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Hamas nimmt Sufis in Gaza ins Visier

Tanzende Derwische bei einer Sufi-Versammlung
Tanzende Derwische bei einer Sufi-Versammlung (© Imago Images / UIG)

Auch in Gaza hat der Sufismus Anhänger, die jedoch von der Hamas bekämpft werden, sodass sie sich mittlerweile kaum mehr in die Öffentlichkeit wagen.

Der Sufismus in Palästina kann bis in die Ära der Mamluken im 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Auch in Gaza gibt es eine Reihe von Sufi-Moscheen. Doch die Anhänger und Prediger der oft als mystisch bezeichneten Strömung innerhalb des Islams sind von zunehmender Repression durch die regierende Hamas betroffen.

So wagen es viele Sufis nicht mehr, in der Öffentlichkeit offen aufzutreten und sprechen nur noch anonym über ihre Erfahrungen. Die negative Sicht der Gesellschaft habe auch viel mit Ignoranz zu tun und dem Umstand, dass viele Menschen kaum etwas über den Sufismus wissen, wie ein Gläubiger gegenüber der arabisch-amerikanischen Nachrichtenwebsite Al-Monitor meint:

»Unser einziges Ziel ist es, die Zeit des Propheten Mohammed wiederherzustellen, und der Sufismus soll dazu dienen, sich von der Böswilligkeit und Niedertracht politischer Parteien zu emanzipieren, deren einziges Ziel die Erringung von politischer Macht ist.«

Ein sufistischer Scheich erzählte, dass er zwar versuche, mit allen politischen Fraktionen in Gaza gute Beziehungen zu pflegen, sein Orden aber in Opposition zur Herrschaft der Hamas stehe, da der Sufismus jede Waffengewalt und jede Herrschaft, die auf einer solchen beruht, prinzipiell ablehne:

»Nichts im Buch Gottes und in der Sunna weist darauf hin, dass es gerechtfertigt sei, diejenigen, die gegen mich sind, mit Waffen zu bekämpfen. Im Gegenteil: Es ist Gott, der sagt: ›Sprich gütig mit allen Menschen‹.«

Als die Hamas im Jahr 2006 nach der Macht im Gazastreifen griff, schloss sie viele Treffpunkte der Sufis (Zawiyas) unter dem Vorwand, diese seien eine Gefahr für die Gesellschaft.

Nasser al-Yafawi, ein Historiker in Gaza, der sich mit der Verfolgung der Sufis beschäftigt, bezeichnet dies als völlig ungerechtfertigten Vorwand, der bloß aus dem Wunsch der Hamas resultiere, die Führung über alle islamischen Bewegungen in ihrer Hand zu monopolisieren.

»Es verbreiteten sich Gerüchte über die Sufis, sie würden freimaurerische Rituale zelebrieren und Handlungen vollziehen, die die sozialen Werte verletzen. Die Hamas schloss die Zawiyas der [sufistischen] Ahmadiyya-, Shadhiliyya- und Alawiyya-Orden, schränkte ihre Bewegungen ein und hielt sie davon ab, ihre religiösen Zeremonien und wöchentlichen Versammlungen abzuhalten.

Das ist eine Verletzung des Rechts auf Meinungs- und Religionsfreiheit. Ich habe das alles persönlich nachgeprüft und dabei herausgefunden, dass alle Vorwürfe bloß bösartige Gerüchte und falsche Behauptungen sind.«

Dennoch unterstützen viele Menschen in Gaza die Schließung der Zawiyas. Saleh al-Raqab, Professor für islamischen Glauben an der Islamischen Universität von Gaza und ehemaliger Minister für Stiftungen in Gaza, sagte gegenüber Al-Monitor, die Sufis würden an ihren Versammlungsorten mythischen und ketzerischen Bräuchen folgen wie etwa dem Tanzen in Moscheen, und unterhielten Kontakte zu Scheichs außerhalb des Küstenstreifens.

»Sie hängen korrupten Glaubensinhalten an, aber im Gazastreifen wenden sie diese an, ohne ihre Bedeutung zu verstehen, wenn sie etwa den Propheten Mohammed darum bitten, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Sie praktizieren auch Polytheismus, wie er in ihrem Buch Die Einheit des Seins von Ibn Arabi dargelegt ist. Dieser Autor ist ein Atheist, weil er alles Sein und alle Existenz als Eins sieht und glaubt, es gäbe keinen Unterschied zwischen einem Schöpfer und einem Geschöpf.

Die Sufis hier in Gaza praktizieren Rituale ohne das geringste Verständnis. Sie knien vor ihren Scheichs, wie wir vor Gott knien. Sie küssen ihren Scheichs sogar die Hände, was den Polytheismus und den Unglauben in Gott widerspiegelt. Die Sufis haben dem Islam nichts zu bieten, vielmehr trennen sie die Religion von der Politik.

Heutzutage nutzen sie sogar soziale Medien, um attraktiv für die junge Generation zu sein. Das ist ein Desaster. Viele junge Leute in Gaza schließen sich dem Sufismus an, weil sie eine große spirituelle Leere fühlen, die gefüllt werden muss.

Insofern kann ich nicht bestätigen, dass die Hamas die Zawiyas der Sufis schließt oder ihre Bewegung und deren Feiern einschränkt, denn ich konnte die Eröffnung vieler Zawiyas beobachten. Aber sie müssen geschlossen werden, bevor sie sich noch weiter ausbreiten können.«

Abschließend erklärte Professor Raqab, er wisse, wovon er spreche, da sich seine Dissertation unter religiös-ideologischen Gesichtspunkten mit den verschiedenen »Sufi-Sekten« beschäftige. Auch an der Universität lehre er diese Themen, da er der festen Überzeugung sei, der Sufismus stelle in der gesamten arabischen Welt eine ernstzunehmende Abweichung dar und widerspreche dem Islam im Gesamten.

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