Der Sekretär von Irans Nationalem Sicherheitsrat versuchte, in Beirut iranischen Einfluss zu bekräftigen und der Hisbollah beizuspringen.
Keine Gruppe im Libanon dürfe Waffen tragen oder sich auf ausländische Unterstützung verlassen. Das erklärte der libanesische Staatspräsident Joseph Aoun am Mittwoch anlässlich eines Treffens mit einem hochrangigen Besucher aus Teheran. Ali Laridschani, der in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Top-Positionen innerhalb des iranischen Regimes bekleidete, ist aktuell Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats der Islamischen Republik.
Präsident Aoun warnte seinen Gast vor ausländischer Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Libanon. Sein Land sei offen für eine Zusammenarbeit mit dem Iran, aber nur unter Achtung der nationalen Souveränität des Libanon. »Der Libanon, der die Souveränität anderer Nationen, einschließlich Irans, respektiert, wird keine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten akzeptieren«, so Aoun. Die Freundschaft, die man mit dem Iran suche, müsse »mit allen Libanesen sein, nicht nur mit einer Sekte oder einer Gruppe allein«.
Auch wenn er es nicht explizit aussprach, war klar, worauf Aoun sich bezog: auf die Jahrzehnte lange Unterstützung, Aufrüstung und letztlich auch Führung der libanesischen Hisbollah durch die Islamische Republik.
Laridschani antwortete Aoun indirekt nach einem Treffen mit einem weiteren hochrangigen libanesischen Politiker, dem Parlamentspräsidenten Nabih Berri von der mit der Hisbollah verbündeten Amal-Bewegung. »Jede Entscheidung, die die libanesische Regierung in Absprache mit der Widerstandsbewegung trifft, wird von uns respektiert«, so Laridschani. Damit machte er den Respekt libanesischer staatlicher Entscheidungen von einer »Absprache mit der Widerstandsbewegung« abhängig, also vom Wohlgefallen der Hisbollah.
Nicht der Iran sei es, so Laridschani weiter, der sich in die inneren Angelegenheiten des Libanon einmische. »Diejenigen, die sich in die Angelegenheiten des Libanon einmischen, sind diejenigen, die Pläne und Fristen diktieren«, spielte er auf die amerikanischen Forderungen nach einem konkreten Zeitplan für die Causa prima der libanesischen Politik an, die Entwaffnung der Hisbollah.
Dem Libanon riet Laridschani, niemals Freund und Feind zu verwechseln. Der Feind sei Israel, der »Widerstand«, also die Hisbollah, sei der Freund des Landes, dessen Wert man nie unterschätzen solle.
Einfluss zurückgewinnen
Im Vorfeld des Beirut-Besuches von Laridschani war es zu einem spannungsgeladenen Tauziehen zwischen der Hisbollah und ihren Gegnern gekommen. Die schiitische Terrororganisation drohte de facto damit, während des bevorstehenden Besuchs des US-Sondergesandten Thomas Barrack Unruhen im Land zu initiieren, sollten hochrangige libanesische Politiker nicht bereit sein, sich auch mit Laridschani zu treffen. Präsident Aoun war im Gegenzug von Vertretern des Anti-Hisbollah-Lagers unter Druck gesetzt worden, Laridschani die kalte Schulter zu zeigen und ihn nicht in Beirut zu empfangen.
Hisbollah-nahe Medien hatten davor gewarnt, dass eine Abweisung Laridschanis ein »explosiver Schritt« sei, der mit einer »breiten Reaktion der Bevölkerung« beantwortet werde. Letztlich traf Laridschani mit mehreren Spitzenvertretern des Landes zusammen, darunter neben Präsident Aoun auch Premierminister Nawaf Salam.
Dem Insitute for the Study of War zufolge habe Laridschanis Beirut-Reise vor allem den Zweck verfolgt, nach der Dezimierung der Hisbollah im Krieg gegen Israel und dem Sturz des Assad-Regimes wieder iranischen Einfluss im Libanon und in der Levante geltend zu machen. Das iranische Regime versuche zu diesem Zwecke, die Umsetzung eines Plans zur Entwaffnung der Hisbollah zu durchkreuzen, wie er nicht zuletzt von den USA forciert wird.
Im Zuge einer Sitzung der libanesischen Regierung vergangene Woche war der Armee der Auftrag erteilt worden, einen Plan auszuarbeiten, mit dem sichergestellt werden soll, dass sich alle Waffen im Land bis Ende des Jahres ausschließlich in Händen der staatlichen Sicherheitskräfte befinden sollen. Gemeint ist damit selbstverständlich ein Plan zur Entwaffnung der Hisbollah.






