Damit entsteht im Wesentlichen ein Bündnis zwischen der Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten mit einer Gesamtbevölkerung von fünfhundert Millionen Menschen.
Joseph Puder
Die gezielte Bedrohung der arabischen Golfstaaten durch die Islamische Republik Iran als Teil der Teheraner Reaktion auf die immense Feuerkraft, die von den vereinten Streitkräften der Vereinigten Staaten und Israels gegen sie entfesselt wurde, hat Saudi-Arabien dazu veranlasst, nach neuen Bündnissen zu suchen.
Riads schlechte Erfahrungen mit der Biden-Regierung hatten das Königreich bereits in der Vergangenheit von der Notwendigkeit überzeugt, seine Allianzen zu diversifizieren und sich weniger stark auf die Vereinigten Staaten zu verlassen. Saudi-Arabiens Sorgen haben angesichts der beeindruckenden Leistungen Israels gegen die libanesische Hisbollah, die palästinensische Hamas, die jemenitischen Huthi und den Iran zugenommen. Dies führte dazu, dass Saudi-Arabien bestrebt ist, ein regionales Machtgleichgewicht herzustellen. Das Land begann damit, ein Bündnis mit Pakistan zu pflegen, das im September mit der Unterzeichnung des Strategic Mutual Defense Agreement (SMDA) besiegelt wurde.
Neuer Pakt?
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran veranlasste nun den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, ein Sicherheitsabkommen anzustreben, das Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten einbeziehen würde. Damit entsteht im Wesentlichen ein sunnitisch-muslimisches Bündnis mit einer Gesamtbevölkerung von fünfhundert Millionen Menschen.
Die Partnerschaft mit Pakistan, der einzigen muslimischen Atommacht, verschafft der Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien – allesamt Nicht-Atomstaaten – einen nuklearen Schutzschirm. Das erste formelle Treffen der Außenminister dieser vier Länder fand am 19. März in Riad am Rande der Organisation für Islamische Zusammenarbeit statt. Es handelte sich dabei angeblich um die erste gemeinsame Diskussion zu einer Sicherheitskooperation der vier Länder. Die vordergründige Absicht eines entsprechenden Abkommens wäre es, als Sicherheitsplattform zu dienen, die eine stärkere Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie und in weiter gefassten Verteidigungsfragen ermöglicht. Mit anderen Worten: Es würde darauf abzielen, eigene Waffen zu entwickeln, anstatt von den Vereinigten Staaten abhängig zu sein.
Die Initiative entstand inmitten der intensiven regionalen Spannungen, insbesondere des andauernden Krieges zwischen dem Iran und der US-israelischen Koalition, sowie der Gefahr einer weiteren Eskalation. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Bündelung von regionalem Einfluss sowie von verteidigungstechnischer und industrieller Zusammenarbeit, um den gemeinsamen Sicherheitsherausforderungen zu begegnen, ohne dabei die Struktur der NATO nachzuahmen.
Erdoğan will, wie man so schön sagt, »auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen«. So strebt er einerseits eine Verankerung in der NATO an, in der er der einzige muslimische Teilnehmer ist. Andererseits und noch mehr möchte er aber die Macht und den Einfluss der Muslime im Nahen Osten und darüber hinaus stärken.
Pakistan würde den geplanten Pakt als Druckmittel gegen Indien nutzen und gleichzeitig die saudische Großzügigkeit zur Stützung seiner Wirtschaft einsetzen. In ähnlicher Weise sucht Ägypten saudische Finanzhilfe, um seine schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Die finanzielle Hilfe soll auch Kairos Bemühungen zum Aufbau seiner Streitkräfte unterstützen, um Israel entgegenzutreten, das Ägypten trotz des Friedensvertrags von 1979 als seinen Hauptfeind betrachtet.
Bei dem Treffen im März, an dem die vier Außenminister teilnahmen, stellte der türkische Außenminister Hakan Fidan fest: »Grundsätzlich müssen wir Folgendes anerkennen: Entweder wir schließen uns zusammen und lernen, unsere Probleme selbst zu lösen, oder es wird eine externe Hegemonialmacht kommen, die entweder Lösungen aufzwingt, die ihren eigenen Interessen dienen, oder untätig bleibt und gleichzeitig andere am Handeln hindert.« Dabei spielte er darauf an, dass die Vereinigten Staaten oder Israel diese Hegemonialmächte seien.
Erdoğan und Fidan mangelt es nicht an antisemitischem und antiisraelischem Eifer. Ankara hat Israel wiederholt als den Hauptanstifter des Krieges mit dem Iran bezeichnet. In einer gemeinsamen Erklärung im Anschluss an das Treffen in Riad erhoben sie auch Vorwürfe bezüglich »Israels expansionistischer Politik im Libanon«.
Ironischerweise hatten die vier prospektiven Partner historisch gesehen wenig füreinander übrig. Während Saudi-Arabien und Pakistan eine relativ enge Beziehung unterhalten, herrschte zwischen Saudi-Arabien und der Türkei nach der Ermordung des Washington-Post-Journalisten Jamal Khashoggi im Oktober 2018 in Istanbul eine angespannte Stimmung. Khashoggi, ein Kritiker der saudischen Königsfamilie und von Kronprinz Mohammad Bin Salman (MBS), wurde von einem saudischen Attentäter getötet. Erdoğan beschuldigte MBS damals, den Mord angeordnet zu haben. Die Saudis ihrerseits betrachteten Erdoğan und sein Regime als Förderer der Muslimbruderschaft.
Kairo blickt ebenfalls auf eine Geschichte der Rivalität und des Konflikts mit Istanbul zurück, seit Mohammad Ali im 19. Jahrhundert die Macht in Ägypten übernahm und die Beziehungen zum ehemaligen Herrscher des Landes, dem osmanischen Hof, abbrach.
Saudi-Arabien und Ägypten bekämpften sich von 1962 bis 1970 im Jemen durch Stellvertreter. Dieser Konflikt band 60.000 ägyptische Soldaten während des Sechstagekriegs im Jahr 1967. Abdel Fattah el-Sisis Übernahme der ägyptischen Präsidentschaft nach der Absetzung des der Muslimbruderschaft angehörenden Präsidenten Mohammad Morsi im Juli 2013 ebnete dann allerdings den Weg für engere Beziehungen zwischen Kairo und Riad.
Im Nahen Osten können sich Allianzen leicht verschieben, wie der britische Premierminister Lord Palmerston bereits 1848 feststellte: »Wir haben keine ewigen Verbündeten, und wir haben keine ewigen Feinde. Unsere Interessen sind ewig und beständig, und es ist unsere Pflicht, diesen Interessen zu folgen.«
Auswirkungen
Wie würde sich ein sunnitisch-muslimischer, NATO-ähnlicher Pakt auf die Interessen der USA in der Region auswirken? Zunächst einmal würde er den Einfluss der USA auf die Gestaltung der Sicherheitspolitik am Golf verringern. Zweitens würde er den Wettbewerb auf den Märkten der Verteidigungsindustrie und bei den Geheimdiensten verschärfen. Die Vereinigten Staaten verkaufen Waffen im Wert von vielen Milliarden Dollar an Saudi-Arabien und die anderen Partner. Fortan würde die Türkei versuchen, Washington als Waffenlieferanten zu ersetzen, wobei die Saudis erhebliche finanzielle Investitionen in Ankaras Verteidigungsindustrie tätigen würden.
Darüber hinaus müssten die Vereinigten Staaten ihre Allianzen in der Region neu ausrichten und ein starkes Verteidigungsbündnis mit Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Kuwait, Zypern und Griechenland (Israel unterzeichnete 2026 einen trilateralen Plan zur militärischen Zusammenarbeit mit Griechenland und Zypern) sowie möglicherweise Indien schmieden.
Kurz gesagt würde die Verwirklichung dieses Paktes zwischen der Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten den Einfluss der USA in der Region infrage stellen. Zudem würde sie einen wirtschaftlichen Rivalen schaffen und möglicherweise sogar Amerikas Gegner China und Russland einbeziehen. Für Israel wäre dieser sunnitisch-muslimische Pakt eine direkte Bedrohung der Freiheit, gegen seine Gegner zurückzuschlagen. Insbesondere Syrien würde zu einem Schauplatz des Konflikts werden. Und unter dem Schutz des pakistanischen Nuklearschirms wäre es wahrscheinlicher, dass Ägypten und die Türkei militärisch mit Israel aneinandergeraten.
Joseph Puder ist Gründer und Direktor der Interfaith Taskforce for America and Israel. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)






