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Erdogan bürgert zehntausende Syrer ein, um sich Stimmen zu sichern

Erdogan bürgert zehntausende Syrer ein, um sich Stimmen zu sichern„Huzeyfe kann seine Freude kaum verstecken, als er seinen türkischen Ausweis aus der Hosentasche holt. Vor einem Jahr hat er die türkische Staatsangehörigkeit beantragt und vor sechs Monaten die Papiere erhalten. „Als ich die Staatsbürgerschaft annahm, empfahl mir der Beamte, meinen Namen zu ändern – um Probleme zu vermeiden. Ich habe ihm gesagt, dass ich meinen Namen eigentlich ganz gerne mag“, erzählt der 28-Jährige. Vor vier Jahren flüchtete er mit seinen fünf Geschwistern aus der syrischen Stadt Rakka, die damals von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliert wurde, ins 150 Kilometer entfernte Urfa auf der türkischen Seite der Grenze. In seiner Heimat war Huzeyfe Mathematiklehrer. Auch in Urfa unterrichtet er syrische Kinder.Am 24. Juni wird Huzeyfe einer der Syrer und Syrerinnen sein, die das erste Mal in der Türkei wählen dürfen. Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen wird seine Stimme Staatspräsident Erdogan geben. ‚Er hat uns den Pass und Sicherheit gegeben. Ich glaube, alle Menschen aus Syrien werden Erdogan wählen‘, sagt er.

Was für Huzeyfe sein ganzes Glück ist, sehen andere als demografische Wahlmanipulation. Denn Zehntausende syrische Flüchtlinge haben in den vergangenen Monaten die türkische Staatsbürgerschaft und mithin das Wahlrecht erhalten, begleitet von lautstarker Willkommensrhetorik des Staatspräsidenten. Dass Erdogan dafür auch am Wahltag Dankbarkeit erwartet, kann zumindest vermutet werden. Mehr als 50.000 Flüchtlinge sollen in den letzten Monaten eingebürgert worden sein, etwa 30.000 von ihnen können am kommenden Sonntag mit abstimmen, erklärt Ministerpräsident Binali Yildirim. Die Zahl der Einbürgerungsanträge geht in die Hunderttausende. Im Vergleich zu den mehr als 50 Millionen Wahlberechtigten in der Türkei mögen diese Zahlen gering scheinen, doch die neuen dankbaren Wähler dürften genau dort abstimmen, wo Erdogan sie besonders gut gebrauchen kann – im Südosten der Türkei, kurz hinter der Grenze zu Syrien, wo die meisten Flüchtlinge leben und wo auch die prokurdische HDP ihre Hochburgen hat. Überwindet sie bei der Wahl die Zehn-Prozent-Hürde, dann verlieren Erdogans AKP und ihre Verbündeten von der nationalistischen MHP mit ziemlicher Sicherheit ihre Mehrheit. Darum können die treuen Neubürger in umkämpften Wahlkreisen durchaus bedeutsam sein.“ (Murat Bay: „Erdogan organisiert sich Zehntausende Syrer als Erstwähler“)

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