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Europas verdrängte Schwachstelle im Kampf gegen den Terror

Die Reaktionen auf den Terror sind stets ähnlich, aber Folgen haben sie selten. (© imago images/Hans Lucas)
Die Reaktionen auf den Terror sind stets ähnlich, aber Folgen haben sie selten. (© imago images/Hans Lucas)

Wer jeden Konflikt scheut, wird zwangsläufig immer wieder Opfer der Aggression und des Terrors

Welche Folgen, und zwar gemessen in Taten, in Politik, in Veränderung der Wirklichkeit – und nicht in wohlfeilem Wortgeklingel –, wird die Enthauptung eines französischen Lehrers durch einen Islamisten in Paris haben? Welche Konsequenzen wird Frankreich, wird Europa aus dem religiös motivierten Mord ziehen?

Genau keine, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Stattdessen die üblichen routinierten Betroffenheitsrituale. „Wir sind in erster Linie Bürger, die durch die gleichen Werte, eine Geschichte, ein Schicksal vereint sind. Diese Einheit ist unabdingbar“, erklärte der französische Präsident Emanuel Macron, „Sie können auf meine Entschlossenheit zählen“.

Macrons Entschlossenheit – man kann das durchaus als gefährliche Drohung verstehen angesichts der völlig offenkundigen Unfähigkeit der französischen Regierung, das vermeintlich Selbstverständliche zu gewährleisten: dass nämlich jedermann jede Religion kritisieren, ja gar verunglimpfen kann, wie er oder sie es für richtig hält, ohne vergegenwärtigen zu müssen, auf offener Straße abgeschlachtet zu werden.

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Jetzt sind halt wieder alle (Füllen Sie bitte den Namen des jeweiligen Opfers ein), wird in den sozialen Medien Betroffenheit vorgeführt und ein paar tausend demonstrierten sogar auf der Straße – in Summe nichts anderes als eine erschreckende Offenbarung der Impotenz einer Gesellschaft gegenüber dem Hass, der Verachtung für die westlichen Werte und dem religiös fundierten Dominanzstreben.

Soweit sozusagen Business as usual, wird bei der nächsten öffentlichen Enthauptung eines Ungläubigen nicht anderes sein. Es ist wie im legendären Film Casablanca: „Verhaften sie die üblichen Verdächtigen“, und dann geht alles weiter wie bisher.

Erstaunlich selten wird freilich öffentlich erörtert, woher diese Duldungsstarre gegenüber dem, das nicht geduldet werden darf, in weiten Teilen Europas eigentlich kommt. Wie kann es sein, dass seit nunmehr Jahren gemessert, geschlachtet und enthauptet wird, ohne dass sich die davon betroffenen Gesellschaften dagegen robust zur Wehr setzen?

Eher unabsichtlich dürften uns die französischen Behörden einen kleinen Blick auf einen kleinen Teil des Problems gewährt haben, indem sie nach der Enthauptung ankündigten, etwa 240 längst zur Abschiebung anstehende islamistische Gefährder nun wirklich abschieben zu wollen. Was, bitte, ist da los, wenn erst ein Lehrer enthauptet werden muss, damit passiert, was von Gesetz wegen schon längst hätte passieren müssen? Und warum geht das jetzt plötzlich?

Eine wichtige Erklärung dieser Nonchalance dürften letztlich in einer äußerst geringen Konfliktbereitschaft liegen, wie sie für (demographisch) alte, von Jahrzehnten des Wohlstandes verwöhnte und letztlich etwas infantil gewordene Gesellschaften charakteristisch ist, die auf die kleinste Entbehrung, die noch so geringfügigste Zumutung allergisch reagieren, selbst wenn sie für das Gemeinwohl wichtig sein sollten. (Das macht jetzt übrigens auch den Kampf gegen Corona so schwer, aber das ist eine andere Baustelle).

Es ist dies eine Konfliktscheu, die zur Schmerzvermeidung im Zweifel stets auf die Politik des Appeasements setzt; gleich ob äußeren oder inneren Feinden gegenüber, und die den Kompromiss schon gefunden hat, bevor klar ist, was überhaupt der Konflikt ist.

Das dürfte auch einer der Gründe dafür sein, warum islamische Terroristen so oft als „geistig gestört“, „Einzeltäter“, ja gar „Opfer sozialer Missstände“ beschrieben werden: weil uns das natürlich von der Pflicht zu entbinden scheint, in eine unangenehme Auseinandersetzung zu ziehen, die unsere Gesellschaften scheut – selbst um den Preis der Selbstaufgabe.

Man mag diese Haltung sympathisch finden ob ihrer pazifistischen Grundhaltung und ihrer immanenten Unlust an der Gewaltanwendung. Gegenüber einem Gegner, der vermeint, seinem Glauben mit Blutbädern Respekt verschaffen zu müssen, wird sie allerdings scheitern, das lehrt uns die Geschichte mehr als deutlich.

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