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Fatah: Hamas muss sich zwischen Muslimbrüdern und Palästina entscheiden

Der Sekretär des Fatah-Zentralkomitees Jibril Rajoub
Der Sekretär des Fatah-Zentralkomitees Jibril Rajoub (Quelle: MERMRI)

Die Fatah stellt die Bedingung an die Hamas, sich vom international agierenden Islamismus zu distanzieren, damit es zu einer Annäherung beider Fraktionen kommen könne.

Der Sekretär des Fatah-Zentralkomitees Jibril Rajoub sagte kürzlich in mehreren Interviews, die Hamas müsse sich entscheiden, ob sie ein Zweig der ägyptischen Muslimbruderschaft mit einer islamistischen Agenda sein möchte oder ein den Islam repräsentierender Teil der palästinensischen Nationalbewegung:

Im Gespräch mit dem saudi-arabischen TV-Sender Asharq TV sprach Rajoub zuerst über die USA, die sich im Klaren darüber sein müsse, dass ein stabiler und sicherer Naher Osten in ihrem eigenen nationalen Interesse liege. Solche Stabilität ließe sich aber nur durch eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts und die Errichtung eines palästinensischen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt erreichen.

Zugleich, so Rajoub in dem von MEMRI übersetzten Interview, müsse eine solche Konfliktbeilegung die Lösung des Problems der palästinensischen Flüchtlinge gemäß des »Rückkehrrechts« beinhalten, womit Rajoub de facto die Abschaffung Israels als jüdischer Staat forderte, bevor er auf die Hamas zu sprechen kam:

»Die Hamas hat nicht das Recht, den Palästinensern oder sonst jemandem ihre Agenda aufzuzwingen. Die Hamas hat nicht das Recht, den Gazastreifen für sich zu behalten. Sie hat einen Staatstreich in Gaza ausgeführt und ihn mit Militärgewalt an sich gerissen. Indem sie den Gazastreifen in ihrer Gewalt behält, zerstört die Hamas das [palästinensische] nationale Projekt.

Deshalb glaube ich, der nationale Flügel [innerhalb der Hamas] muss – angesichts der Niederlagen des politischen Islam in der gesamten Region – sich einer Selbstreflexion unterziehen und sich wie eine palästinensische Bewegung mit Verbindung zum Islam verhalten, deren Heimat in Jerusalem, Gaza und Dschabaliya liegt und nicht irgendwo sonst …

Ihre Ideologie muss patriotisch sein. Ich glaube, indem sie sich an ihrer Macht in Gaza festklammert, gibt die Hamas ein schlechtes Beispiel.«

Schließlich, so führte Rajoub aus, sei es die Fatah gewesen, die 2006 an der Macht war, Wahlen abgehalten, diese nicht gefälscht und auch deren Ergebnis akzeptiert habe. Es sei Mahmud Abbas gewesen, der den Hamas-Führer Ismail Haniyeh zum Premierminister ernannt habe, jenen Haniyeh, der dann den Staatsstreich durchgeführt und die Macht an sich gerissen hätte:

»Nichtsdestotrotz ist Einheit unsere einzige Möglichkeit. […] Unsere Brüder in der Hamas müssen entscheiden, ob sie Teil der Muslimbruderschaft in Palästina sein wollen oder Teil der Bewegung der nationalen Befreiung der Palästinenser, der eine Verbindung zum Islam hat. Letzteres wäre akzeptabel für uns [die Fatah].«

Die patriotischen Elemente in der Hamas, so Rajoub weiter, sollten die Oberhand gewinnen und sich die Frage stellen:

»Sind wir eine Befreiungsbewegung, die dafür kämpft, einen palästinensischen Staat zu errichten oder eine Befreiungsbewegung zur Verbreitung des Islam, die für was weiß ich was kämpft?«

Wenn diese Frage in ersterem Sinne beantwortet werde, könne sich auch die Grundlage für eine Partnerschaft zwischen Fatah und Hamas ergeben.

Vom Moderator auf die Gerüchte einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien sowie der Bildung einer »NATO des Nahen Ostens« angesprochen, führte Rajoub aus:

»Wie alle nationalen Kräfte Palästinas vertrauen auch wir der saudischen Position immer noch und glauben, dass die Saudis jede Normalisierung mit Israel und die Assimilation Israels in den Nahen Osten ablehnen, solange die palästinensische Frage nicht gelöst ist.

Wir haben Versprechen von einer Anzahl arabischer Parteien bekommen, die an dieser Konferenz teilnehmen sollen, dass nichts auf Kosten der Palästinenser geschehen wird und die Konferenz die Besatzung nicht durch die Bildung einer gemeinsamen Front – einer NATO oder MATO oder was auch immer – stärken wird.«

Er wisse nicht, wie »unsere beduinischen Brüder« beschlossen hätten, solch ein Bündnis zu nennen, aber er habe die Garantie, dass Saudi-Arabien keine Normalisierung mit Israel erlauben würde, bevor die Frage der Palästinenser nicht gelöst sei, so Rajoub abschließend.

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