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Experten: Der Islamische Staat plant Angriffe in Europa

Selbstmordanaschlag in Bagdad
Selbstmordanaschlag in Bagdad (© Imago Images / Xinhua)

Nachdem sie in vielen Gebieten in Syrien und im Irak die Kontrolle verloren hat, reorganisiert sich die Terrormiliz Islamischer Staat, geht zu einer neuen Strategie über und bereitet sich darauf vor, Ziele in Europa anzugreifen.

Die Explosion im Zentrum von Bagdad am 21. Januar, die Dutzende Tote und Verletzte forderte, war ein schwerwiegender Hinweis darauf, dass der Islamische Staat (IS) trotz seiner Niederlage vor drei Jahren in der Lage ist, blutige Anschläge zu verüben.

Zurück in der Wüste

Der irakische Präsident Barham Salih war eindeutig, als er in einem virtuellen Interview mit der Brookings Institution letzten Monat sagte: „Es gibt Rückzugsräume dieser Terroristen im ganzen Nahen Osten, besonders in Syrien. Wir sehen bereits Anzeichen für das Wiederaufflammen von Aktivitäten des IS in den irakischen Wüsten in der Nähe von Mosul, in der Nähe von Anbar, aber auch in Kirkuk und anderen Regionen.“

Nach Angaben des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen befinden sich noch etwa 10.000 IS-Kämpfer auf beiden Seiten der irakisch-syrischen Grenze, darunter etwa 4.000 im Westen und Nordwesten des Irak, meist in schwer zugänglichen Wüstengebieten.

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Iyad Al-Dulaimi, ein Experte für terroristische Organisationen, schrieb kürzlich in der Zeitung Al-Araby, dass der IS die politischen Differenzen im Irak und die Krisen zwischen der irakischen Regierung und den Vereinigten Staaten ausnutzt, um ein Comeback zu feiern und sich zu reorganisieren. „Der letzte Angriff in Bagdad könnte der Beginn einer blutigen Welle sein, die durch viele Städte im Irak schwappt und den zerbrechlichen Frieden des Landes bedroht“, sagte er und fügte hinzu: „Dies könnte mit der Welle politischer Streitigkeiten zusammenhängen, die die bevorstehenden Wahlen begleiten, die für Juni geplant waren und auf Oktober verschoben wurden.“

Ahmed Ban, ein Experte für terroristische Organisationen, sagte gegenüber Mena-Watch, dass es dem IS nicht darum gehe, das Land zu kontrollieren, wie es 2014 der Fall war. „Die Miliz hat ihre Lektion gut gelernt und erkannt, dass die Kontrolle des Landes dieses Mal viel schwieriger sein wird als vor Jahren.“ Daher, so fuhr er fort, „werden sich die Operationen der Organisation darauf konzentrieren, die größtmögliche Anzahl von Opfern zu verursachen und auf eine Spaltung in der Struktur des ohnehin schon maroden politischen Prozesses hinzuarbeiten.“

Fadel Abu Ragheef, einer der wichtigsten irakischen Sicherheitsexperten, sagte zu Mena-Watch: „Der IS könnte in der Lage sein, einige begrenzte Operationen durch Selbstmordattentäter durchzuführen.“ Er erklärte weiter: „Die Miliz ist nicht mehr in der Lage, Invasionen durchzuführen oder Territorium zu erobern und zu halten, diesebzüglich ist sie gelähmt und eingeschränkt.“

Neue Strategie

Während Einigkeit darüber besteht, dass der Islamische Staat kein Territorium im Irak oder in Syrien mehr kontrollieren kann, sagte Ahmed Ban, dass „die Miliz eine neue Strategie verfolgt. Sie befindet sich in der Phase, die einer ihrer Hauptgründer in einem Buch als Stratgie der kurzen, schnellen Angriffe zur Erschöpfung des Gegners bezeichnet hat“. Ban fügte hinzu: „In dieser Phase gibt der IS die Kontrolle über Territorien auf und plant, blutige Operationen durchzuführen, sei es im Nahen Osten oder in Europa.“

Der Islamische Staat ist seit den ersten Monaten des Jahres 2020 gemäß dieser Strategie aktiv und hat in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres mindestens 900 Anschläge im Irak verübt.

Jürgen Styriak warnt eindringlich: „Sollte die Terrormiliz tatsächlich weiter erstarken, dann würde es ihr auch wieder leichter fallen, Anhänger zu rekrutieren.“ In seinem Bericht für die ARD fügt er hinzu: „Der Kampf gegen den IS ist längst noch nicht zu Ende. Im Irak können die Antiterror-Einheiten zwar Erfolge im Kampf gegen die IS-Dschihadisten vorweisen, aber sie brauchen die Unterstützung der internationalen Militärkoalition unter Führung der USA.“

Europa in Gefahr

Ahmed Ban und Abu Ragheef stimmten darin überein, dass der IS in den kommenden Monaten versuchen wird, einige blutige Anschläge in Europa vorzubereiten, darunter auch einige neue Arten terroristischer Aktionen.

Ban erklärt: „Der IS versucht, große und blutige Angriffe in Europa durch einsame Wölfe oder durch kleine Zellen auszuführen, und es könnte noch schlimmer werden, wenn es der Organisation gelingt, neue Anhänger auf dem europäischen Kontinent zu rekrutieren und dabei die aktuelle Corona-Krise auszunutzen. So wie der IS als erster den Einsatz von Autos und Messern zum Töten im großen Stil eingeführt hat, wird er in den kommenden Monaten voraussichtlich neue Methoden entwickeln, um europäische Hauptstädte anzugreifen.“

Ban warnt, dass „der IS seine bekannten Methoden ändern und etwa die Corona-Impf-Infrastruktur angreifen oder auf die Vergiftung von Trinkwasser zurückgreifen“ könnte. Außerdem, sagt der ägyptische Experte, der IS „arbeitet derzeit daran, seine Netzwerke in Europa wiederherzustellen und neue Anhänger zu rekrutieren, was die Gefahr für den Kontinent noch vergrößert.“

Auch Abu Ragheef rechnet damit, dass der IS in den kommenden Monaten Anschläge in Europa verüben wird und warnt gleichzeitig, dass die Organisation „nicht überwachte Zellen“ in Osteuropa und Frankreich habe, die in der Lage seien, mehrere Länder auf dem Kontinent anzugreifen.

In den vergangenen zwei Jahren hat der IS in mehreren europäischen Städten Frankreichs, Deutschlands und anderswo Anschläge verübt, darunter den blutigen Anschlag in Wien im vergangenen November, bei dem vier Menschen getötet wurden.

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