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Fast 60 Prozent der Hilfsgüter für Gaza von Hamas gestohlen

Die Hamas verdient Unsummen an den Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung in Gaza
Die Hamas verdient Unsummen an den Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung in Gaza (Quelle: JNS)

Einem Bericht von vergangener Woche zufolge hat die Terrororganisation Hamas seit Beginn des Kriegs am 7. Oktober mindestens 500 Millionen Dollar mit humanitärer Hilfe verdient.

Joshua Marks

Fast drei Viertel der humanitären Hilfsgüter, die über eine neue, vom US-Militär vor der Küste des Gazastreifens errichteten, 320 Millionen Dollar teuren schwimmenden Anlegestelle transportiert wurden, wurden am Samstag auf dem Weg zu einem UN-Lagerhaus gestohlen. Dabei wurden »elf Lastwagen auf dem Weg zum Lager des Welternährungsprogramms in Deir El Balah im zentralen Gazastreifen von Palästinensern ausgeräumt«, während nur fünf ihr Ziel erreichten.

»Sie haben schon lange keine Lastwagen mehr gesehen«, sagte ein UN-Beamter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. »Sie sind einfach auf die Lastwagen geklettert und haben sich an den Lebensmittelpaketen bedient.« Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden am Sonntag und Montag keine Hilfsgüter vom Pier des US-Militärs in das Lagerhaus geliefert. Am Freitag, dem ersten Tag der Inbetriebnahme des Lagers, waren zehn von Auftragnehmern der Vereinten Nationen transportierte Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern von der Anlegestelle eingetroffen. »Wir müssen sicherstellen, dass die notwendigen Sicherheits- und Logistikvorkehrungen getroffen werden, bevor wir fortfahren«, sagte der UN-Beamte.

Nach israelischen Schätzungen hat die Hamas bis zu sechzig Prozent der in den Gazastreifen gelangenden Hilfsgüter gestohlen. Einem Bericht von Channel 12 von letzter Woche zufolge hat die Terrororganisation seit Beginn des Kriegs am 7. Oktober mindestens fünfhundert Millionen Dollar mit humanitärer Hilfe verdient.

Täglich bis zu 150 Transporter

Der nun errichtete amerikanische Pier wurde im israelischen Hafen von Aschdod vormontiert, bevor er am Donnerstag an einem Strand in der Küstenenklave verankert wurde. Nach Angaben des Zentralkommandos der Vereinigten Staaten (CENTCOM) gingen während der Installation keine amerikanischen Truppen an Land. Rund tausend US-Soldaten und -Matrosen halfen beim Bau des schwimmenden Piers.

Der Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) des israelischen Verteidigungsministeriums teilte am Samstag mit, dass »Hunderte von Paletten mit humanitären Hilfsgütern« und mehr als 160.000 Liter Treibstoff über den Pier in den Gazastreifen angekommen seien.

Der stellvertretende CENTCOM-Befehlshaber Brad Cooper erklärte, das Ziel bestehe darin, täglich fünfhundert Tonnen humanitärer Hilfe oder neunzig Lastwagen über den Pier in den Gazastreifen zu bringen, wobei die Zahl auf letztlich auf hundertfünfzig Lastwagen pro Tag erhöht werden solle. CENTCOM twitterte am Dienstag, dass bisher über 569 Tonnen humanitäre Hilfe über den Pier entladen worden seien.

USAID und das amerikanische Verteidigungsministerium leiten die Bemühungen gemeinsam mit Zypern, den Vereinten Nationen und internationalen Gebern, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Großbritannien, Rumänien und die Europäische Union, so das CENTCOM. Die Hilfsgüter werden von Zypern aus auf dem Seeweg transportiert, wo sie kontrolliert werden; anschließend nehmen die Vereinten Nationen die Waren im Gazastreifen in Empfang und koordinieren ihre Verteilung. Auch Israel trägt dazu bei, die Einreise der Hilfsgüter über den Pier zu erleichtern.

Wiederaufnahme des Handels

Reuters berichtete außerdem, dass sich »Lebensmittel und Medikamente für die Palästinenser im Gazastreifen in Ägypten stapeln, weil der Grenzübergang Rafah geschlossen bleibt«. Israel hat vor Wochen die Kontrolle über den Grenzübergang übernommen, aber Kairo weigert sich bisher, mit den israelischen Behörden zusammenzuarbeiten, um die Einfuhr von Hilfsgütern über Rafah zu erleichtern. Die israelische Regierung möchte Hilfsgüter über den Grenzübergang in den Gazastreifen einführen lassen, was ohne ägyptische Kooperation aber nicht möglich ist.

Der israelische Außenminister Israel Katz wies letzte Woche Ägypten die Verantwortung für die Abwendung einer humanitären Krise im Gazastreifen zu. Katz sagte, er habe mit seinen britischen und deutschen Amtskollegen »über die Notwendigkeit gesprochen, Ägypten zu überzeugen, den Rafah-Übergang wieder zu öffnen, um die weitere Lieferung internationaler humanitärer Hilfe nach Gaza zu ermöglichen«. Während die Welt Israel die Verantwortung für die humanitäre Situation im Gazastreifen zuschreibt, fügte er hinzu, »liegt der Schlüssel zur Verhinderung einer humanitären Krise im Gazastreifen nun in den Händen unserer ägyptischen Freunde«.

In der Zwischenzeit genehmigte die COGAT am Donnerstag die Wiederaufnahme des Handels zwischen Israel und dem Gazastreifen, wobei die Lkw-Lieferungen Freitag begannen, wie die israelische Nachrichtenagentur Walla! News berichtete. Dem Bericht zufolge fuhren hundertfünfzig Lastwagen mit Produkten aus Israel – keine Hilfsgüter, sondern »normale« Waren – in den Gazastreifen, die für die Zivilbevölkerung bestimmt sind.

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