Nahost-Region beherrscht, Terrormilizen wie Hisbollah und Hamas finanziert und dirigiert und damit auch die Weltwirtschaft erpressbar macht?
Für diesen Kurs hatten sich 2015 unter deutscher und EU-Beteiligung die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat entschieden: USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien. Sie schlossen mit dem Iran das umstrittene Atom-Abkommen. Es sollte die nukleare Aufrüstung des Iran verhindern. (…)
Das Abkommen, das auch unsere Koalition und zumeist auch Opposition, vor allem die Kanzlerin und Außenminister Maas, so preisen und ‚retten‘ wollen, brachte zudem Milliarden in Irans Kassen. Sie kamen der von Soleimani dirigierten Expansion, also dem Großen Iranischen Krieg zugute – und nicht der eigenen Bevölkerung.
Auch deshalb ist die millionenfache Volkstrauer ‚der‘ Iraner über ihren ‚Märtyrer‘ in weiten Teilen inszeniert, weil kommandiert. Mit der wirklichen Einstellung mindestens der Hälfte der iranischen Bevölkerung zum Mullah-Regime hat das nichts zu tun. Wenn Massen im Iran gegen das Regime protestieren, werden sie niedergemetzelt.
Ist das Frieden? Offensichtlich wird das von vielen in Deutschland so gesehen. Mit der Wirklichkeit hat diese Wahrnehmung und deren Beschreibung nichts zu tun.“