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Gaza nach der Hamas: Rückkehr zur gescheiterten Realität der Vergangenheit?

Hat Gaza eine Zukunft jenseits der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde
Hat Gaza eine Zukunft jenseits der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde (© Imago Images / Middle East Images)

Immer mehr Menschen im Gazastreifen wünschen sich einen neuen Weg jenseits der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Während sich die militärischen und politischen Bemühungen zur Beendigung der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen verstärken, taucht eine weitaus kompliziertere Frage auf: Wie geht es weiter? Und kann die Bevölkerung Gazas nach dem Ende der Hamas die Rückkehr der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in ihrer derzeitigen Form wirklich akzeptieren? Die gilt insbesondere, da viele Palästinenser der Ansicht sind, dass jahrelange Korruption, politische Stagnation und der Verlust des öffentlichen Vertrauens zu den Hauptgründen gehörten, warum die Hamas 2006 die Wahlen gegen die PA gewann und 2007 in Gaza an die Macht kam.

Innerhalb des Gazastreifens dreht sich die Diskussion nicht mehr nur um Krieg und Waffen. Zunehmend wird sie zu einer Debatte über die Gestalt des politischen Systems, das auf diesen verheerenden Konflikt folgen soll. Und zu einer Debatte darüber, wer nach einer beispiellosen humanitären Katastrophe wirklich die Legitimität besitzt, die Bevölkerung zu vertreten.

Viele Zivilisten im Gazastreifen fühlen sich heute zwischen zwei gescheiterten Modellen gefangen. Einerseits dem Modell der Hamas-Regierung, die den Gazastreifen in Isolation, in wiederholte Kriege sowie in wirtschaftlichen Zusammenbruch und soziale Verwüstung geführt hat. Und andererseits dem Modell der Palästinensischen Autonomiebehörde, der große Teile der palästinensischen Bevölkerung aufgrund von Korruption, mangelnden Reformen und jahrelanger politischer Lähmung nicht mehr vertrauen.

Inmitten dieser Realität werden unabhängige Stimmen aus der Zivilgesellschaft und der Jugend allmählich hörbarer. Diese Stimmen fordern eine neue Alternative, die weder der Hamas noch dem traditionellen palästinensischen politischen Establishment angehört. Sie fordern eine Verwaltung, die sich stattdessen auf zivile Regierungsführung, Bildung und den Wiederaufbau der Gesellschaft, auf wirtschaftliche Chancen und Offenheit gegenüber der Welt konzentriert.

Neue Entwicklung

Was einst innerhalb des Gazastreifens nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde, erreicht nun langsam internationale und sogar israelische Medienplattformen – eine Entwicklung, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Die Jerusalem Post veröffentlichte kürzlich eine Reihe von Artikeln und Kommentaren, in denen zivile Stimmen aus Gaza porträtiert wurden, die die Fortsetzung der alten politischen Realität ablehnen. Stattdessen streben sie eine Zukunft an, die auf Koexistenz, Bildung, Stabilität und einem normalen Leben statt auf endlosen Konflikten basiert.

Mein Artikel »Zivile Opposition sucht Alternative zu Hamas und PA« befasste sich mit dem Aufkommen dessen, was manche als »dritten Weg« innerhalb Gazas bezeichnen. Damit ist eine wachsende Strömung unabhängiger ziviler Stimmen gemeint, die argumentieren, dass Gazas Zukunft nicht durch die Reproduktion derselben politischen Strukturen aufgebaut werden kann, die zum aktuellen Zusammenbruch beigetragen haben.

»Zu diesen Kräften gehört die Bewegung ›Wir wollen leben‹, die als Gegenbewegung zur Herrschaft und der Unterdrückung durch die Hamas gegründet wurde, sowie breitere zivile Initiativen, die derzeit unter dem Begriff ›Palästinensische Bewegung für zivile Angelegenheiten‹ an Dynamik gewinnen. Dieses neu entstehende Rahmenwerk, das unter Oppositionsvertretern innerhalb und außerhalb des Gazastreifens noch diskutiert wird, zielt darauf ab, eine zivil geführte Verwaltung zu etablieren, deren Schwerpunkt auf Stabilität, Wiederaufbau und Koexistenz liegt und nicht auf der Ideologie einzelner Fraktionen.

Laut Aktivisten, die an diesen Diskussionen beteiligt sind, umfasst die Vision die Integration bewaffneter Anti-Hamas-Gruppen in formelle Sicherheitsinstitutionen wie die Polizei und Anti-Terror-Einheiten. Die Verteilung humanitärer Hilfe, die zivile Verwaltung und die Infrastrukturentwicklung sollen unter zivile Leitung gestellt werden. Der Vorschlag sieht auch eine direkte Zusammenarbeit zwischen zivilen palästinensischen Vertretern und zivilen israelischen Verwaltungsorganen vor, um die Einfuhr von Hilfsgütern zu erleichtern, die Infrastruktur wiederaufzubauen und Mechanismen für ein praktisches Zusammenleben zu schaffen.«

Das Auftauchen solcher Perspektiven in internationalen und israelischen Medien hat eine bedeutende politische und humanitäre Bedeutung. Es stellt die seit langem vorherrschende Erzählung in Frage, die die Bevölkerung Gazas auf Hamas und Krieg reduziert. Gleichzeitig offenbart sie die Herausbildung einer echten Zivilgesellschaft, die Leben, Bildung, Stabilität und Würde statt permanenter Konflikte und politischer Spaltung will.

Doch die zentrale Frage bleibt: Werden regionale und internationale Akteure die Entstehung einer wirklich neuen palästinensischen zivilen Führung zulassen? Oder wird Gaza erneut in den alten Kreislauf zurückgedrängt, indem politische Strukturen und Persönlichkeiten wieder restituiert werden, an die viele Menschen bereits den Glauben verloren haben?

Heute suchen viele Menschen in Gaza nicht mehr nach großen ideologischen Parolen. Sie suchen nach etwas viel Einfacherem: nach Sicherheit, nach Bildung, nach einer Zukunft für ihre Kinder. Und nach einer Regierung, die die Bevölkerung vertritt, anstatt sie als Instrument für endlose politische und militärische Kämpfe zu missbrauchen.

Mohammed Nafez Altlooli ist Autor und Friedensaktivist. Er war als Koordinator für zivile Angelegenheiten tätig und ist eine führende Persönlichkeit in der von Jugendlichen geführten Bewegung Bedna Na’eesh (»Wir wollen leben«) im Gazastreifen. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Bekämpfung extremistischer Ideologien sowohl im Nahen Osten als auch im Westen.

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