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Steht eine neue Welle von Hamas-Selbstmordattentaten bevor?

Selbstmordattentat auf einen Bus in Jerusalem 2003. Kehrt die Hamas zu dieser blutigen Taktik zurück? (© imago images/UPI Photo)
Selbstmordattentat auf einen Bus in Jerusalem 2003. Kehrt die Hamas zu dieser blutigen Taktik zurück? (© imago images/UPI Photo)

In israelischen Sicherheitsbehörden wird gerätselt, ob die Hamas zur Taktik der Selbstmordattentate früherer Jahre zurückkehrt.

Yoni Ben Menachem

Nach dem fehlgeschlagenen Selbstmordattentat in Tel Aviv am 18. August, zu dem sich die Hamas gemeinsam mit dem Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) bekannte, sind die israelischen Sicherheitsbehörden in großer Sorge. Einem Hamas-Terroristen gelang es, Tel Aviv zu erreichen und einen acht Kilo schweren Sprengsatz in der Nähe einer Synagoge zu zünden. Wie durch ein Wunder führte eine offensichtliche Fehlfunktion dazu, dass die Bombe vorzeitig explodierte und ein mögliches Blutbad mit vielen Opfern verhindert wurde. Der Terrorist, ein Bewohner eines Dorfes in der Nähe von Nablus, wurde bei der Explosion getötet. Er war weder sicherheits- noch kriminalpolizeilich vorbestraft.

Der Polizeikommandant des Bezirks Tel Aviv, Peretz Amar, erklärte: »Es handelte sich um einen Anschlag mit einer großen und potenziell bedeutenden Bombe: Wäre sie nicht draußen explodiert, hätte sie katastrophale Schäden verursachen können. Wäre der Terrorist in die Synagoge eingedrungen, hätte dies eine schreckliche Tragödie zur Folge haben können.«

Die Polizei, der Inlandsgeheimdienst und die Armee haben eine umfassende Untersuchung des Vorfalls eingeleitet, über den eine Informationssperre verhängt wurde.

Neue Taktik?

Die Frage, die den Sicherheitsbehörden Kopfzerbrechen bereitet, ist, ob die Hamas ihre Strategie ändert: Plant Hamas-Führer Yahya Sinwar die Wiedereinführung von Selbstmordanschlägen, um seine Führungsrolle zu demonstrieren?

Diese Taktik wurde während der zweiten Intifada ab dem Jahr 2000 und zuvor im Jahr 1996 ausgiebig angewandt, um die Osloer Abkommen zu stören. Ursprünglich waren Selbstmordattentate nicht die Waffe der sunnitischen Hamas oder der Fatah. Als Israel 1992 Hunderte von Hamas-Mitgliedern in den Libanon auswies, wurden diese aber von der schiitischen Hisbollah aufgenommen, ausgebildet und indoktriniert. Heute sind diese beiden Organisationen Verbündete.

Der militärische Flügel der Hamas, der von Yahya Sinwar und seinem Bruder Mohammed geführt wird, steht Berichten zufolge aufgrund der intensiven militärischen Operationen Israels im Gazastreifen, die einen Großteil der obersten militärischen Führung der Hamas dezimiert haben, unter erheblichem Druck. Sinwar scheint bestrebt zu sein, neue Fronten zu eröffnen, um den Druck auf den Gazastreifen zu mindern und die Moral der Palästinenser zu stärken.

In einer offiziellen Erklärung hat die Hamas ihre Absicht erklärt, erneut Selbstmordattentate in Israel zu verüben und dabei als Gründe die israelische Politik der gezielten Tötungen und die Behandlung der Palästinenser angeführt. Trotz dieser Erklärung prüfen die israelischen Sicherheitsbehörden, ob die Hamas wirklich beabsichtigt, wieder Selbstmordattentate zu verüben, oder ob diese Ankündigung lediglich ein Teil der Propaganda- und Aufwiegelungsbemühungen der Organisation ist.

Vermehrt Sprengkörper

Die Beamten der israelischen Sicherheitsbehörde haben zwar noch keinen eindeutigen Trend zum erneuten Einsatz von Selbstmordattentätern ausgemacht, doch haben sie in den letzten zwei Jahren eine zunehmende Verwendung von Sprengkörpern durch terroristische Organisationen beobachtet, die auf Straßen im Westjordanland, in Galiläa und auf dem Golan platziert oder auf IDF-Truppen geworfen wurden.

Einige Sprengstoffe werden in Nordsamaria hergestellt und in großen Mengen aus dem Iran über Syrien und Jordanien ins Land geschmuggelt. Die laufenden Bemühungen der israelischen Streitkräfte und des Geheimdienstes, den Schmuggel einzudämmen, waren bislang nur begrenzt erfolgreich.

Die Sicherheitsbehörden sind besonders besorgt über mögliche Nachahmungstaten, da terroristische Organisationen die sozialen Medien nutzen, um Meldungen über den Anschlag von Tel Aviv zu verbreiten und zu weiterer Gewalt anzustiften.

Ein weiteres Problem ist die Führung des militärischen Flügels der Hamas in Judäa und Samaria, der vermutlich von Zaher al-Jabarin geleitet wird. Al-Jabarin, der Saleh al-Arouri nach dessen gezielter Tötung durch den Mossad in Beirut Anfang des Jahres ablöste, gilt auch als das »finanzielle Gehirn« der Hamas. Er war für die Finanzierung des Massakers vom Oktober letzten Jahres verantwortlich und ist nun eine der wichtigsten Zielscheiben Israels. Al-Jabarin hält sich in der Türkei auf und steht Berichten zufolge dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahe.

Als Reaktion auf den Anschlag in Tel Aviv hat die israelische Polizei jedenfalls die Wachsamkeit an allen öffentlichen Orten, insbesondere im Zentrum Israels, erhöht.

(Der Bericht ist auf Englisch zuerst auf der Webseite des Jerusalem Center for Public Affairs erschienen und sodann auch vom Jewish News Syndicate veröffentlicht worden. Yoni Ben Menachem ist Journalist mit langjähriger Erfahrung in arabischen Angelegenheiten. Übersetzung von Florian Markl.)

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