Israel hat den 7. Oktober 2025 als symbolische Frist für die Evakuierung von etwa einer Million Zivilisten aus Gaza-Stadt vor einer geplanten Bodenoffensive gegen die Hamas gesetzt.
Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) bereiten sich auf eine groß angelegte Operation zur Eroberung von Gaza-Stadt vor, der größten urbanen Hochburg in der Küstenenklave, die von Premierminister Benjamin Netanjahu kürzlich als eine der letzten Bastionen der Hamas bezeichnet wurde.
Weitverzweigtes Tunnel-System
Wie ein hochrangiger israelischer Militärbeamter gegenüber CNN erklärte, sei es unklar, wie viele Terroristen sich noch in der Stadt aufhalten. Er bestätigte, dass die IDF auch nach fast zwei Jahren Krieg noch nicht in die Tiefe der Stadt vorgedrungen seien. Vor dem Vorstoß plant Israel die Evakuierung von rund einer Million Zivilisten. Die – symbolische – Frist für die Evakuierung ist der 7. Oktober 2025, der zweite Jahrestag des Terrorangriffs und Massakers der Hamas vom 7. Oktober 2023.
»Die Hamas weiß, dass wir kommen, und sie bereitet sich vor«, sagte der Militärbeamte und beschrieb, wie die Gruppe das als »Metro« bekannte ausgedehnte unterirdische Tunnelsystem von Gaza-Stadt nutzt: »Es ist komplexer, als wir erwartet hatten, mit Kommandozentralen, verzweigten Gängen und taktischen Tunneln für schnelle Bewegungen und Hinterhalte.« Während vermutet wird, dass einige der unterirdischen Netzwerke während der ersten beschränkten Operation vor achtzehn Monaten unentdeckt geblieben sind, baut die Hamas nach Angaben des israelischen Militärgeheimdienstes auch Tunnel in jenen Gebieten wieder auf, in denen die IDF zuvor bereits operiert hatten.
Die Beschaffenheit von Gaza-Stadt stellt im Gegensatz zu den niedrigeren Gebäuden in Städten wie Khan Yunis oder Beit Hanoun eine besondere Herausforderung dar, da viele beschädigte Hochhäuser, die in den westlichen Stadtvierteln zehn bis fünfzehn Stockwerke hoch sind, noch stehen.
Diese Gebäude könnten Hamas-Panzerabwehrteams, Scharfschützen und Späher beherbergen oder ein ausgedehntes Tunnelsystem verbergen, was ihre Demontage notwendig macht. Die Zerstörung solcher Strukturen erfordert große Mengen an Sprengstoff und schwere Baumaschinen. Ein hochrangiger IDF-Kommandeur, der an den jüngsten Kämpfen in Gaza beteiligt war, sagte gegenüber der israelischen Nachrichtenplattform Ynet: »Gebäude ermöglichen es Terroristen, aus Tunneln aufzutauchen und unter deren Deckung neue zu graben. Ihre Zerstörung hat operativen Wert.«
Hauptstadt der Hamas
Nach ihrer Machtübernahme im Jahr 2007 hatte die Hamas Gaza-Stadt zur De-facto-Hauptstadt der Küstenenklave erklärt, weswegen Israels Verteidigungsminister Israel Katz den Ort als »Hauptstadt der Hamas« bezeichnet und damit gedroht hat, für die Terrorgruppe »die Pforten der Hölle zu öffnen«. Sobald die Zivilbevölkerung evakuiert ist, werden die IDF voraussichtlich umfangreiche Luftangriffe auf urbane Ziele starten, darunter auch Standorte, die aufgrund der dortigen Bevölkerungsdichte bisher noch nicht angegriffen wurden.
Vor dem Krieg wurden die Tunnel trotz strenger Beschränkungen häufig für den Schmuggel von Waren genutzt, was den Bewohnern begrenzten Zugang zu Produkten von außerhalb verschaffte. Doch fast zwei Jahre Krieg haben Gaza-Stadt in Schutt und Asche gelegt. Das einst geschäftige Wirtschaftszentrum leidet nun unter Gesetzlosigkeit, Mangelwirtschaft und einer zusammengebrochenen Infrastruktur. Die Einwohner berichten, sich zwischen Trümmern oder in Zeltlagern zu verstecken, während Abwasser in den Straßen fließt, Rauch von Bränden aufsteigt und ständiger Drohnenlärm über ihnen zu hören ist, heißt es in einem Bericht von Ynet.
Hinzu kommen weit verbreitete Plünderungen, steigende Preisen und funktionsuntüchtige Krankenhäuser. Nachts treiben bewaffnete Banden ihr Unwesen. Eine Untergrundbank verlangt Gebühren von bis zu fünfzig Prozent für Bargeldabhebungen.
Die Hamas hingegen, die einst auf den Straßen präsent war, ist fast vollständig verschwunden. Ihre Büros, Polizeistationen und städtischen Gebäude wurden zerstört, während sich die Kämpfer versteckt halten, um gezielten Tötungen zu entgehen. »Sie haben keine Kontrolle mehr. Es ist nicht mehr so wie früher«, stellte ein Einheimischer, der sich gegen die Hamas stell, fest. »Manchmal tauchen sie einfach aus dem Nichts auf und verschwinden dann wieder.« Den Einwohnern zufolge hat die Gruppe keine festen Treffpunkte mehr und verlässt sich auf geheime Kommunikation.





