Latest News

Ex-Geisel berichtet von grausamen Folterungen in Gaza

Die ehemalige Hamas-Geisel Keith Siegel bei seiner Rückkehr nach Israel
Die ehemalige Hamas-Geisel Keith Siegel bei seiner Rückkehr nach Israel (Quelle: JNS)

Trotz der physischen Folter, der er ausgesetzt war, sei die psychische Gewalt noch schlimmer gewesen, erzählte die ehemalige Hamas-Geisel Keith Siegel.

Sechseinhalb Monate nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft im Gazastreifen gab Keith Siegel dem Reporter Niv Raskin des israelischen TV-Senders Channel 12 ein Interview. Darin gab der amerikanisch-israelische Staatsbürger, der am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbuz Kfar Aza entführt und 484 Tage lang im Gazastreifen festgehalten wurde, weitere Details über die Haftbedingungen der Gefangenen bekannt.

Seit seiner Rückkehr falle es ihm schwer, »das Wort ›herausfordernd‹ zu verwenden, weil meine Gedanken zu den fünfzig Menschen dort und ihren Familien wandern. Ich habe persönlich die emotionale Achterbahnfahrt von Verhandlungen miterlebt, die angeblich kurz vor dem Abschluss standen – nur um dann zu erfahren, dass dieser nie zustande gekommen ist. Die Geiseln, die noch dort sind, müssen dies immer wieder durchleben, als ob das, was sie erleiden – Gewalt, Misshandlung, Hunger unter den denkbar schlimmsten Bedingungen – nicht schon genug wäre.«

Er habe mit eigenen Augen gesehen, wie Menschen gefoltert wurden, erzählte Siegel. »Ich habe beobachtet, wie eine weibliche Geisel geschlagen wurde, während man ihr eine scharfe Stange in die Stirn rammte. Man brachte mich in den Raum und befahl mir, ihr zu sagen, sie solle Taten gestehen, die sie nie begangen hatte. Auch ich selbst habe schwere Gewalt erlitten.«

Trotz all dem habe sich etwas ganz anderes als der schwierigste Aspekt der Gefangenschaft herausgestellt: »Meine größte Schwierigkeit bestand darin, zu erkennen, dass meine Familie weit mehr litt als ich, da sie keine Möglichkeit hatte, zu erfahren, wie es mir ging. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ihre Qualen meine übertrafen. Die Trennung von der Familie, die Ungewissheit über ihren Zustand und das Bewusstsein, dass sie nichts über meine Lage wussten – das allein ist schon eine Qual. Sie, die fünfzig Geiseln und ihre Familien, erleben dieses Leid und diesen Schrecken weiterhin.«

Kampf der Familien

Die ehemalige Geisel verwies auf den Kampf der Familien, dem sich seine Frau Aviva nach ihrer Rückkehr aus der Gefangenschaft im November 2023 angeschlossen hatte. »Es ist bemerkenswert, wie entschlossen die Familien sind, wie sie um die Welt reisen und von morgens bis abends daran arbeiten, ihre Angehörigen wiederzufinden, zusammen mit Menschen, die sich ihrer Sache angeschlossen haben. Meine Familie hat mir während meiner Gefangenschaft enorme Kraft gegeben, sodass ich mich verpflichtet fühlte, zu überleben, um zu ihnen zurückzukehren.«

Heute, nachdem er sechs Monate zu Hause verbracht hat und sich einer intensiven Rehabilitation unterzieht, denkt er immer wieder an die Menschen, die er im Gazastreifen kennengelernt hat und die noch immer dort sind:

»Meine Gedanken sind bei Matan [Angrest], mit dem wir über zwei Monate lang in einer Zelle ohne Licht und Fenster eingesperrt waren. Wir flehten um Zugang zu einer Toilette und schlugen gegen die Tür in der Hoffnung, dass sie sich öffnen würde. Ich habe viel Zeit mit Omri [Miran] verbracht; er sprach oft über seine Familie und seine überwältigende Sehnsucht. Ich denke an Gali und Ziv [Berman] aus meinem Kibbuz, Menschen, die ich seit meiner Geburt kenne. Nach all dieser Zeit fallen sie alle unter die humanitäre Klassifizierung [für eine Freilassung].«

Um mit seinen quälenden Gedanken umzugehen, beteiligt er sich weiterhin aktiv an der Kampagne für die Rückkehr der Geiseln. »Ich tue Dinge, die ich mir früher nie getraut hätte, wie vor Hunderten und Tausenden von Menschen zu sprechen. Früher hätte mich allein der Gedanke an eine solche Situation mit Angst erfüllt; heute weiß ich, dass ich eine Stimme habe, die ich nutzen kann, und ich bin dankbar, dass ich auf eigenen Beinen stehen und Dinge tun kann, in der Hoffnung, dass sie helfen.«

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!