Erdogan heizt den Streit um Jerusalem an, nicht die USA

„Jahrzehntelang haben Politiker und Experten behauptet, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels würde die Situation im Nahen Osten weiter destabilisieren und radikalisieren. Doch zwei Monate nachdem Präsident Trump den Umzug der Botschaft anordnete, ist es in den Palästinensergebieten relativ ruhig. Obwohl es anfangs einige Proteste im Gazastreifen und in der Westbank gab, erscheint ein Massenaufstand in den Palästinensergebieten inzwischen hochgradig unwahrscheinlich. Wo sind also die Extremisten, vor denen wir so lange gewarnt wurden? Da braucht man nur auf die Türkei und ihr Netz von Stellvertreterorganisationen zu schauen. Angesichts von Misserfolgen in der Außenpolitik und mangelnder Beliebtheit hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan versucht, sein Image in der muslimischen Welt aufzubessern, indem er sich in wütender antiisraelischer Rhetorik ergeht. Sowohl in der Türkei und Amerika haben islamistische Organisationen mit engen Verbindungen zum türkischen Regime Proteste organisiert.

Am 28. Januar veranstaltete die türkische Regierung in Istanbul eine Konferenz, auf der die ‚palästinensischen Rechte’ an Jerusalem diskutiert und die ‚Koexistenz und Solidarität mit dem palästinensischen Volk’ herausgestrichen wurde. Neben türkischen Regierungsvertretern und Angehörigen des türkischen Ministerpräsidenten nahmen daran auch mehrere extremistische Kleriker teil, darunter Muhammed Asri Zainul Abidin: ein malaysischer Prediger, der in der Vergangenheit erklärt hat, dass Hitler ‚recht gehabt haben mag’, als er die Juden vernichtete. Ebenfalls anwesend war Sami Al-Arian, ein prominenter Islamist, der 2015 aus den Vereinigten Staaten abgeschoben wurde. Er hatte sich zuvor schuldig bekannt, Geld für die Terrorgruppe Palästinensischer Islamischer Dschihad (PIJ) gesammelt zu haben. Den Konferenzteilnehmern gegenüber bezeichnete Al-Arian Amerika als ‚unseren Feind’. (…)

Zu den Sponsoren der Jerusalemproteste gehört auch die mit der Hamas affiliierte Gruppe American Muslims for Palestine (AMP). Wie Erdoğan verwendet auch sie die Formulierung von der ‚muslimischen roten Linie’ in Sachen Jerusalem. Die Gruppe rief ihre Anhänger 2010 öffentlich dazu auf, als eine Form des Protests gegen Israel türkische Produkte zu kaufen. All diese amerikanischen Islamistengruppen arbeiten unter dem Dach des US Council of Muslim Organizations (USCMO), dem Hauptorganisator von Protesten in Washington. (…) Kritikern zufolge sollen die Vereinigten Staaten den Friedensprozess und die Region durch die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels und den Umzug der amerikanischen Botschaft destabilisiert haben. Angesichts der relativen Ruhe in den Palästinensergebieten scheinen es nicht Jerusalem oder Washington zu sein, die Öl auf das Feuer des Extremismus gießen – das tut vielmehr Ankara.“ (Dmitri Shufutinsky: „Turkey Stokes Unrest Over Jerusalem Recognition“)

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