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Frauen im Irak brechen ein Tabu

Ein demonstrierendes Paar in Bagdad
Ein demonstrierendes Paar in Bagdad (Quelle: Twitter)

An den landesweiten Protesten nehmen zusehends Frauen teil, was einen Bruch der strengen  Moralvorstellungen des Islam darstellt.

Balsam Mustafa, The Independent

Die Demonstranten im Irak haben sich erneut der Androhung von Gewalt widersetzt und sich erneut zu landesweiten Massendemonstrationen gegen die Regierung zusammengeshlossen. Unter den Tausenden von Bürgern die auf die Straße gehen, um eine Neuordnung des politischen Systems zu fordern, sind auch Frauen. Nach Jahrzehnten des Krieges, der Gewalt und der Sanktionen, die die Frauen in dieser patriarchalischen Gesellschaft besonders betroffen haben, ist dies eine bemerkenswerte Entwicklung.

Frauen wurden schon zu lange durch die konservativen Islamisten ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht. Jetzt haben sie beschlossen, sich endlich Gehör zu verschaffen. Empört über das brutale Durchgreifen gegen unbewaffnete Demonstranten und die entsetzlichen Aufnahmen der Morde, haben die Frauen entschieden, dass es genug ist. (…) Obwohl ihre Eltern und ihre Ehemänner dies oft missbilligten, weil sie um ihre Sicherheit fürchteten, nahmen die Frauen die besondere Anstrengung auf sich, zu protestieren, was auch bedeutet, dass sie sich manchmal sogar heimlich an den Demonstrationen beteiligen.

In einer Gesellschaft, in der sich die Geschlechter normalerweise nicht vermischen, bedeutet das Protestieren mit den Männern, dass ein Tabu gebrochen wurde. Einige glauben, dass dies eine Revolution gegen die veralteten Traditionen und Normen ist. (…)

Mariam und ihr Verlobter Ahmed beschlossen auch anderen Tabus zu trotzen, als sie auf dem Tahrir-Platz ein Foto machten, auf dem sie sich mit Gasmasken küssten. Das Bild ging in den sozialen Medien viral, blieb jedoch nicht kritikfrei. Die soziale Norm, nach der jemand nach dem Namen seines Vaters gerufen wird, wurde gebrochen, als die Freunde von Safaa al-Saray, einem einflussreichen Demonstrant, der von einer Tränengasgranate getötet wurde, den Vornamen seiner Mutter, Ibn Thanwa [Sohn von Thanwa], für ihn verwendeten.

Es gab aber auch andere Erfahrungen. Ola, eine 15-jährige Gymnasiastin aus Kerbala, sagte, sie sei von einigen Männern beschimpft worden, als sie und eine Gruppe von Mädchen sich gegen die Islamisten geäußert hatten. Eine Menschenrechtsaktivistin, ebenfalls aus Kerbala, sagte, sie habe eine ähnliche Gegenreaktion erlebt, nachdem sie sich den Protesten angeschlossen hatte.

I spoke to the women risking their lives to join the Iraq revolution – and this is what they want

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