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Erziehung zum Hass (Teil 2): Israel wird zugleich geleugnet und dämonisiert 

Israel wird in palästinensischen Schulbüchern haargenau so dargestellt, wie auf dem Plakat dieses Demonstranten in Gaza: es existiert nicht. (© imago images/ZUMA Wire)
Israel wird in palästinensischen Schulbüchern haargenau so dargestellt, wie auf dem Plakat dieses Demonstranten in Gaza: es existiert nicht. (© imago images/ZUMA Wire)

In palästinensischen Schulbüchern wird Israels Existenz geleugnet und das Land samt allen jüdischen Städten buchstäblich von der Landkarte gelöscht. Ist dies ein elementarer Bestandteil des palästinensischen Selbstverständnisses?

Friedliche Koexistenz und gegenseitige Anerkennung – einschließlich des Existenzrechts Israels – sind die Säulen des Oslo-Prozesses, der bis heute die Grundlage der europäischen Nahostpolitik bildet. Mit den beiden Oslo-Verträgen (1993 und 1995) wurde mit der Palästinensischen Autonomiebehörde zum historisch ersten Mal eine palästinensische Selbstverwaltung eingerichtet, unter deren Herrschaft seitdem der bei Weitem überwiegende Teil der Palästinenser im Westjordanland lebt. Zu ihren quasi-hoheitlichen Zuständigkeitsbereichen zählt auch der Schul- und Bildungssektor.

Daher entwickelte die PA auch eigene Lehrpläne, im September 2000 wurden die ersten palästinensischen Schulbücher eingeführt. Zuvor waren die Schüler im Westjordanland und in Ostjerusalem nach dem jordanischen Lehrplan unterrichtet worden, während die Schüler im Gazastreifen ägyptische Lehrbücher verwendet hatten. Bei einem Schuleintrittsalter von sechs Jahren bedeutet das: Wer jünger als 28 Jahre ist und im Westjordanland oder in Gaza lebt, wurde nach den Lehrplänen und mit den Schulbüchern der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) unterrichtet. 

Das Westjordanland ist jung, das Medianalter (höchstens 50 Prozent sind jünger und höchstens 50 Prozent älter) beträgt rd. 22 Jahre. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung bezieht bzw. bezog daher ihr Schulwissen über Israel aus palästinensischen Schulbüchern. Für die »Anerkennung des Existenzrechts Israels« – die ja nicht bloß formal deklariert, sondern auch gesellschaftlich verankert sein muss, ist das Bild, das darin über Israel vermittelt wird, von entscheidender Bedeutung. 

Wenn man beurteilen will, ob die PA das Ziel einer »friedlichen Koexistenz und gegenseitigen Anerkennung« überhaupt jemals anstrebte bzw. heute verfolgt, muss man sich also der Frage widmen: Was steht in palästinensischen Schulbüchern über Israel?

Palästinensische Schulbücher: Israel existiert gar nicht 

Wir haben insgesamt 128 Schulbücher untersucht, die zwischen 2018 und 2020 von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) herausgebracht wurden. Darüber hinaus haben wir neban anderen die Studien des israelischen »Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education« (IMPACT-se) analysiert, das palästinensische Schulbücher seit Jahren untersucht.   

Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet: Israel existiert in den palästinensischen Schulbüchern nicht. Der Name des Landes findet so gut wie nie Erwähnung. In den uns vorliegenden Büchern kommt der Begriff Israel überhaupt nicht vor. In anderen Büchern, die IMPACT-se analysiert hat, wird in einigen wenigen Fällen »Israel« in Anführungszeichen geschrieben. Auf keiner einzigen der vielen Dutzend Landkarten ist der Staat zu finden, auf keiner einzigen Karte sind jüdische Orte eingezeichnet. 

Erziehung zum Hass (Teil 2): Israel wird zugleich geleugnet und dämonisiert 
»Meine Heimat Palästina« aus: Nationale und soziale Erziehung, 4. Klasse, Teil 1, 2020, S. 2.

Stattdessen ist von »zionistischen Besatzungsmächten« oder der »zionistischen Besatzung« die Rede. In Karten ist das Land entweder nicht mit dem Ländernamen beschriftet, oder es steht »Palästina«. Was einem palästinensischen Leitmotiv entspricht: »From the River to the Sea, Palestine will be free.« Dieses »Palästina« reicht vom Jordan-Fluss bis zum Mittelmeer, Israel hat darin keinen Platz. Folgerichtig prangt dieses Palästina ohne Israel bis heute auf dem offiziellen Logo der PLO (Palestine Liberation Organization), wie man zum Beispiel auf der Website der »Vertretung des Staates Palästina in Österreich« sehen kann. 

Wie schamlos die Existenz Israel ignoriert wird, zeigt dieses Beispiel, es ist nur eines von vielen:  Auf einer Karte mit dem Titel »Karte von Palästina« sind die Grenzen des angeblichen »heutigen Palästina« dargestellt. In der Aufgabe sollen die Kinder diese »aktuellen« Grenzen bestimmen. 

Erziehung zum Hass (Teil 2): Israel wird zugleich geleugnet und dämonisiert 
»Karte von Palästina«, Sozialkunde 2020, Teil 1, 6. Klasse, Seite 54 f.

Aktivität (5): Beobachten, lesen und folgern:

A – Wir bestimmen die Grenzen Palästinas aus allen vier Richtungen.
B – Wir benennen den arabischen Nachbarstaat Palästinas, der nicht aus der Levante stammt [Bilad Al- Sham].

Wir haben gelernt:
Palästina: ist das geographische Gebiet, das sich vom Mittelmeer im Westen bis zum Jordan im Osten und vom Libanon und Syrien im Norden bis zum Golf von Akaba und Ägypten im Süden erstreckt, mit einer Fläche von etwa 27.000 km2 …

Es wird schlimmer

Man könnte meinen, die Darstellung Israels hätte sich seit Beginn des Oslo-Prozesses oder seit dem ersten Lehrplan verbessert. Das Gegenteil ist der Fall. Wie schon mit der Darstellung von Juden und jüdischer Geschichte fördern neue Auflagen von Schulbüchern die Radikalisierung der Schüler auch mit der Darstellung Israels. War zuvor Israel wenigstens in einigen früheren Karten zu finden, wird der Staat in den neueren Auflagen buchstäblich ausgelöscht. Die jüngste IMPACT-se-Analyse des neuen palästinensischen Lehrplans hält fest, dass die neuen Lehrbücher radikaler sind als die zuvor veröffentlichten: 

»Die jüdische Existenz im heutigen Israel wird als Akt rassistischer Aggression gegen die palästinensische und arabische Bevölkerung der Region bezeichnet. Juden werden als kolonialistische Besatzer bezeichnet.«

Die Hinweise auf den Wunsch nach einem palästinensischen nationalen Heimatland im heutigen Israel häufen sich, gewaltsamer Widerstand gegen die »zionistische Besatzung« wird legitimiert. Dass der neue Lehrplan die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge jenseits der Demarkationslinien von 1949 und die Errichtung der palästinensischen Souveränität in Israel betont, gibt den Schülern zu verstehen, dass der »Befreiungskampf« nicht im Westjordanland und im Gazastreifen endet. 

Das palästinensische Selbstverständnis

Das alles ist kein Geheimnis. Die Berichte von IMPACT-se und des Centers for Near East Policy Research sind öffentlich zugänglich, die Schulbücher kann man kaufen. Man kann nicht leugnen, dass der Lehrplan der Palästinensischen Autonomiebehörde konsequent ultranationalistische Karten verwendet, die ein imaginäres »Großpalästina« darstellen und in denen Israel ausradiert wird. 

Was man nicht leugnen kann, kann man freilich immer noch umdeuten. So wie das Georg-Eckert-Institut (GEI) vom Leibniz Institut für Bildungsmedien, das von der EU mit einem Schulbuch-Bericht beauftragt wurde. Nachdem es sich in einem Zwischenbericht mit der falschen Bücherauswahl lächerlich gemacht hatte, stellt es im abschließenden Report gar nicht erst in Abrede, dass der Lehrplan der PA »irredentistisch« ist und die »Existenz des Staates Israel negiert«. Stattdessen macht es die Hetze zur Tugend

»Angesichts der Erfahrungen, die die Palästinenser im Laufe der Jahre gemacht haben, als Flüchtlinge und abgesonderte Gruppen unter verschiedenen Souveränitäten im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ostjerusalem, ist die Karte des historischen Palästinas, wie sie während des britischen Mandats anerkannt worden war, eines der wichtigsten Symbole der palästinensischen Nation geworden, das sich aus seinem kulturellen Selbstverständnis ableitet.« 

Abgesehen von der historischen Halbwahrheit – das Mandatsgebiet Palästina war zu keiner Zeit rein arabisch, sondern immer auch jüdisch, und die Idee von einem palästinensischen Volk noch gar nicht geboren – mag das GEI damit sogar unfreiwillig Recht haben: Die Auslöschung Israels als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes mag inzwischen tatsächlich Teil des palästinensischen kulturellen Selbstverständnisses sein. 

Um dies mit dem zentralen Ziel des GEI-Reports in Einklang zu bringen, die Übereinstimmung des Lehrplans der PA mit den UNESCO-Standards für Frieden, Toleranz und Gewaltlosigkeit zu bekräftigen, bedarf es allerdings einiger absurder Verrenkungen und Umdeutungen. 

So konzediert die GEI-Studie zwar, dass in den Lehrplänen der PA der Staat Israel im Allgemeinen durch »zionistische Besatzung« oder einfach »Besatzung« ersetzt wird. Allerdings fantasieren die Autoren eine Unterscheidung zwischen Israel als Nation und Israel als Besatzungsmacht herbei, für die es keinerlei Grundlage gibt: In den palästinensischen Lehrbüchern gibt es so etwas wie ein Israel, das kein Gebiet besetzt, überhaupt nicht.

Ein Fazit

In palästinensischen Schulbüchern wird Israels Existenz systematisch geleugnet. Gleichzeitig wird das Land als »zionistische Besatzungsmacht« dämonisiert. Die verwendeten Karten erheben territorialen Anspruch auf ganz Israel – ein Gebiet, das zu keinem Zeitpunkt der Geschichte von palästinensischen Arabern kontrolliert wurde – und ignorieren sämtliche von Juden gegründeten Städte wie Tel Aviv.  

Fast drei Jahrzehnte nach Beginn des Oslo-Prozesses lehrt die PA ihren Schülerinnen und Schülern immer noch, dass Israel gar nicht existiert, stellt jegliche historische, kulturelle und physische Beziehung der Juden im Gebiet zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer in Abrede und verklärt Terrorismus zum legitimen Widerstand gegen die »zionistische Besatzung«. 

Mehr als die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung ist von den Altvorderen in diesem Geist erzogen worden. Wie man auf einer solchen Basis zu »friedlicher Koexistenz und gegenseitiger Anerkennung« finden will, bleibt das Geheimnis der palästinensischen Führung und ihrer Fürsprecher. 

Der nächste Teil unserer Serie behandelt die Streichung des Friedensprozesses in den neuen Auflagen der Schulbücher. Früher wurde darüber noch informiert. 

Bisher erschienen:

Prolog: Erziehung zum Hass: Eine Mena-Watch-Analyse palästinensischer Schulbücher
Teil 1: Erziehung zum Hass: Die Darstellung von Juden und jüdischer Geschichte

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