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Hisbollah sucht Rechtfertigung, um Waffenniederlegung zu verhindern

Hisbollah-Aufmarsch anlässlich einer Rede von Generalsekretär Naim Qassem
Hisbollah-Aufmarsch anlässlich einer Rede von Generalsekretär Naim Qassem (© Imago Images / Middle East Images)

Der Hisbollah-Generalsekretär erfindet eine Bedrohung des Libanon durch den Islamischen Staat, um die Weiterexistenz seiner Streitkräfte zu rechtfertigen.

Hisbollah-Chef Scheich Naim Qassem sagte letzte Woche, seine Organisation werde »nicht zulassen, dass uns jemand mit Zugeständnissen bedroht, denn wir werden niemals unsere Rechte aufgeben und niemals zustimmen, unsere Waffen dem zionistischen Feind zu übergeben«. Diese Aussage ist insofern irreführend, als niemand von der Hisbollah verlangt, ihre Waffen an Israel zu übergeben, sondern lediglich, ihre Waffen aufzugeben, sodass der libanesische Staat das Gewaltmonopol innehat. Vor einem Jahr war solch eine Forderung noch undenkbar, doch nun besteht die libanesische Regierung darauf.

Die Hisbollah rechtfertigte die Existenz eigener Streitkräfte bislang damit, dass ihre bewaffneten Verbände Israel von Angriffen auf den Libanon abhalten solle. Nach dem vergangenen, von der Hisbollah durch ihr Eingreifen auf der Seite der Hamas vom Zaun gebrochenen Krieg glauben die Libanesen jedoch nicht mehr daran, denn hätte die Hisbollah am 8. Oktober 2023 nicht damit begonnen, Raketen auf Israel zu schießen, hätte Israel auch keine Bodenoffensive im Libanon gestartet.

Neue Rechtfertigung

Die Hisbollah muss nun eine neue Rechtfertigung für ihre Existenz finden, so der Blogger Elder of Ziyon: »Also hat sie sich eine ausgedacht und Gerüchte in Umlauf gebracht, dass ein wiedererstarkter Islamischer Staat (IS) den Libanon bedroht und die Hisbollah die einzige Kraft ist, die ihn aufhalten kann.« Hintergrund ist, dass dieses Jahr eine kleine, aus Syrien stammende Gruppe namens Saraya Ansar al-Sunna Jahr im Libanon aufgetaucht sein soll, zufällig kurz nach der Niederlage der Hisbollah, und nun von der schiitischen Terrorgruppe vorgeschoben wird, um Angst im Libanon zu schüren.

Die libanesische Tageszeitung L’Orient Today zitierte Analysten, die diesbezüglich skeptisch sind: »In Kreisen, die der Hisbollah ablehnend gegenüberstehen, herrscht die Überzeugung, dass die Berichte über ein Wiederaufleben des islamistischen Terrorismus übertrieben sind und ein Klima der Angst schaffen sollen. Ein Militärstratege und ehemaliger Armeeoffizier, der anonym bleiben wollte, bezeichnete dies als neues ›Manöver‹ der Hisbollah, die unter zunehmenden lokalen und internationalen Druck steht, ihre Waffen abzugeben. ›Das ist eine Farce, die vollständig von der Hisbollah inszeniert wurde‹, sagte er.«

Mehrere der Hisbollah gegenüber kritisch eingestellte Analysten aus der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Stadt Tripolis im Norden des Landes hätten noch nie von der Existenz dieser Gruppe im Libanon gehört und vermuten, dass sie wahrscheinlich »von iranischen Agenten oder ehemaligen Offizieren des früheren Regimes von Baschar al-Assad manipuliert wird«. Der sunnitische Abgeordnete Walid Baarini aus Akkar sieht hinter den Behauptungen einen »Plan der Hisbollah, um die Beibehaltung ihrer Waffen unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung zu rechtfertigen. Was über den Einmarsch ausländischer Gruppen in den Libanon gesagt wird, ist stark übertrieben.«

All dies, resümierte Elder of Ziyon, zeige, in welch schwierigen Lage sich die Hisbollah befinde.

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