Hinter verschlossenen Türen lehnt Abbas Hamas-„Rückkehrmarsch“ ab

„Die in Ramallah ansässige palästinensische Führung hat öffentlich für die Palästinenser Partei ergriffen, die seit mehr als zwei Wochen an der Grenze des Gazastreifens zu Israel protestieren. Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Mahmoud Abbas und die übrige palästinensische Führung verurteilten Israel wegen der Erschießung von 32 Bewohnern des Gazastreifens. Zudem haben sie den UNO-Sicherheitsrat gedrängt, Israel wegen dessen Gewaltanwendung gegen die Demonstranten zu verurteilen. Doch ihren öffentlichen Solidaritätsbekundungen zum Trotz lehnt sie die anhaltenden Proteste in Wirklichkeit ab. (…)

Wie Mohammed Daraghmeh, ein im Westjordanland ansässiger palästinensischer Journalist der Jerusalem Post am Telefon erklärte, ‚passen die Proteste im Gazastreifen der [palästinensischen Führung] nicht, da sie meint, dass die Hamas sie politisch zu ihren eigenen Zwecken ausschlachtet’. ‚Die Proteste stellen sie in Wirklichkeit bloß, da die Hamas und die Menschen im Gazastreifen mit ihnen die Show stehlen und sich selbst in den Mittelpunkt der örtlichen, regionalen und internationalen Agenda stellen, während die palästinensische Führung im Westjordanland nichts tut.’ (…) Ghaith al-Omari, ein Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy und ehemaliger Berater von Abbas äußerte sich ähnlich wie Daraghmeh. Er verwies zudem auf zwei zusätzliche Gründe dafür, dass die palästinensische Führung sich nicht wirklich hinter die Proteste gestellt habe. ‚Erstens unterstützt die [palästinensische Führung] die Proteste nicht, weil sie die ganze Aufmerksamkeit in der Palästinenserfrage auf die Hamas und den Gazastreifen gelenkt hat und sie links liegen gelassen hat. Zweitens befürchten sie, dass die Proteste auch auf das Westjordanland übergreifen und dort die öffentliche Ordnung gefährden könnten’, erklärte er in einem Telefongespräch mit der Post. (…)

Abbas selbst hat sogar öffentlich angedeutet, dass er die Proteste nicht befürworte. Bei einem Treffen des Zentralkomitees der Fatah am Sonntagabend gab er seine erste im Fernsehen übertragene Erklärung seit mehr als einer Woche ab. Darin erwähnte er weder die Proteste im Gazastreifen noch die Palästinenser, die bei ihnen getötet wurden. Seine einzige Bemerkung zum Gazastreifen bestand in der Drohung, dass die PA, sollte die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen nicht vollständig an sie abtreten, die restlichen für den Küstenstreifen vorgesehenen Haushaltsmittel auch noch streichen werde.“ (Adam Ragson: „Analysis: In private, Palestinian leadership opposes Gaza protests“)

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