Erdogan-Berater: „Die Zeit der US-Vormachtstellung ist vorüber“

„Liest man derzeit die regierungsnahen türkischen Medien, kann man den Eindruck gewinnen, dass die USA am Ende sind. Oder zumindest, dass die türkische Regierung das denkt und ihre Nahost-Politik an der Prämisse amerikanischer Schwäche ausrichtet. Die USA wollten ‚testen‘, wie sehr sie noch Großmacht sein können im Nahen Osten, schreibt Cemil Ertem, ein Berater von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Der Beitrag erschien in der englischsprachigen Online-Ausgabe der regierungstreuen Zeitung Sabah, war also für westliche Augen gedacht. Ertem formuliert süffisant: ‚Man sollte ihnen die Gelegenheit dazu geben‘, auf die harte Weise zu erfahren, dass ‚die Welt nicht mehr die alte Welt ist‘. (…) Die USA seien jedoch offenbar zu dumm, um ‚zu verstehen, dass die Welt nicht mehr die bipolare Welt‘ des Kalten Krieges ist, sondern eine multipolare Welt, in der sich die Kräfteverhältnisse ständig änderten.

Die Frage sei, wie lange die USA in dieser veränderten Welt ihre Vormachtstellung behalten können. Die Antwort ist Ertem zufolge: ‚nicht lange‘. Und das Ende ihrer Dominanz werde für die USA umso schneller kommen, je mehr sie versuchten, Druck auf die Türkei auszuüben. (…) Die alleinige Vormachtstellung in Syrien und im Nahen Osten beansprucht die Türkei langfristig für sich. Es ist ein ehrgeiziger Anspruch in einer Region, in der Russland, der Iran, Israel und die USA zu dominieren versuchen. Ankara will sie langfristig alle übertrumpfen. Ob die Türkei das kann, hängt wesentlich davon ab, ob sie die Fähigkeiten und Absichten der anderen Akteure korrekt einschätzt. (…) Es fühlt sich an wie die Stille vor dem Sturm. Nur eines ist sicher: Die Türkei fühlt sich stark genug, mit Geduld und langem Atem jede Schwäche der anderen Akteure zu nutzen, um den nächsten Vorstoß zu wagen in ihrem Drängen nach Macht und Einfluss in der Region.“ (Boris Kálnoky: „Erdogans wahres Ziel im Konflikt mit Trump“)

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