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Hamas baut Führung im Gazastreifen wieder auf

Der Führer des militärischen Flügels der Hamas in Gaza, Izz el-Din al-Haddad
Der Führer des militärischen Flügels der Hamas in Gaza, Izz el-Din al-Haddad (Quelle: JNS)

Als der amerikanische Präsident Donald Trump den internationalen Friedensrat für den Gazastreifen ankündigte, war die Terrororganisation schon bereits dabei, sich neu aufzubauen.

Shachar Kleiman

Inmitten der Kontroverse um die Einrichtung des Gaza-Friedensrats durch US-Präsident Donald Trump verbleiben viele hochrangige Hamas-Führer im Gazastreifen. Diese Führungspersonen sind verantwortlich für den Versuch einer erneuten Aufrüstung, für anhaltende Verstöße gegen den Waffenstillstand, für die Weigerung zur Entwaffnung und für eine dreimonatige Verzögerung bei der Rückführung aller verstorbenen Geiseln.

Die Führung in Gaza

An der Spitze der Führungspyramide im Gazastreifen sind Verbündete des getöteten Hamas-Führers Yahya Sinwar wieder aufgetaucht und haben die Plätze der während des Kriegs Eliminierten eingenommen. So berichtete die saudische Zeitung Asharq Al-Awsat Anfang Januar, dass Ali al-Amodi, einer der im Rahmen des Shalit-Deals 2011 freigelassenen Gefangenen, de facto zum Leiter des Gaza-Büros geworden ist. Al-Amodi leitete den Propagandaapparat, war eine enger Weggefährte von Sinwar und gilt laut dem Bericht als zentrale Figur im Gazastreifen.

Quellen gaben an, dass keine Wahlen für das politische Büro stattfanden, sondern eine »Konsultation«, bei der Berichten zufolge Tawfiq Abu Naim zum Mitglied ernannt wurde. Zuvor befehligte Abu Naim die Polizeistrukturen der Terrororganisation. Wie Al-Amodi ist auch er ein Freigelassener des Shalit-Deals und zählt zu Yahya Sinwars Vertrauten.

An der Spitze des militärischen Flügels steht weiterhin Izz al-Din al-Haddad. Das ehemalige Fatah-Mitglied ist der einzige Brigadekommandeur der Hamas, der im Krieg nicht getötet wurde. Ausländischen Berichten zufolge gehörte Al-Haddad als Brigadekommandeur von Gaza-Stadt zu den wenigen, die das Datum des Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 bereits im Vorfeld gekannt hatten. Wie andere war auch er an der Planung und Durchführung des Massakers beteiligt. Nachdem die Führer des militärischen Flügels der Hamas, Mohammed Deif, Marwan Issa und Mohammed Sinwar getötet worden waren, wurde er zum Chef des Flügels ernannt.

Auch der Geheimdienstchef Mohammed Odeh hat überlebt. Arabischen Berichten zufolge wurde er anstelle des getöteten Ahmed Ghandour zum Kommandeur der Brigade im Norden der Küstenenklave ernannt. Mohanad Rajab wurde zum Brigadekommandeur von Gaza-Stadt ernannt. Neben ihm überlebten drei altgediente Bataillonskommandeure, Imad Aslim und Haitham Hawajari von der Gaza-Brigade und Hussein Fayyad aus Beit Hanoun, den Krieg.

Daneben kontrolliert die Hamas weiterhin die Polizeistrukturen. Nach veröffentlichten Daten haben die drei entsprechenden Sicherheitskräfte mindestens 20.000 Mitglieder. Allerdings wurde der größte Teil des Raketenarsenals der Hamas zerstört und die meisten ausgebildeten Kämpfer getötet. Darüber hinaus schätzt Israel, dass die Hamas aufgrund des Verlusts von Dutzenden von Bataillonskommandeuren und Kompaniekommandeuren während des Kriegs gezwungen war, Feldkommandeure auf niedrigeren Ebenen zu ernennen.

Die Führung im Ausland

Gleichzeitig gibt es das politische Büro der Hamas im Ausland. Die meisten seiner Mitglieder leben in Katar und der Türkei, der Rest in Ländern wie dem Iran und Algerien. Insgesamt umfasst das Auslandsbüro mehrere Dutzende hoch- und nachrangige Mitglieder. An der Spitze dieses Politbüros steht ein fünfköpfiger Führungsrat: Khalil al-Hayya, Khaled Mashal, Mohammed Darwish, Zaher Jabarin und Nizar Awadallah. Al-Hayya ist Regionalleiter für den Gazastreifen; Jabarin ist das Westjordanland unterstellt. Mashal ist für die Diaspora im Ausland zuständig, Darwish für den Schura-Rat der Organisation und Awadallah für das Büro in Gaza-Stadt.

Al-Hayya und Mashaal konkurrieren nun um den Posten des Politbüroleiters, der seit dem Tod von Yahya Sinwar und Ismail Haniyeh vakant ist. Im Rahmen des Wahlprozesses wird anstelle von Saleh Arouri, der diesen Posten bis zu seinem Tod im Jahr 2024 innehatte, voraussichtlich auch ein Stellvertreter ernannt werden.

Der zuletzt von Israel eliminierte hochrangige Hamas-Kämpfer ist Mohammed al-Houli, der an den Vorbereitungen für den Angriff vom 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen war. Die ranghöchste Persönlichkeit, die in den letzten drei Monaten von Israel getötet wurde, ist Raad Saad. Der Gründer der Nukhba-Einheiten und der Seestreitkräfte der Hamas, der jahrzehntelang als einer der bedeutsamsten Kommandeure des militärischen Flügels diente, hatte nach zwei Jahren Krieg die Position des stellvertretenden Kommandanten des Flügels erreicht. Saad, der am 13. Dezember 2025 während einer Fahrt mit seinen Leibwächtern in seinem Fahrzeug getötet wurde, beaufsichtigte die Waffenproduktion und war für die Montage von Sprengsätzen verantwortlich, die gegen das israelische Militär eingesetzt wurden.

Anfang Dezember wurden der Kommandeur des East Rafah Battalion, Abu Ahmed al-Bawab, und sein Stellvertreter Ismail Abu Labda getötet. Beide hatten nach Inkrafttreten des Waffenstillstands im Oktober längere Zeit in einem unterirdischen Tunnel verbracht. Am 22. November wurde Alaa al-Hadidi, ein hochrangiger Verantwortlicher für Versorgung und Ausrüstung im Produktionsapparat des militärischen Flügels, eliminiert. Zwei Tage zuvor war Abdullah Abu Shamala, der als Chef des Marineapparats der Hamas fungierte, getötet worden.

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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