Farhud: Der 77. Jahrestag des antijüdischen Pogroms im Irak

Farhud-Denkmal in Ramat Gan

„An Schawuot begingen die irakischen Juden den 77. Jahrestag des Farhud, jenes grausamen und blutigen Pogroms, der an Schawuot 1941 (1./2. Juni) im Irak stattfand. Bei den Ausschreitungen, die an die Pogromnacht am 9./10. November 1938 in Deutschland Bezug nahmen, wurden 179 Juden ermordet, hunderte wurden verletzt und große Mengen jüdischen Eigentums wurden geplündert. (…) Ähnliche Angriffe auf Juden gab es in den meisten arabischen Ländern. Die Juden, die Jahrtausende lang in diesen Ländern gelebt hatten, hatten ihren Gastgebern nicht den Krieg erklärt. Sie hatten sie nie bekämpft, so wie die Araber im palästinensischen Mandatsgebiet die Juden und dann den neugeschaffenen jüdischen Staat Israel bekämpften.

Die Welt hat allerhand über die ‚Nakba‘ gehört, die ‚Katstrophe‘ der palästinensischen Araber, über das Unrecht, das den Juden in den arabischen Ländern wiederfuhr, weiß sie dagegen fast gar nichts. Was im Irak und den restlichen arabischen Ländern stattfand, war letztlich eine ethnische Säuberung. Die Juden wurden gezwungen, ihr persönliches und kommunales Eigentum, ihre Schulen, Krankenhäuser, historischen Synagogen, Friedhöfe und die Gräber ihrer Propheten zurückzulassen. Die arabischen Regierungen beschlagnahmten sämtlichen jüdischen Besitz. Während die Nakba jedes Jahr mit Demonstrationen begangen wird und breite Aufmerksamkeit in den Medien erfährt, kümmert sich niemand um die jüdische Katastrophe. Und das, obwohl ihre menschlichen und materiellen Kosten höher waren als jene der Nakba. Insgesamt wurden ungefähr 856.000 Juden vertrieben, während rund 600.000 Araber das palästinensische Mandatsgebiet verließen. (…)

Die Angriffe auf die Juden in den arabischen Ländern ereigneten sich vor der Gründung des Staats Israel. Im Irak begann es mit der Diskriminierung der Juden in der Wirtschaft, im Bildungswesen und im öffentlichen Leben. Arabische Nationalisten initiierten dann Ausschreitungen gegen die Juden, die mit dem Farhud von 1941 ihren Höhepunkt erreichten. Ähnliche Gräuel trugen sich in Libyen, Aden und anderen arabischen Ländern zu. In Ägypten fand die massenhafte Vertreibung im Schutze der Nacht statt. Im Irak entwickelte sich aus der Kombination von fremdenfeindlichem sunnitischen Nationalismus und Antisemitismus ein intensiver Hass auf die Juden. (…) In diesem, in sämtlichen arabischen Ländern herrschenden, für Juden bedrohlichen Klima gab es sieben Jahre später hetzerische antijüdische Erklärungen im Radio, ja selbst in den Vereinten Nationen. Schikanen der Regierung und Angriffe der Bevölkerung zwangen die Juden der arabischen Welt zur massenhaften Auswanderung nach Israel. Allerdings gab es Muslime in der arabischen Welt, die die Angriffe auf die Juden nicht befürworteten, doch ihre Stimmen wurden nicht gehört.“ (Zvi Gabay: „The 77th anniversary of the Farhud“)

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