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Erster Besuch eines israelischen Premiers in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Israels Premier Bennett wird von VAE-Außenminister Abdullah bin Zayid Al Nahyan und einer Ehrengarde in Abu Dhabi empfangen
Israels Premier Bennett wird von VAE-Außenminister Al Nahyan und einer Ehrengarde in Abu Dhabi empfangen (© Imago Images / ZUMA Wire)

Der Empfang von Naftali Bennett in Abu Dhabi sendet starke Bilder an den Iran, dessen Atomprogramm sowohl Israel als auch die Emirate beunruhigen.

David Isaac

Der israelische Premierminister Naftali Bennett traf am Montag Kronprinz Scheich Mohammed bin Zayed in dessen Privatpalast in Abu Dhabi. Dies war der erste offizielle Besuch eines israelischen Premierministers in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Die wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern standen auf der offiziellen Tagesordnung, obwohl Analysten gegenüber JNS erklärten, dass hinter den Kulissen wahrscheinlich das Schlüsselthema Iran im Vordergrund stand.

Wirtschaft, Handel, …

Die Außenwirkung hätte für Bennett nicht besser sein können: Bei seiner Ankunft am Sonntag wurde er von einer Ehrengarde und dem Außenminister der VAE, Abdullah bin Zayed Al Nahyan, willkommen geheißen. Israelische und emiratische Flaggen standen in langen Reihen auf beiden Seiten. Bennett selbst nannte es einen großartigen Empfang.

In Bezug auf das Abraham-Abkommen – das Normalisierungsabkommen, das zwischen Israel und mehreren muslimischen Ländern, darunter auch den VAE, unterzeichnet wurde – sagte Bennett gegenüber der Emirates News Agency (WAM), dass damit eine „neue, tiefgreifende und solide Struktur für diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen“ geschaffen worden sei.

Im Mittelpunkt von Bennetts Treffen am Montag standen die Themen Wirtschaft und Handel. Dabei traf Israels Premier den emiratischen Minister für Industrie und Spitzentechnologie, den Verkehrsminister sowie den Geschäftsführer und CEO der Mubadala Investment Company. Über die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder sagte Bennett gegenüber WAM:

„Das Volumen des beiderseitigen Handels ist innerhalb weniger Monate rasant gewachsen und bietet geradezu unbegrenzte Möglichkeiten, was die weitere Entwicklung angeht.

Israel und die VAE sind regionale Handelszentren, sodass unsere Zusammenarbeit nicht nur uns, sondern auch anderen Ländern beispiellose wirtschaftliche Möglichkeiten bietet. Dies stellt ein weiteres Element zur Förderung von Stabilität und Wohlstand in der Region dar.«

… und der Iran

Während die wirtschaftlichen Aspekte für beide Länder von entscheidender Bedeutung für die Treffen waren, wurde das Thema Iran öffentlich nicht angesprochen, wie Analysten hervorheben. Yoel Guzansky, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS), erklärte jedoch gegenüber JNS:

„Der Zeitpunkt des Besuchs ist wegen der laufenden Wiener Verhandlungen mit dem Iran interessant. Insofern denke ich, dass dies zumindest im Hintergrund Gespräche, die in Abu Dhabi geführt wurden, eines der Hauptthemen war. Der Wirtschaft geht es gut. Andere Themen jedoch müssen angegangen werden, und ich denke, der Iran ist dabei das Thema Nr. 1.“

Starkes Signal

Eyal Zisser, Vizerektor der Universität Tel Aviv und Professor für Nahoststudien, erklärte gegenüber JNS, dass Israel und die VAE sehr wohl über die Absicht Amerikas, sich aus der Region zurückzuziehen, und über die iranische Bedrohung gesprochen hätten.

„Es ist klar, dass die Emirate nicht stark genug sind, um an der Seite Israels gegen den Iran zu kämpfen. Ich bezweifle daher sehr, dass über gemeinsame [Angriffs-]Pläne gesprochen wurde. Es ging in erster Linie um die Ausübung diplomatischen Drucks, den Austausch von Informationen und die Koordinierung der Bemühungen – und nicht um mehr.“

Guzansky sagte, die VAE seien der Ansicht, dass sie aufgrund ihrer geografischen Nähe zur Islamischen Republik von einer Verschärfung der Lage im Iran betroffen wären, und merkte an, dass „Israel ihnen bei ihrer Sicherheit in vielerlei Hinsicht helfen kann.“

Beide Analysten sind sich einig, dass die VAE – nach Guzanskys Worten – „einen sehr komplizierten Tanz zu tanzen haben“, da sie ein Gleichgewicht zwischen den gegensätzlichen Kräften herstellen müssen.

Die Fotos von Bennetts Empfang, die jetzt aus Abu Dhabi kommen, senden „ein starkes Signal, eine starke Botschaft“, sagte Guzansky. Gleichzeitig seien die VAE bestrebt, den Iran nicht zu verärgern. „Wir sagen nicht, dass wir nur mit Israel verbunden sind. Wir versuchen, sowohl mit Israel als auch mit dem Iran in Verbindung zu stehen“, fasste er die emiratische Position zusammen.

Zisser fügte hinzu:

„Die Emirate verstehen, dass die Vereinigten Staaten ihre Präsenz [in der Region] aufgeben oder zumindest verringern, weswegen sie die die Botschaft an Teheran vermitteln wollen: ‚Wir sind keine Feinde des Iran; wir wollen auch gute Beziehungen zum Iran.‘

Es stellt sich die Frage, wie erfolgreich sie das Gleichgewicht zwischen dem Wunsch, die Beziehungen zu Israel zu fördern, und dem Wunsch, normale Beziehungen zum Iran zu haben, aufrechterhalten können.“

Ein schmaler Grat

Guzansky sagte gegenüber JNS, er glaube, dass ein neues Iran-Abkommen zustande kommen werde und beschrieb den Ansatz der VAE diesem Szenario gegenüber als „nicht kugelsicher“:

„Die VAE versuchen, den Iran zu besänftigen und die Wogen am Golf zu glätten; nicht aus Liebe zum Iran, sondern aus Angst – aus der richtigen Annahme, wie ich meine, dass der Iran nach der Unterzeichnung eines Abkommens stärker werden wird.

Sie werden einen Preis für ihren Ansatz zahlen. Sie werden nach dem Treffen mit Israels Premier Kritik von der Türkei, Katar und den Palästinensern sowie vom Iran zu hören bekommen.“

Guzansky fügte hinzu, dass die Emirate ihre Politik der Zusammenarbeit mit allen Seiten aber fortsetzen werden, „weil sie das Gefühl haben, dass sie keine andere Wahl haben und dem Iran nicht ausweichen können.“

Zisser merkte an, dass die VAE sich zwar auf einem schmalen Grat bewegen, dies aber nicht bedeute, dass ihr Abkommen mit Israel nicht aufrichtig sei. Im Gegensatz zu den Friedensverträgen mit Ägypten und Jordanien sei die Situation mit den Emiraten anders, sagte er.

„Es ist ein echter Frieden, ein warmer Frieden. Es ist ein Frieden von Mensch zu Mensch; ein Friede, der so nicht existiert, wenn wir über Ägypten und Jordanien sprechen.“

(Der ArtikelBennett’s visit to UAE sends ‘strong signal’ amid faltering talks over Iran’s nuclear program“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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