Für türkischen Prediger ist Schlagen von Frauen keine Misshandlung

Von Claude Truong-Ngoc CC BY-SA 3.0

„Auf dem Bildschirm ein Fernsehprediger. Er erläutert, wie eine Frau nach islamischen Regeln zu prügeln sei: ‚Schlag sie nicht oberhalb des Halses, nicht ins Gesicht, nicht auf die Brust, nicht ins Kreuz. Ball die Hand nicht zur Faust. Benutze keinen Knüppel länger als ein Lineal. Schlagen und Schimpfen sollen in den eigenen vier Wänden bleiben. Schmutzige Wäsche wäscht man zu Hause.‘ Dann kommt er auf das Motiv fürs Prügeln zu sprechen: ‚Unsere Religion erlaubt dem Mann das Schlagen nicht, damit er seine Frau misshandelt, sondern um Dampf abzulassen. Denn wenn ihm die Geduld reißt, fängt er an, selbst in Strommasten eine zweite Frau zu sehen. Die Frau sollte dankbar sein, wenn ihr Mann sie schlägt.‘

Bekanntlich halten sich die meisten Männer nicht an den Rat des Hodschas, mit Obacht zu prügeln. Allein im vergangenen Jahr kamen in der Türkei 409 Frauen durch Männergewalt ums Leben. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Anstieg um ein Viertel. Frauen werden mittlerweile meist von Ehemännern oder Partnern oder von Ex-Gatten und Ex-Partnern umgebracht. 332 Frauen wurden 2017 in der Türkei Opfer sexueller Gewalt. Diese Zahlen zeigen, dass, trotz des islamischen Mottos ‚Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter‘, für Frauen in der Türkei unter den Füßen der Männer inzwischen die Hölle liegt. (…) Als Frauen gegen all dies am Wochenende vor dem Frauentag am 8. März auf die Straße gingen, sahen sie sich Polizeigewalt ausgesetzt. Bei strömendem Regen wurden sie niedergeknüppelt, riefen aber unverdrossen weiter: ‚Wir schweigen nicht. Wir haben keine Angst. Wir gehorchen nicht.‘“ (Can Dündar: „Wie soll man seine Frau schlagen?“)

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