Erdoğans wichtigster Gegner vor Gericht

Selahattin Demirtas. Quelle: Mahmut Bozarslan

„Selahattin Demirtaş wurde nachts am 4. November 2016 von der türkischen Polizei aus dem Schlaf gerissen. Seitdem befindet sich der 44-Jährige in Untersuchungshaft. Mehr als ein Jahr nach seiner Inhaftierung hat die türkische Staatsanwaltschaft eine 600-seitige Anklageschrift zum Prozessbeginn vorgelegt. Nun weiß Demirtaş, dass er das Gefängnis in den nächsten 142 Jahren nicht verlassen soll. Zumindest, wenn es nach dem Staatsanwalt geht. Demirtaş werden unter anderem die Gründung und Führung einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen.

Seit dem Putschversuch durch Teile des Militärs im vergangenen Jahr hat es in der Türkei Hunderte, vielleicht Tausende Prozesse gegeben. Doch für die türkische Regierung, aber auch die Opposition, ist derzeit kein anderes Verfahren so kritisch wie der Prozess gegen Demirtaş. Der 44-Jährige ist kein ehemaliger Soldat oder General, der sich dem Vorwurf stellen muss, ein Putschist zu sein. Er ist auch kein Journalist, der kritisch über den türkischen Präsidenten berichtet hat. Sondern Co-Vorsitzender der prokurdischen HDP und der Mann, der so nah wie kein anderer Politiker dran war, Erdoğans Machtausbau zu verhindern. (…)

Demirtaş‘ Erfolg gründete vor allem auf einer Eigenschaft, die unter türkischen Politikern schwer zu finden ist: Charisma. Wo Erdoğan poltert, redet Demirtaş mit feiner und fast schon zu leiser Stimme. Wo Kemal Kılıçdaroğlu, Chef der größten türkischen Oppositionspartei CHP, langweilige Monologe hält, gibt Demirtaş seinen Zuhörern das Gefühl, dass sie gut zuhören müssen.“ (Hasan Gökkaya: „Der tiefe Sturz des Selahattin Demirtaş“)

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