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Fernsehquiz der Fatah: Geografie als Propaganda

Im palästinensischen Fernsehen wird selbst eine Erdkunde-Quiz zu anti-israelischer Propaganda
Im palästinensischen Fernsehen wird selbst eine Erdkunde-Quiz zu anti-israelischer Propaganda (© Imago Images / ZUMA Wire)

Fast jede Sendung des offiziellen Fernsehsenders der Palästinensischen Autonomiebehörde wird dazu missbraucht, die Existenz Israels zu leugnen, indem es zu »Palästina« erklärt wird.

Selbst eine scheinbar harmlose Angelegenheit wie ein Erdkundequiz wird in den Händen der Fatah zu einem Propagandainstrument, um die Existenz des Staates Israel zu leugnen: Der See Genezareth sowie die israelischen Städte Aschkelon und Be’er Sheva lägen in »Palästina« – das waren laut einem Bericht von Palestinian Media Watch (PMW) die vermeintlich richtigen Antworten bei Quizsendungen, die das offizielle Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) während des Ramadans ausgestrahlt hat.

Palestinian Media Watch ist eine israelische Non-Profit-Organisation, die Medieninhalte und Regierungsverlautbarungen in den palästinensischen Autonomiegebieten auswertet und ins Englische übersetzt. »Die Organisation«, schrieb Der Spiegel einmal, »macht immer wieder darauf aufmerksam, dass die arabischsprachigen Botschaften via Fernsehen oft im krassen Gegensatz zu offiziellen politischen Statements stehen und von einem tiefen Hass gegen Israel zeugen«. 

Wie es während des Ramadans Brauch ist, unterhielt das offizielle PA-Fernsehen die Palästinenser während des muslimischen Fastenmonats mit Quizspielen. Die Teilnehmer, so PMW-Analystin Nan Jacques Zilberdik, »konnten Geldpreise gewinnen, wenn sie nur die Existenz Israels leugneten und eine richtige‹ falsche Antwort gaben«.

In dem PMW-Beitrag sind Screenshots mit englischen Untertiteln zu sehen, die zeigen, wie verschiedene TV-Moderatoren – eine Frau und ein Team von zwei Männern – auf der Straße in arabischer Sprache Bürgern Fragen zu geografischen Themen stellen. Laut PMW wurden diese Ratespiele zwischen dem 26. März und dem 2. April ausgestrahlt. Im Folgenden einige Beispiele:

Der »höchste Berg Palästinas«

Moderator: »Welcher ist der höchste Berg in Palästina, in Obergaliläa [Region in Nordisrael; Anm. Mena-Watch]?«

Mann: »Der Berg Meron [ein Berg in Israel diesseits der Waffenstillstandslinie von 1949; Anm. Mena-Watch].«

Moderator: »Gut gemacht.«

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Die »südlichste Stadt Palästinas«

Moderatorin: »Unsere Frage bezieht sich auf die Geografie Palästinas: Welche ist die südlichste Stadt in Palästina? Sollen wir Ihnen Antwortmöglichkeiten geben?«

Mann: »Ja, bitte.«

Moderatorin: »Be’er Sheva oder Ashkelon [beides israelische Städte diesseits der Waffenstillstandslinie von 1949; Anm. Mena-Watch]?«

Mann: »Be’er Sheva.«

Moderatorin: »Sind Sie sicher? Endgültige Antwort?«

Mann: »So Allah will.«

Moderatorin: »Gewiss, die richtige Antwort. Be’er Sheva ist die südlichste Stadt in Palästina. Sie haben einen Geldpreis von uns gewonnen, ein Geschenk der PLO-Abteilung für Flüchtlingsangelegenheiten.«

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»Der See Genezareth liegt in Palästina«

Moderatorin: »Ich bin sicher, Sie kennen den See Genezareth [im Norden Israels]. Er liegt in Palästina. Sie kennen ihn doch, oder?«

Frau: »Natürlich.«

Moderatorin: »Welche ist die maximale Länge des Sees Genezareth?«

Frau: »Die Länge seines Ufers, ich glaube, es sind 53 Kilometer, und seine Länge ist 21 Kilometer. Ist das falsch?«

Moderatorin: »Nein, nein, das ist richtig.«

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»Wie lang ist die Grenze Palästinas mit Jordanien?«

Moderatorin: »Wie lang ist die Grenze zwischen Palästina und Jordanien: 360 oder 460 Kilometer?«

Mann: »360 Kilometer.«

Moderatorin: »Richtige Antwort, 360 Kilometer ist die Länge der Grenzen zwischen Palästina und Jordanien. Sie haben einen Geldpreis von uns gewonnen, ein Geschenk der PLO-Abteilung für Flüchtlingsangelegenheiten.«

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PMW-Analystin Nan Jacques Zilberdik erklärt, die angegebene Grenzlänge von 360 Kilometern umfasse die Grenze von Galiläa im Norden und die des Negevs im Süden Israels sowie die des Jordantals im Westjordanland. Die vermeintlich richtigen Antworten seien mit jeweils 20 jordanischen Dinar (ca. 26 Euro) belohnt worden, so Zilberdik.

Als Air France Israel von der Landkarte löschte

Während in westlichen Medien immer wieder behauptet wird, »die Palästinenser« wollten einen palästinensischen Staat in der West Bank, dem Gazastreifen und Ostjerusalem – also auf jenem Gebiet, das Jordanien und Ägypten 1948 bei ihrem Angriffskrieg eroberten und bis 1967 besetzt hielten –, macht die Fatah/PLO, die seit 1994 die Palästinensische Autonomiebehörde stellt, bei allen Äußerungen, die nicht explizit an ein westliches Publikum gerichtet sind, stets klar, dass sie das gesamte Territorium des einstigen britischen Mandatsgebietes Palästina beansprucht: vom Jordan bis zum Mittelmeer

Die Landkarten in den Schulbüchern, mit denen palästinensische Kinder unterrichtet werden, zeigen stets eine Welt ohne Israel. Das ist auch die Landkarte, welche die Palästinensische Autonomiebehörde bei allen Anlässen verwendet.

Mahmoud al-Habbash, der religiöse Berater von Mahmoud Abbas, beanspruchte vergangenes Jahr in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung Israel Hayom auch die Jerusalemer Westmauer (Klagemauer) für die Muslime; Juden hätten dort keine Rechte.

Gelegentlich dringt die Vorstellung einer Welt ohne Israel bis in EU-Staaten vor:

  • Im August 2015 sorgte die Meldung für Aufsehen, die französische Fluggesellschaft Air France habe Israel von der Landkarte getilgt. Einem Passagier war aufgefallen, dass auf dem Monitor, der während des Flugs die aktuelle Position anzeigt, zwar »West Bank«, »Gaza Strip«, »Jordan« und »Lebanon« standen, nicht aber »Israel«. Er machte ein Foto und setzte es auf seine Facebookseite. Daraufhin entstand massiver öffentlicher Druck, der Air France innerhalb weniger Tage zur Korrektur seiner Karten zwang.
  • 2017 gab es im deutschen TV-Sender ZDF ein Ratespiel mit Fragen zur Erdkunde. In der Quizsendung »Mich täuscht keiner« wurde ein Kandidat gefragt: »Wie heißt der See in Palästina, auf dem man durch den hohen Salzgehalt in Rückenlage vor sich hintreiben kann?« Die vom ZDF vorgesehene Antwort lautete: Das Tote Meer.
    Dieses liegt allerdings zum Teil in Israel, zum Teil in Jordanien. Auf Nachfrage von Mena-Watch teilte die Redaktion damals mit, Ziel bei der Formulierung der Frage sei »allein die geografische Verortung des Gewässers« gewesen. Man bedaure, die »politischen Implikationen der Formulierung« nicht bedacht zu haben.

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