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Erdogan: Über 1.000 Hamas-Mitglieder in der Türkei in Behandlung 

Erdogan überwirft sich mit Mitsotakis bezüglich Hamas-Einschätzung und warnt vor israelischem Angriff auf Türkei
Erdogan überwirft sich mit Mitsotakis bezüglich Hamas-Einschätzung und warnt vor israelischem Angriff auf Türkei (© Imago Images / Xinhua)

Nachdem sich der türkische Präsident mit dem griechischen Premier bezüglich der Einschätzung der Hamas als Terrorgruppe überworfen hatte, legte er Mitte der Woche mit neuen antisemitischen Verschwörungstheorien nach.

Erdogans Verschwörungstheorien über Israel werden immer kruder. Hatte der türkische Präsident kürzlich in einer Rede noch behauptet, Israel stehe hinter einer Reihe von Putschversuchen in der Türkei, um das Land so für seinen propalästinensischen Weg zu bestrafen und von diesem abzubringen, warf er dem jüdischen Staat nun vor, im Falles eines Sieges über die Hamas über kurz oder lang die Türkei angreifen zu wollen. 

»Glaubt nicht, dass Israel im Gazastreifen aufhören wird«, beschwor er am Mittwoch die Abgeordneten seiner AK-Partei im Parlament in Ankara. Werde Israel nicht gestoppt, werde »dieser Schurkenstaat früher oder später Anatolien ins Visier nehmen«, sagte Erdogan unter Bezug auf die im asiatischen Teil der Türkei liegende Region. »Wir werden weiterhin an der Seite der Hamas stehen, die für die Unabhängigkeit ihres eigenen Landes kämpft und Anatolien verteidigt«, verstieg sich Erdogan in sein antisemitisches Wahngebilde.

Eskalation auf Gipfeltreffen

Schon Erdogans Gipfeltreffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis am Montag, das im Vorfeld als Meilenstein für die Verbesserung der angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern angekündigt worden war, war von Erdogans Verteidigung der Hamas überschattet. So erklärte Erdogan während einer Live-Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen in Ankara, es gebe »eine sehr wichtige Frage, in der wir nicht übereinstimmen. Ich betrachte die Hamas nicht als Terrororganisation.«

Erdogan behauptete, dass die palästinensischen Gebiete seit 1947 – also noch vor der israelischen Staatsgründung – »besetzt« seien und die Hamas eine Widerstandsgruppe sei, die einen »Kampf zum Schutz« der palästinensischen Gebiete führe. »Wenn man die Hamas, die 40.000 ihrer Mitglieder verloren hat, als Terrororganisation bezeichnet, wäre dies ein herzloser Ansatz«, erklärte der türkische Präsident, bevor er die Bombe platzen ließ: »Von diesem Moment an verfolge ich jeden Schritt der Hamas, und es gibt mehr als tausend Hamas-Mitglieder, die alle in unseren Krankenhäusern behandelt werden. Das ist die Art und Weise, wie wir die Dinge angehen.«

In späteren Medienberichten wurden türkische Beamte zitiert, die erklärten, Erdogan habe sich in Bezug auf die Behandlung von Hamas-Terroristen in türkischen Krankenhäusern falsch ausgedrückt, Ankara hat jedoch noch keine offizielle Klarstellung zu den Aussagen des Präsidenten abgegeben.

Erdogans Äußerungen erfolgten nachdem Mitsotakis auf der Pressekonferenz erklärt hatte, dass es »insbesondere im Nahen Osten Differenzen mit der Türkei« gebe. Unter Hinweis darauf, dass Israel in den Gazastreifen einmarschiert sei, nachdem Israel Hunderte Bürger bei einem Terrorüberfall verloren habe und Griechenland die Hamas als terroristische Organisation betrachte, sagte Mitsotakis: »Wir wissen, dass die Türkei die Dinge anders sieht und eine andere Definition hat. Nichtsdestotrotz sind wir uns einig, dass das Blutvergießen aufhören und die Zivilisten im Gazastreifen geschützt werden müssen und eine Landinvasion in Rafah inakzeptabel wäre.« Auf die Reaktion Erdogans angesprochen, erklärte Mitsotakis: »Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind.«

Wiederholungstäter

Bereits im März drohte Erdogan dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu mit der Ermordung und verglich Israels Regierungschef und seine Minister mit Nazideutschland, als er sagte, diese »schreiben mit ihren Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza ihre Namen neben Hitler, Mussolini und Stalin, wie die Nazis von heute«. Der jüdische Staat begehe »weiterhin Massaker am palästinensischen Volk«, und die Türkei werde »alles Notwendige tun, um israelische Beamte zur Rechenschaft zu ziehen«.

Israels Premier Netanjahu wies den türkischen Staatschef daraufhin wegen dieser Äußerungen zurecht und erklärte, Israel halte sich an das Kriegsrecht und werde »sich nicht von Erdogan moralisch belehren lassen, der die Mörder und Vergewaltiger der Terrororganisation Hamas unterstützt, den Völkermord an den Armeniern leugnet, Kurden im eigenen Land massakriert und gegen Regimegegner und Journalisten vorgeht«. 

Bereits Ende Oktober erklärte Erdogan mit Blick auf die Hamas, der palästinensische Ableger der ihm selbst nahestehenden Muslimbruderschaft sei eine Gruppe von Mudschaheddin, die »ihr Land und ihr Volk verteidigen. … Die Verursacher des Massakers und der Zerstörung im Gazastreifen sind diejenigen, die Israel uneingeschränkt unterstützen. Israels Angriffe auf den Gazastreifen sind sowohl für Israel selbst als auch für diejenigen, die es unterstützen, Mord und Geisteskrankheit. Westliche Tränen, die für Israel vergossen werden, sind ein Ausdruck von Betrug.«

Im November erklärte Präsident Erdogan vor dem Parlament seines Landes, Israel würde bald vernichtet werden, und im Dezember verglich er Netanjahu und dessen Kriegsführung mit dem Nationalsozialismus. Der israelische Premier sei »nicht anders« als Adolf Hitler, weil Israel den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen weiterführe. »Wir haben Israels Nazilager gesehen. Was ist das für ein Job?«, fragte Erdogan damals während einer Rede. »Sie reden auf eine seltsame Art und Weise über Hitler. Was ist der Unterschied zwischen ihnen und Hitler? Sie werden uns Hitler noch mehr vermissen lassen. Die Stimme, die auf der Seite der Unterdrückten steht, ist die Stimme der muslimischen Türken.«

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