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„Gewalt gegen geflüchtete Frauen war lange ein Tabuthema“

„Gewalt gegen geflüchtete Frauen war lange ein Tabuthema“MiMi, so heißt das Projekt. Gewaltprävention mit Migrantinnen für Migrantinnen. Es wird von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), gefördert. Träger ist das Ethnomedizinische Zentrum in Hannover. Eine Einrichtung, die Anfang der Neunzigerjahre die Arbeit eigentlich mit dem Ziel aufnahm, die Gesundheit von Flüchtlingen zu fördern. ‚Gesundheit ist der Motor der Integration‘, sagt Ramazan Salman. Er ist der Mitbegründer und Geschäftsführer des Zentrums. Mit Impfprogrammen und mehrsprachigen Ratgebern für Palliativmedizin fing alles an. Inzwischen hat das Zentrum den Fokus mehr auf die seelische Gesundheit gelegt. Gewalt gegen geflüchtete Frauen, das sei lange ein Tabuthema gewesen, sagt der Sozialwissenschaftler.

Dabei sei es doch ein offenes Geheimnis, dass viele der Frauen entweder schon in ihrer Heimat oder auf der Flucht Opfer von Gewalt geworden sind. Besonders solche, die aus Ländern kommen, in denen Gleichberechtigung ein Fremdwort ist. Doch offen darüber geredet habe man nicht, sagt Salman. Als er das Thema einmal bei einem Vortrag in einer Polizei-Akademie angesprochen habe, hätten seine Zuhörer verlegen herumgedruckst. Er habe ja recht, sagte endlich einer. Aber das laut auszusprechen, traue sich keiner. Er riskiere sonst den Vorwurf, dass er alle Flüchtlinge diskreditiere. Inzwischen ist die Politik einen Schritt weiter. Eine Umfrage des Ethnomedizinischen Zentrums unter 2000 geflüchteten Frauen aus 59 Ländern hat 2016 ergeben, dass 14,3 Prozent von ihnen schon persönlich Opfer von Gewalt geworden sind. In fast allen Fällen waren die Täter die eigenen Angehörigen oder andere Angehörige. Weitere 21,7 Prozent gaben an, sie würden betroffene Frauen kennen. Ramazan Salman schätzt, dass die tatsächliche Zahl bei 25 Prozent liegt. Er sagt, viele seien traumatisiert. Sie redeten nicht über das Thema, zumindest nicht öffentlich.“ (Antje Hildebrandt: „Hätte ich gewusst, wie schlimm es hier in Deutschland ist…“)

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