„Ich kann mich an eine Szene erinnern. Als ich in Haft war, lief der Fernseher. Ein Journalist, der für eine deutsche Agentur arbeitet, hat Davutoglu gefragt, ob es in der Türkei inhaftierte Journalisten gäbe. Seine Antwort war: ‚Keine.‘ Bundeskanzlerin Merkel war dabei. Und ich habe das, als inhaftierter Journalist, in der Zelle gesehen. Es war schon witzig, wie Merkel ihm zugenickt hat.
Europa verzichtet auf seine historischen Werte, um seine alltäglichen Interessen durchzusetzen. Europa denkt, wenn wir Geld geben und dafür sorgen, dass Flüchtlingslager in der Türkei errichtet werden, werden wir den Flüchtlingsdruck los. Dann kann Erdogan in der Türkei tun, was er will. Aber Europa muss das sehen: Nach einer Weile wird eine politische Flüchtlingswelle von der Türkei aus beginnen und Europa wird auch das noch bewältigen müssen. Mit solch einer Methode kann man keine Probleme lösen, weder die in der Türkei noch die des Flüchtlingsandrangs.“ (Der türkische Journalist Can Dündar im Interview mit der Deutschen Welle: „Erdogan macht mich nicht mundtot“)