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Geschichten von Flucht, Leid und Sterben

Von Thomas von der Osten-Sacken

Geschichten von Flucht, Leid und Sterben
(Quelle: Screenshot Youtube)

Vor kurzem meldete die UN, die Zahl der weltweit registrierten Flüchtlinge habe die 70-Millionen-Grenze überschritten. Damit verhält es sich bei den jährlich vorgelegten Zahlen, ein wenig so wie mit den globalen Temperaturen: Jahr für Jahr werden neue Rekorde gemeldet, ohne dass irgend etwas nachhaltig geschieht. Zugleich wird es immer schwieriger für Menschen auf der Flucht, irgendwo einen Ort zu finden, an dem sie zumindest vor Verfolgung, Deportation und Misshandlung sicher sind und ihre Grundbedürfnisse befriedigt werden. Dabei ist dies laut Genfer Flüchtlingskonvention die Pflicht der so genannten „Internationalen Gemeinschaft“, die, so heißt es, einspringe, um dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge „sicher und beschützt“ seien.

Auch wenn es sich bei solchen Formulieren immer um Forderungen handelte, die selten in der Realität auch Umsetzung fanden, war es selten so schlecht bestellt um die Lage von Flüchtlingen weltweit. Dafür bedarf es keiner langatmigen Analysen, es reicht recht wahllos an jedem beliebigen Tag einige Meldungen zusammen zu stellen.

Aus Libyen :

„Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 40 Menschen getötet worden. 80 weitere Flüchtlinge seien in dem Lager im Vorort Tadschura verletzt worden, sagte Malek Merset, ein Sprecher der libyschen Gesundheitsbehörden, in der Nacht. Ein Sprecher der Rettungskräfte sagte, es handle sich um eine vorläufige Bilanz, die sich noch verschlimmern könne.“

Aus Algerien:

„Hier in der Wüste hat Algerien in den vergangenen 14 Monaten mehr als 13.000 Menschen ausgesetzt, darunter schwangere Frauen und Kinder, die ohne Nahrung oder Wasser gestrandet sind und dazu gezwungen wurden, manchmal mit vorgehaltener Waffe, bei Temperaturen von bis zu 48 Grad Celsius zu gehen. In Niger, wohin sich die Mehrheit dieser Menschen auf den Weg macht, humpeln die Glücklichen über ein trostloses Niemandsland von 15 Kilometern nach Assamaka, weniger eine Stadt als eine Ansammlung instabiler Gebäude, die in Sandverwehungen versinken. Andere, desorientiert und dehydriert, ziehen tagelang umher, bevor ein Rettungskommando der Vereinten Nationen sie finden kann. Andere wiederum, deren Anzahl nicht bekannt sind, sterben auf dem Weg; Fast alle der mehr als zwei Dutzend Überlebenden, die von The Associated Press befragt wurden, berichteten von Menschen in ihren Gruppen, die einfach nicht mehr weiterlaufen konnten und in der Sahara verschwanden.“

Aus dem Libanon:

„Libanesische Behörden und Geheimdienstbeamte haben in den letzten Tagen einen syrischen Aktivisten sowie [zwei] Dissidenten an das Assad-Regime übergeben, teilte eine syrische Menschenrechtsgruppe mit. Die im syrischen Deir ez-Zoor geborenen militärischen Dissidenten Mohammad Hamed Ibrahim al-Haji und Mohammad Zughyan wurden an die Assad-Milizen übergeben, obwohl einer von ihnen legal als Militärflüchtling registriert war.“

Geschichten von Flucht, Leid und Sterben
Dadaab-Camp (Quelle: UNHCR)

Das sind Geschichten von Flüchtlingen, die eigentlich „sicher und beschützt” sein sollten. Es sind Geschichten von den 70 Millionen. Diese Zahl enthält nicht die Abermillionen so genannter „Internally Displaces Persons“, also Binnenvertriebener, die es nie aus dem eigenen  Land geschafft haben. Da wären etwa eine Million Jemeniten, von denen man so gut wie nichts hört, weil es so gut wie unmöglich ist, aus dem Jemen zu fliehen. Wohin auch?

Überhaupt erreichen die allerwenigsten Flüchtlinge je ebenso genannten Norden, die meisten müssen in Nachbarländern oft jahrelang ihr Leben in irgendwelchen Lagern fristen. Bis vor einiger Zeit befand sich das weltweit größte in Kenia. Im Dadaab-Camp leben seit den frühen 1990er Jahren über 200.000 Somalis. Inzwischen wurde es von von einem Lager in Bangladesch abgelöst. Im Ort Cox‘s Basar an der Grenze zu Myanmar sind über 850.000 Menschen unter unvorstellbaren Bedingungen untergebracht.

Und in einem Jahr meldet sich die UN dann wieder mit neuen Zahlen. Vermutlich werden dann 80. Millionen weltweit auf der Flucht sein.

 

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