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Hamas feiert Tod 91-jähriger Holocaustüberlebender

Überreste einer Hamas-Rakete in Aschkelon. (© imago images/Xinhua)
Überreste einer Hamas-Rakete in Aschkelon. (© imago images/Xinhua)

Die Ermordung einer betagten Holocaustüberlebenden ist für die Terrorgruppe Hamas ein Grund zum Jubeln – sie hat geschafft, woran Hitler gescheitert war.

Die Hamas feiert den Tod der 91-jährigen Holocaustüberlebenden Naomi Perlman. Wie Mena-Watch berichtet hat, starb Perlman am 6. Februar an den Folgen der Verletzungen, die sie bei einem Raketenangriff der Hamas auf die Stadt Aschkelon im Mai 2021 erlitten hatte.

Aschkelon ist eine alte Hafenstadt mit 145.000 Einwohnern, nur zwanzig Kilometer von der Grenze des Gazastreifens entfernt. Da bei einem Raketenangriff in Aschkelon zwischen dem Alarm und dem Einschlagen der Raketen höchstens dreißig Sekunden liegen, hatte Perlman keine Chance, sich in Sicherheit zu bringen.

Der Lehrer und Reiseführer Kobi Lavy beschrieb im Juni 2021 gegenüber Mena-Watch die Situation seiner Schwiegermutter in Aschdod, die der von Naomi Perlman im sechzehn Kilometer südwestlich gelegenen Aschkelon wahrscheinlich nicht unähnlich war:

»Es gibt in Aschdod alte Viertel, dort haben die Häuser keinen Schutzraum. Meine 86-jährige Schwiegermutter etwa wohnt in einem ganz alten Gebäude. Sie hat keinen Schutzraum. Wenn die Sirene losgeht, müsste sie eigentlich ein Stockwerk nach unten gehen und dort warten. Dafür hätte sie nur vierzig Sekunden. Sie ist viel zu alt, um das zu schaffen. Sie will auch nicht bei uns bleiben. Also bleibt sie in ihrer Wohnung und betet zu Gott, dass alles gut geht.«

Auch Naomi Perlman war in ihrem Haus, als eine Rakete einschlug. Im selben Gebäude war ihre 31-jährige indische Pflegerin, die aus dem Distrikt Idukki im südindischen Bundesstaat Kerala stammende Soumya Santhosh. Am 11. Mai 2021, dem letzten Tag ihres Lebens, telefonierte Soumya mit ihrem Ehemann in Indien, den sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ihr Mann hörte einen Schrei, später wurde er darüber informiert, dass seine Frau bei einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen getötet worden war. Soumya Santhosh hinterließ ihren Ehemann und ihren neunjährigen Sohn Adorn.

Aus Anlass des Todes von Naomi Perlman veröffentlichte die Hamas nun auf ihrer Website Fotos des zerstörten Hauses und feierte den Tod »einer zionistischen Usurpatorin«. Deren Ableben sei, so die Hamas, »Folge einer schweren Verletzung, die sie infolge des intensiven und gezielten Qassam-Bombenangriffs auf die besetzte Stadt Aschkelon während der Schlacht von Seif al-Qud erlitten hatte«. (»Schwert von Quds/Jerusalem« war der Name, den die Hamas ihren Terrorangriffen auf israelische Zivilisten im Mai 2021 gegeben hatte.)

Die Terrororganisation brüstet sich in dem Beitrag, am »11. Mai 2021 um genau 13.15 Uhr innerhalb von fünf Minuten 137 Raketen schweren Kalibers auf große Gebäude und Fahrzeuge in den besetzten Städten Ashdod und Aschkelon« abgefeuert zu haben. Sie erwähnt, wo genau sich das Haus von Naomi Perlman befand und dass sie, »von Granatsplittern einer Rakete am ganzen Körper getroffen«, in ein Krankenhaus eingeliefert worden sei. Als Quellen für diese Informationen nennt die Hamas »zionistische Medien«, nämlich die »zionistische Zeitung Yedioth Ahronoth« und eine »zionistische Rundfunkanstalt«. Die Hamas berichtet auch vom Tod einer namentlich nicht genannten zweiten Frau im Zuge des Angriffs. Gemeint ist Soumya Santhosh, auch sie wird als »Zionistin« bezeichnet.

Die Hamas vollendet, was Hitler misslang

Naomi Perlman, geborene Feldman, wurde laut einem Bericht der englischsprachigen jüdischen Nachrichtenagentur JTA im polnischen Sosnowiec bei Kattowitz geboren. Dort lebten damals rund 30.000 Juden. Nach dem deutschen Einmarsch in Polen wurden in Sosnowiec ein Ghetto und ein Außenlager des Konzentrationslagers Auschwitz angelegt. Perlman und ihre Familie flohen über die Ukraine nach Usbekistan.

Nach ihrer Rückkehr nach Polen war die Familie mit dem alten Antisemitismus konfrontiert: In Kielce, rund hundert Kilometer von Sosnowiec entfernt, wurde 1946 ein Pogrom verübt. Mindestens zweiundvierzig Juden wurden getötet, weitere vierzig teils schwer verletzt. Das Pogrom von Kielce am 4. Juli 1946 zählt zu den schlimmsten antijüdischen Pogromen nach dem Zweiten Weltkrieg. Für viele Holocaustüberlebende wurde es zum Anlass, Polen für immer zu verlassen. So auch für die Familie von Naomi Perlman: Sie zog 1950 nach Israel. Dort lernte Naomi ihren Ehemann Yankele kennen. Perlman hinterlässt einen Sohn, eine Tochter, acht Enkel und zwölf Urenkel.

Naomi Perlman zu ermorden, war Hitler und Eichmann nicht gelungen. Die Hamas hat es nun, 77 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, geschafft – und ist stolz darauf. Das sollte – müsste man jedenfalls meinen – einige Leute zum Nachdenken anregen, die der Hamas politische Ziele andichten und fordern, sie in einen »politischen Prozess einzubinden«. Die Hamas ist ein fanatischer Todeskult. Ein anderes Ziel, als Menschen wie Naomi Perlman und Soumya Santhosh zu ermorden – und dabei auch viele Zivilisten im Gazastreifen mit in den Tod zu reißen –, hat sie nie gehabt.

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