Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem bestätigte, seine Terrororganisation habe das Ausmaß der israelischen Infiltration ihrer Versorgungsketten und Kommunikationssysteme gravierend unterschätzt.
Akiva Van Koningsveld
Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem gab am Dienstag zu, dass die vom Iran unterstützte Terrororganisation das Ausmaß der israelischen Infiltration ihrer Versorgungsketten und Kommunikationssysteme vor den Pager-Angriffen vom 17. und 18. September 2024, bei denen Tausende ihrer Mitglieder verletzt wurden, unterschätzt habe: »Wir wussten nicht, dass die Lieferkette aufgedeckt worden war. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln konnten wir den Sprengstoff nicht entdecken«, sagte Qassem in einem ausführlichen Interview mit dem Hisbollah-nahen TV-Sender Al Mayadeen in Bezug auf die manipulierten Pager, die vom israelischen Geheimdienst Mossad geliefert worden waren.
Dies müsse als Versagen oder Qualitätseinschränkung seiner Organisation angesehen werden, so Qassem. Es wurden zwar »Bemühungen unternommen, die Pager zu untersuchen«; Israel habe jedoch Sprengstoff verwendet, der mit herkömmlichen Methoden nicht aufzuspüren gewesen sei.
Unterstützung der Hamas
Qassem berichtete von der Bildung eines Untersuchungsausschusses, um die zahlreiche Infiltrationen innerhalb der Terrororganisation zu untersuchen, darunter die mit Sprengfallen versehenen Kommunikationsgeräte sowie die Frage, wie Jerusalem Hassan Nasrallah und den führenden Hisbollah-Terroristen Hashem Safieddine ausfindig machen und töten konnte.
Er habe »Berichte von relevanten Mitarbeitern erhalten, die auf Abhörmaßnahmen hier und da hinweisen. Nach den uns vorliegenden Informationen war die Sicherheitslücke lokal begrenzt«, allerdings habe »niemand das ganze Ausmaß erkannt. Unsere Kommunikation war so vollständig unterbrochen, dass die Israelis über alles Bescheid wussten. Natürlich wussten wir nicht, dass es so massiv war«, sagte er und ergänzte, dass die israelische Armee auch »jeden Bereich« im Libanon überwacht habe.
Die vom Iran unterstützte Terrororganisation sei »wieder aufgebaut, erholt und nun bereit«, sich den israelischen Streitkräften zu stellen, behauptete Qassem und wies die Forderungen der USA nach einer Entwaffnung und einem Rückzug der Hisbollah aus dem Süden zurück. »Sollte Israel angreifen, würden wir nicht tatenlos zusehen, wir würden kämpfen.« Die israelische Armee habe zwar viele Waffenlager im Südlibanon zerstört, »aber das Land ist riesig«.
Die Hisbollah habe sich dem Krieg angeschlossen, der durch das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 im Süden Israels ausgelöst wurde, um »eine bedeutende Anzahl israelischer Streitkräfte« als Ablenkungsmanöver an die Nordgrenze zu locken, erklärte er. Sie habe darauf abgezielt, die Evakuierung israelischer »Siedler« aus dem Norden des Landes zu erzwingen und eine soziale, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Krise auszulösen, zusätzlich dazu, das israelische Militär durch die Tötung von Soldaten »näher an die Niederlage« zu bringen.
Terror gegen Israels Norden
Die Hisbollah habe keine Vorkenntnisse darüber gehabt, für wann die Hamas das Massaker geplant hatte, das der Hisbollah-Führer als »mutig, wirkungsvoll und transformativ« lobte. »Ich erinnere mich, dass etwa dreißig Minuten nach Beginn der Operation Al-Aqsa-Flut [Hamas-Name für den Terrorangriff] Seine Eminenz, der Generalsekretär, Märtyrer Sayyed Hassan [Nasrallah], darüber informiert wurde, dass sie aus dem Gazastreifen gestartet worden war und er gefragt wurde, was die Hisbollah tun könne, in der [von der Hamas gehegten] Hoffnung, dass sie sich voll und ganz an den Kämpfen beteiligen würde.«
Die libanesische Terrororganisation entschied sich jedoch gegen einen umfassenden Krieg gegen den jüdischen Staat, da dies »vorhersehbare Konsequenzen mit sich bringen würde, die einer vorherigen Abstimmung bedürfen«, so Qassems Zusammenfassung der damaligen Entscheidungsprozesse. Stattdessen befahl Nasrallah der Hisbollah am 8. Oktober, israelisches Gebiet mit Raketen, Flugkörpern und Drohnen anzugreifen, um als »Unterstützungsfront« zu fungieren und der Hamas zu Hilfe zu kommen, ohne jedoch eine »Verheerung durch einen totalen Krieg« im Libanon zu riskieren.
Der Abschuss tausender Geschosse auf den Norden Israels, der die Evakuierung eines Großteils der Bewohner der Region erzwang, veranlasste Jerusalem schließlich zu einer Bodenoffensive im Libanon, die im Oktober 2024 begann. Am 26. November unterzeichneten Israel und der Libanon einen Waffenstillstand, der die mehr als ein Jahr andauernden, grenzüberschreitenden Zusammenstöße beenden sollte.
Seit Inkrafttreten des Abkommens hat Israels Militär häufig Operationen durchgeführt, um die Hisbollah daran zu hindern, ihre Präsenz im Südlibanon wieder aufzubauen und damit den Waffenstillstand zu verletzen.
Entwaffnung?
Der US-Gesandte für den Libanon Thomas Barrack erklärte am Montag, die Hisbollah müsse »sehen, dass es eine Zukunft für sie gibt«, um einen Fahrplan für die Entwaffnung zu akzeptieren. Nach einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun sagte Barrack gegenüber Journalisten, die Terrororganisation müsse erkennen, »dass der eingeschlagene Weg nicht nur gegen sie gerichtet ist, sondern dass es auch für sie eine Schnittmenge von Frieden und Wohlstand gibt«. Die Hisbollah wird seit 1997 vom US-Außenministerium als ausländische Terrororganisation eingestuft.
Einer seiner Beamter erklärte gegenüber dem Jewish News Syndicate, dass sich die »amerikanische Position nicht geändert hat: [die Hisbollah] ist eine als terroristisch eingestufte Organisation und wir unterscheiden nicht zwischen ihrem politischen und ihrem bewaffneten Flügel. Wie Botschafter Barrack in Beirut sagte, muss der Libanon diesen Moment nutzen, um Fortschritte zu erzielen, und dazu gehören auch Fortschritte bei der Entwaffnung« der vom Iran unterstützten Terrororganisation.
Qassem hingegen lehnte gegenüber dem iranischen Sender Press TV die Möglichkeit einer Waffenabgabe durch die Hisbollah unter Verweis auf »israelische Drohungen« ab und drohte mit einer »Konfrontation« als Reaktion. Kürzlich hatte die schiitische Gruppierung ihre Antwort an Regierungsvertreter sowie an ihren Verbündeten im Parlament, Parlamentspräsident Nabih Berri, verschoben, wie die libanesische Tageszeitung L’Orient Today am Sonntag berichtete. In der Zwischenzeit haben sowohl Aoun als auch Berri ihre Entschlossenheit bekräftigt, alle Waffen unter staatliche Kontrolle zu bringen.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






