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Hamas: Welt wird Vertreibung Israels genauso akzeptieren wie heute der USA aus Afghanistan

Ranghoher Hamas-Funktionär Mahmoud Al-Zahar
Ranghoher Hamas-Funktionär Mahmoud Al-Zahar (© Imago Images / ZUMA Wire)

Der Hamas-Funktionär Mahmoud Al-Zahar erklärte, Israel werde dasselbe Schicksal erleiden wie die US-Besatzung in Afghanistan.

Die Hamas sieht in dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan ein Modell für die von ihr angestrebte Vertreibung der israelischen Juden aus dem Nahen Osten – und ist sich sicher, dass die Welt das akzeptieren wird. Mahmoud Al-Zahhar, Mitgründer der Hamas und immer noch einer ihrer wichtigsten Führer und Sprecher, sagte in einem Interview mit Al-Aqsa-TV, dem Fernsehsender der Hamas:

„Was in Afghanistan passiert ist, hat viele Auswirkungen auf unsere Region. Wieso? Zunächst vertrieb Afghanistan die USA von seinem Territorium und legitimierte damit die Vertreibung der Besatzung. Das bedeutet, dass das, was die Hamas hier tut, um die [israelische] Besatzung zu vertreiben, legitim ist.

Wenn die Welt es [in Afghanistan] akzeptiert hat, warum sollte es dann in Bezug auf Gaza nicht akzeptiert werden? Ein Befreiungsversuch unterscheidet sich von einem ‚terroristischen’ Unternehmen, wie sie es nennen.“

Das Middle East Research Institute (MEMRI) mit Sitz in Washington D.C. hat das Interview aufgezeichnet und mit englischen Untertiteln versehen auf seine Website gestellt. Al-Zahhar verglich darin den Staat Israel mit Kolonialregimes des 20. Jahrhunderts und dem Einfall ausländischer Heere in der Levante der Antike.

Auch dagegen habe es „Widerstand“ gegeben. Darum sei der jetzige friedliche Zustand im Verhältnis Israels und seiner Nachbarn eine historische Anomalie – eine, die nicht von Dauer sein werde:

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„Die arabische Region um uns herum hat mit der israelischen Entität einen Normalisierungsgrad erreicht, der in Millionen von Jahren alten Geschichte der Region beispiellos ist.

[Es ist unvorstellbar], dass ein fremder Feind zum Freund und Verbündeten wird, während es in der Vergangenheit Widerstand gegen die französische und britische Besatzung und gegen die italienische Besatzung in Nordafrika gab. Und davor gab es Widerstand gegen die römische und persische Besatzung. Daher ist dieses Thema von größter Bedeutung.“

So, wie der frühere tunesische Diktator Ben Ali aus Tunesien geflohen sei und der afghanische Präsident Aschraf Ghani aus Afghanistan, so würden „morgen“ die Führer jener Golfstaaten fliehen müssen, die die Beziehungen ihrer Länder zu Israel normalisiert haben, glaubt er. Denn die „Entfernung der israelischen Entität“ sei eine

„Wahrheit des Koran, an deren Umsetzung wir jetzt arbeiten müssen. Es wird viel Druck auf uns lasten, aber wir hoffen, siegreich zu sein und die Beseitigung der Besatzung herbeizuführen.“

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Schon nach dem elftägigen Krieg zwischen der Hamas und Israels im Mai, in dessen Zuge die Hamas mehr als dreitausend Raketen auf israelische Städte abgefeuert hatte, hatte der stellvertretende politische Chef der Hamas, Musa Abu Marzouk, gegenüber dem Kremlsender Russia Today gesagt, worum es bei der Hamas bei ihren Kriegen geht: die Vertreibung der Juden.

Der aktuelle Krieg, sagte er, sei „nicht der letzte Krieg“ mit Israel. Es werde noch mehr geben. „Es ist nicht wie in Vietnam und anderswo, wo es zu Verhandlungen kam. Dies ist nur einer von einer Reihe von Kriegen, und ein Krieg wird kommen, wenn wir mit ihnen [den Juden; S.F.] über das Ende ihrer Besatzung und ihren Abzug Palästinas verhandeln“, so Abu Marzouk.

Arafats Plan zur ethnischen Säuberung

Die Haltung der Hamas steht in der Tradition des langjährigen PLO-Chefs Jassir Arafat. Auch Arafat hatte zeitlebens immer betont, dass die Vertreibung der Juden aus „Palästina“ das Ziel aller seiner Bemühungen ist.

Am 8. Juni 1974 beschloss der Palästinensische Nationalrat (PNC; das oberste legislative Organ der PLO) ein Zehn-Punkte-Programm, das auch „Phasenplan“ genannt wird, weil es die Vernichtung Israels in mehreren Phasen bzw. Etappen vorsieht. In Abschnitt 2 heißt es, zuerst werde die PLO

„alle Mittel und in erster Linie den bewaffneten Kampf einsetzen, um palästinensisches Gebiet zu befreien und eine unabhängige, kämpfende nationale Regierung für das Volk über jeden Teil des befreiten palästinensischen Gebiets zu errichten. Dies erfordert weitere Veränderungen im Kräfteverhältnis zugunsten unseres Volkes und seines Kampfes.“

Abschnitt 4 stipuliert:

„Jeder Schritt zur Befreiung ist ein Schritt zur Verwirklichung der Strategie der Befreiungsorganisation zur Errichtung eines demokratischen palästinensischen Staates“.

Abschnitt 8 sagt, was zu geschehen hat, sobald die PLO eine Regierung in Palästina errichtet hat:

„Sobald sie gegründet ist, wird die palästinensische Nationalregierung eine Vereinigung der Konfrontationsländer anstreben, mit dem Ziel, die Befreiung des gesamten palästinensischen Territoriums zu vollenden, und als Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden arabischen Einheit.“

In einer palästinensischen Selbstverwaltung, wie es die Palästinensische Autonomiebehörde ist, sieht die PLO also nur eine Waffe, um den Krieg gegen Israel bis zum Endsieg fortzusetzen. Auch 20 Jahre nach dem Phasenplan, in der Oslo-Ära der 1990er Jahre, hatte Arafat sein Denken nicht geändert.

1994, als er gerade so tat, als würde er Frieden mit Israel anstreben, hielt er vor Muslimen im südafrikanischen Johannesburg eine Rede, in der er seine wahren Ziele kundtat: Der Dschihad gegen Israel werde weitergeführt, sagte Arafat, die „Hauptschlacht“ sei die um Jerusalem, den „wichtigsten Schrein der Muslime“. Die Schlacht zur „Befreiung Jerusalems“ könne er „nicht allein kämpfen“, er brauche die Unterstützung der „islamischen Nation“.

Arafat verglich die Osloer Verträge mit dem Abkommen von Hudaibiya, das der Prophet Mohammed im Jahr 626 mit seinen Rivalen des Stammes Quraisch in Mekka schloss:

„Diese Vereinbarung [die Osloer Abkommen; S.F.], ich betrachte sie als nicht als mehr als die Vereinbarung, die zwischen unserem Propheten Mohammed und Quraisch unterzeichnet wurde, und Sie erinnern sich, dass der Kalif Omar diese Vereinbarung abgelehnt und sie als verabscheuungswürdigen Waffenstillstand angesehen hat.“

Im Abkommen von Hudaibiya einigten sich beide Seiten auf einen zehnjährigen Waffenstillstand, doch dieser hielt nur zwei Jahre, dann eroberte Mohammed Mekka. Die Frage, welche Seite ihn brach, braucht hier nicht behandelt werden; fest steht, dass Arafat durch den Vergleich zeigen wollte, dass er in den Osloer Abkommen keinen permanenten Verzicht auf Terror oder das von ihm beanspruchte Territorium sah, sondern eine kurzfristige Taktik, eine Waffenpause mit Verfallsdatum.

Die Johannesburger Rede Arafats wurde von einem Teilnehmer im Publikum heimlich aufgezeichnet und gelangte an die Presse. Westliche Journalisten zeigten sich schockiert, als sie von Arafats doppeltem Spiel und seinen kriegerischen Absichten erfuhren, vergaßen den Vorfall aber schnell wieder, um ihr Bild von einem gewandelten, friedlichen Arafat nicht in Frage stellen zu müssen. Später bezogen sich auch Minister der Regierung von Mahmud Abbas auf Arafats Johannesburger Rede, um Kontakte zur israelischen Regierung zu rechtfertigen.

„Wie Ratten, die ein sinkendes Schiff verlassen“

Noch deutlicher machte Arafat seine Pläne zur Vertreibung der israelischen Juden im Gespräch mit dem palästinensischen Journalisten Abd Al-Bari Atwan. Dieser schrieb 2018 aus Anlass des 25. Jahrestags des ersten Osloer Abkommens, was Arafat ihm seinerzeit im Vertrauen gesagt habe:

„Ich erinnere mich, dass er mich, als wir sein Hauptquartier im Stadtteil Jugurtha in Tunis verließen, unter dem Vorwand, spazieren zu gehen und von den Abhörgeräten wegzukommen, beiseite zog und dann sagte: ‚Ich möchte dir erzählen etwas, von dem ich dich bitte, dass du es erst nach meinem Tod erwähnst oder mir zuschreibst.‘

Seufzend fuhr er fort: ‚Ich gehe durch das Oslo-Tor nach Palästina, trotz meiner Vorbehalte [über diesen Weg], um die PLO und den Widerstand dorthin [nach Israel; S.F.] zurückzubringen. Ich verspreche dir, dass die Juden Palästina verlassen werden wie Ratten, die ein sinkendes Schiff verlassen. Das wird nicht zu meinen Lebzeiten wahr werden, aber zu deinen.’“

Der schmähliche Abzug der Amerikaner und ihrer Verbündeten aus Afghanistan wird Dschihadisten in aller Welt noch lange als Argumentationshilfe dienen, wenn sie darüber reden, dass sie letztlich siegen werden. Den Unterschied zwischen der Stationierung westlicher Truppen in Afghanistan, die von Anfang an als eine auf Zeit betrachtet wurde (solange, bis es, wie man dachte, in Afghanistan eine stabile demokratische Regierung mit funktionierender Armee und Polizeikräften geben würde) und dem auf Dauer gegründeten Staat Israel sehen sie nicht.

Und sie glauben – wie Al-Zahar deutlich macht –, dass die Welt eine Vertreibung der israelischen Juden akzeptieren werde. Der Glaube, die Welt im heimlichen oder offenen Einverständnis auf ihrer Seite zu haben, ist die Kraft, die die Hamas zu immer neuen Kriegen gegen Israel anspornt. Wenn es überhaupt möglich sein sollte, ihr das auszutreiben, dann nur, wenn eben jene Welt der Hamas klarmacht, dass sie auf der Seite Israels steht. Danach sieht es im Moment aber nicht aus.

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