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Hisbollahnahe Zeitung: „Der Krieg hat schon begonnen“

Von Stefan Frank

Der Iran befinde sich bereits im Krieg mit den Vereinigten Staaten, daher sei es geboten, „Angriffe auf alle westlichen Interessen in der Region“ in Erwägung zu ziehen. Das schrieb der Chefredakteur der in Beirut erscheinenden hisbollahnahen Tageszeitung Al-Akhbar, Ibrahim Al-Amin, in einem Leitartikel vom 14. Juni. Darüber berichtet die Organisation MEMRI, die Medien der arabischen Welt beobachtet, dokumentiert und übersetzt. Aus Anlass der Angriffe auf Tanker im Golf von Oman erörtert Al-Amin in seiner Kolumne die Sorge um eine direkte militärische Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran: Beide Länder befänden sich bereits „in einem Krieg, in jedem Sinne des Wortes“. Die jüngsten Angriffe seien lediglich die „erste Antwort“, viel schwächer als das, was noch kommen werde.

„Dies bedeutet nicht notwendigerweise, dass wir uns auf einem militärischen Krieg zu bewegen, doch es wäre naiv, nicht zu begreifen, dass die Schläge, die den Interessen des Westens und seiner Verbündeten in der Region versetzt wurden, [nur] eine erste Antwort [des Iran und seiner Verbündeten] sind und nicht einmal die mindeste Antwort widerspiegeln, die wahrscheinlich von den Handlungen des größten Tyrannen [d.h. US-Präsident Donald Trump] ausgelöst werden wird.“

Die Prinzipien einer „umfassenden Konfrontation“ machten es notwendig, die Option in Erwägung zu ziehen,

„alle westlichen Interessen in unserem Land und der Region zu zerstören und die Beziehungen zum Westen und seinen Unterstützern in unserem Land zu kappen. Lasst sie mitsamt all ihren Erfindungen, Gesetzen und Wissenschaften zur Hölle fahren. Die Geschichte hat nicht mit ihnen begonnen, und die Welt wird nicht aufhören zu bestehen, wenn sie verschwinden.“

Hisbollahnahe Zeitung: „Der Krieg hat schon begonnen“
Ibrahim Al-Amin

Die „Barfüßigen im Jemen“ – gemeint sind die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen – hätten die „modernsten Mittel geschaffen, um sich den kriminellen [Herrschern] in Riyadh und Abu Dhabi und ihren westlichen Unterstützern entgegenzustellen“. Als weitere Vorbilder nennt Al-Amin: „Kuba, [Nord-] Korea und Iran“. Diese Staaten lehrten, „dass es keine Notwendigkeit zur Kapitulation gibt und dass Leben möglich ist, wenn auch unter sehr schwierigen Bedingungen“. Auch „Venezuela“ habe gezeigt, „dass die USA eine große Macht sind, doch ihr zu erliegen kein unausweichliches Schicksal“. Al-Amin weist auf die „Panik“ hin, die unter den Ölförderländern am Persischen Golf ausgebrochen sei.

„All die Länder, die von Öleinnahmen abhängen und vor allem die Golfstaaten geraten in Panik angesichts der Möglichkeit, dass die Angriffe auf die Anlagen zur Ölproduktion, zum Transport und zur Verschiffung sich ausweiten werden, eine Möglichkeit, die wahrscheinlicher wird, solange die amerikanisch-saudische Aggression gegen die Völker und Länder der Region anhält, die sich der [amerikanisch-saudischen] Politik entgegenstellen.“ Der „amerikanische Feind und seine Agenten unter den Ländern der Region“ hätten „ein Klima geschaffen, das sich für jeden Akt der Vergeltung eignet“. Solange dieses Klima weiterbestehe, „können wir weitere und vielleicht schwerere [Vergeltung] erwarten“.

Al-Amin schreibt weiter, dass die amerikanischen Gesprächsangebote bloß eine Finte seien, um mehr Zeit für militärische Vorbereitungen zu gewinnen. Irans oberster Führer Ali Khamenei habe darum richtig entschieden, sie abzulehnen.

„Mag es auch schwache Leute unter uns geben, die sich, wenn Druck auf sie ausgeübt wird, zu Verhandlungen bereit erklären, welche eine [militärische] Konfrontation verzögern, so gibt es auch jene, die die Option [von Verhandlungen] ablehnen und ausdrücklich ‚Nein’ sagen, wie es der Führer der Achse des Widerstands, Ali Khamenei, gestern [13. Juni] getan hat, als er der amerikanischen Hegemonie sagte: ‚Wir betrachten uns nicht als in einer Situation, in der wir Botschaften vom obersten Feind der Welt empfangen oder welche an ihn senden würden.“

 Dass der Iran in der Vergangenheit mit den USA und ihren Verbündeten verhandelt hat, habe sich als „Fehler“ erwiesen, so Al-Amin. Khameneis Äußerung sei als eine Botschaft an die Feinde zu verstehen, dass dieser „Fehler“ nicht wiederholt werde. Im Hinblick auf die von den USA gegen das iranische Regime verhängten Sanktionen schreibt Al-Amin:

 „Was die Länder des Bösen heute tun, hat negative Auswirkungen auf Millionen Menschen weltweit. Niemand sagt, dass die unterdrückten Völker es leicht haben. Doch die Geschichte zeigt ohne jeden Zweifel, dass in Situationen, wo Völker um Freiheit und Unabhängigkeit ringen, sie nicht davor zurückschrecken, den unmittelbaren Preis zu zahlen. … Was heute passiert, hat [nur] einen Namen: Es ist ein Krieg, und wer sich nicht denen anschließt, die ins Gefecht ziehen, wird am Ende einer größeren Bedrohung gegenüberstehen.“

Auch das iranische Regime selbst brüstet sich weiter öffentlich damit, seine Feinde in einem Krieg zu vernichten. In einem Interview, das der frühere iranische Verteidigungsminister, General Hussein Dehghan am 20. Juni einem irakischen Fernsehsender gab, drohte er, dass die Streitkräfte des Iran in der Lage seien, alle Militärbasen der USA in der Region zu zerstören und Israel zu vernichten. „Unsere Raketen können diese Basen völlig ausradieren. Israel weiß, dass der Iran es im Fall eines Krieges in Gänze auslöschen und seine Existenz mit der Wurzel herausreißen wird.“ Amerika, so Deghan weiter, werde „im Mülleimer der Geschichte“ landen.

Hisbollahnahe Zeitung: „Der Krieg hat schon begonnen“
„UNIFIL betstätigt, dass zumindest zwei Hisbollah-Tunnel die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates verletzen“

In einem der seltenen sehenswerten Nachrichtenbeiträge im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen konnte man dieser Tage die Tunnel sehen, die die Hisbollah über Jahre mit großem Aufwand gegrabenen hat – „bis zu 80 Meter unter der Erde und bis zu einem Kilometer lang“, so der Reporter. Diese Tunnel sollten der Terrororganisation dazu dienen, Dörfer im Norden Israels unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu sei sie auch nach dem Auffliegen der Tunnel noch in der Lage, sagt Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah in dem Bericht.

Unterdessen haben vier Mitglieder des amerikanischen Kongresses – die Senatoren Ted Cruz und Kevin Cramer (beide Republikaner) und die Hausabgeordneten Lee Zeldin (Republikaner) und Elaine Luria (Demokraten) vergangene Woche einen Gesetzentwurf eingebracht, der vorsieht, dass die USA ihre Finanzhilfen für die libanesische Armee (LAF) um 20 Prozent kürzen, sollte sich US-Präsident Donald Trump nicht davon überzeugen können, dass Schritte unternommen werden, um den Einfluss der Hisbollah und des Iran auf die LAF zu beenden.

Das neue Gesetz folgt auf eine Regelung, die Senator Cruz bei der letzten Verabschiedung von Militärhilfe für den Libanon durchgesetzt hatte, sagte Tony Badran, ein Libanonexperte des Think Tanks Foundation for Defense of Democracies, der Nachrichtenagentur Jewish News Syndicate (JNS). Diese Regelung verpflichtet die US-Behörden zu Berichten darüber, welchen Fortschritt es beim Zurückdrängen des Einflusses der Hisbollah gibt. „Offenbar gefiel Cruz nicht, was er in dem Bericht las, weshalb er und seine Kollegen nun die Hilfen an die LAF kürzen wollen und die Rechenschaftspflicht vertiefen“, so Badran. Den vier Kongressmitgliedern gehe es darum, den „Blick wieder auf die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats“ zu richten, die den letzten Libanonkrieg beendete und die die Entwaffnung der Hisbollah forderte. „Seit den Obamajahren haben die USA die Hisbollah quasi aus der Resolution ausgeklammert und diese stattdessen zu einer [Resolution] zum  Kampf gegen den sunnitischen Terrorismus gemacht“, so Badran. Der nun eingebrachte Gesetzesentwurf habe zum Ziel, „den ursprünglichen Zweck der amerikanischen Hilfe für die libanesische Armee wiederherzustellen: die Entwaffnung der Hisbollah“.

Das ist ein ganz anderes Ziel als das, welches die deutsche Bundesregierung verfolgt. Sie will mit der Terrororganisation dialogisieren, während diese sich darauf vorbereitet, „Angriffe auf alle westlichen Interessen in der Region“ durchzuführen und Israel „in Gänze auszulöschen“.

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