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Die Folgen des OPEC-Austritts der Emirate

Die OPEC-Zentrale in der Wiener Innenstadt. Für das Kartell ist der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate ein schwerer Schlag. (© imago images/CHROMORANGE)
Die OPEC-Zentrale in der Wiener Innenstadt. Für das Kartell ist der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate ein schwerer Schlag. (© imago images/CHROMORANGE)

Der Abgang der Emirate bedeutet eine Schwächung der OPEC. Der Ölpreis dürfte sinken, die Marktunsicherheit aber zunehmen.

Obwohl immer wieder einmal darüber spekuliert wurde, kam die Ankündigung überraschend: Ab dem heutigen 1. Mai 2026 sind die Vereinigten Arabischen Emirate nicht mehr Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC).

Ziel der 1960 gegründeten OPEC ist es, durch gemeinsame Fördermengenabsprachen den Ölpreis zu kontrollieren. Bis zum Austritt der VAE verfügte die OPEC über rund drei Viertel der weltweiten Ölvorkommen und war für rund 40 Prozent der weltweiten Ölförderung verantwortlich. Um seinen Einfluss als Ölkartell noch weiter zu steigern, hat die OPEC 2016 mit zehn weiteren Ölförderländern (darunter nicht zuletzt Russland) die erweiterte OPEC+ ins Leben gerufen.

Die OPEC hat im Laufe ihrer Geschichte nicht nur enormen wirtschaftlichen Einfluss ausgeübt, sondern diesen auch für darüber hinausgehende politische Zwecke zu nutzen gewusst. Bekanntestes Beispiel dafür war sicherlich die Drosselung bzw. Blockade der Ölexporte an westliche Industrieländer im Zuge des Jom-Kippur-Krieges 1973, der zur ersten Ölkrise geführt hat.

So alt wie die OPEC selbst ist freilich auch die Geschichte des internen Streits über die den einzelnen Mitgliedern zugestandenen Ölfördermengen. Die wirtschaftlichen und politischen Interessen der OPEC-Staaten waren nie einheitlich, Konflikte zwischen jenen, die mehr Öl fördern, und jenen, die das Angebot verknappen wollten, standen an der Tagesordnung. Nicht immer waren die anderen Mitglieder bereit, dem Kurs der dominierenden OPEC-Macht Saudi-Arabien unwidersprochen zu folgen.

Warum der Austritt?

Der Streit um den eigenen Anteil am Kuchen ist denn auch der vordergründige Anlass der Emirate, das Kartell zu verlassen. Mehrfach in den vergangenen Monaten, auch schon in der Zeit vor dem Iran-Krieg, sollen sie innerhalb der OPEC eine größere Förderquote gefordert haben. »Im Mittelpunkt der Geschichte«, fasst die emiratische Zeitung The Nationalnüchtern zusammen, »steht die sich vergrößernde Kluft zwischen dem, was die VAE produzieren könnten, und dem, was die OPEC ihnen zu fördern gestattete.«

Die maximale Fördermenge der Emirate liegt bei 5 Mio. Barrel Öl am Tag. Gegenwärtig erlaubt waren ihnen als Teil der OPEC+-Absprachen nur 3,4 Mio. Barrel, also eine um fast 30 Prozent geringere Menge. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur WAM sei »eine umfassende Prüfung der Produktionspolitik der VAE und der aktuellen und zukünftigen Kapazitäten« unternommen worden, und die hat offenbar ergeben: Die Beschränkung der Fördermenge ist für das Land nicht länger hinnehmbar.

Die Krise auf dem Ölmarkt infolge des Iran-Kriegs und der Sperre der Straße von Hormus hat die Führung der Emirate sicherlich darin bestärkt, in Zukunft einen eigenen Weg zu gehen, der sich nicht mehr an den OPEC-Vorgaben orientieren wird. Laut einem Experten der Commerzbank wollen die Emirate damit den Weg freimachen, um »ihre Produktionskapazitäten besser auszuschöpfen und die kriegsbedingten Ausfälle zu kompensieren«. Dem texanischen Baker Institute for Public Policy zufolge könnten durch das Ausbrechen aus den OPEC-Beschränkungen jährlich bis zu 50 Milliarden Dollar zusätzlich in die Kassen der Emirate fließen.

Neben rein wirtschaftlichen haben sicherlich auch geopolitische Gesichtspunkte die Entscheidung zum Austritt beeinflusst. Dass in der Region ein zunehmend an Intensität zunehmender Konflikt zwischen den VAE und Saudi-Arabien stattfindet, ist längst kein Geheimnis mehr. Aus Sicht der Führung in Abu Dhabi ist die OPEC in dieser Auseinandersetzung keine neutrale Instanz, sondern ein Vehikel zur Durchsetzung saudischer Interessen. »Es will nicht, dass seine Produktionskapazitäten von der OPEC eingeschränkt werden – und schon gar nicht von Riad«, so ein Experte des Londoner Thinktanks Chatham House.

Der Austritt ist ein weiteres Beispiel für die zunehmend eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik der Vereinigten Arabischen Emirate, die immer weniger Scheu zeigt, sich von Institutionen freizumachen, die in ihren Augen nur mehr Ballast auf dem Weg in die Zukunft sind. Es ist alles andere als Zufall, dass parallel zum OPEC-Austritt in Abu Dhabi auch über den Weiterverbleib der Emirate in der Arabischen Liga diskutiert wird.

Günstiger, aber volatiler

Nach Katar, das die OPEC Anfang 2019 verlassen hat, bedeutet der nunmehrige Austritt der VAE klarerweise eine weitere Schwächung: Je mehr Länder eine vom Kartell unabhängige Erdölförderpolitik verfolgen, umso geringer wird dessen Fähigkeit zur Kontrolle der Fördermenge und des Ölpreises. Innerhalb der verbliebenen Rest-OPEC wächst durch den Abgang der Emirate der schon jetzt dominierende Einfluss Saudi-Arabiens.

Auf den Ölpreis dürfte der OPEC-Austritt der VAE kurzfristig keinen spürbaren Einfluss haben. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, sind emiratische Pläne über eine Ausweitung der eigenen Fördermengen »eher theoretischer Natur«, wie ein vom Business Insider zitierter Ökonom bemerkt.

Längerfristig, und sobald Exporte aus der Golfregion wieder ungehindert möglich sind, dürfte der Alleingang der Emirate den Ölpreis drücken: Mehr Förderung bedeutet mehr Angebot, mehr Angebot bedeutet geringere Preise. Zumal die OPEC künftig weniger gut in der Lage sein wird, durch gezielte Verknappung des Angebots den Preis hochzuhalten.

Die Auswirkungen des VAE-Abganges aus der OPEC für Europa sind schwer vorhersehbar. Einerseits würde der Kontinent von niedrigeren Ölpreisen profitieren. Das bekannte Sprichwort »Viele Köche verderben den Brei« hat allerdings auch für den Energiemarkt Relevanz: Je mehr Akteure selbstständig handeln, umso volatiler wird der Markt und umso stärkere Preisschwankungen sind möglich.

Und das bedeutet für die europäischen Akteure, von einzelnen Verbrauchern über Unternehmen bis zu den Staaten, wahrscheinlich größere Unsicherheit und weniger langfristige Planbarkeit.

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