Nach wie vor weigert sich die Hisbollah, ihre Waffen abzugeben. Doch im heurigen Jahr wird eine Entscheidung fallen müssen.
Der Libanon tritt in eine hochsensible Phase ein, in deren Mittelpunkt die Entwaffnung der Hisbollah steht, während gleichzeitig die internationalen und regionalen Bemühungen zur Verhinderung des Zusammenbruchs des Waffenstillstandsabkommens mit Israel intensiviert werden.
In seiner jüngsten Stellungnahme sagte US-Präsident Donald Trump, dass »die Hisbollah sich schlecht verhält. Wir werden sehen, was die Bemühungen des Libanons zur Entwaffnung der Hisbollah bringen werden.« Diese Erklärung erfolgte knapp vor Auslaufen der von Trump gesetzten Frist Ende des vergangenen Jahres für die libanesische Regierung zur Entwaffnung der Hisbollah, und sich für die Zukunft des Landes mehrere Möglichkeiten eröffnen.
Als Reaktion verschärfte Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem in einer Rede seine Rhetorik und bezeichnete die Entwaffnungsoperation der libanesischen Armee, die auf einer Regierungsentscheidung vom 5. August 2025 basiert, als »israelisch-amerikanisches Projekt«. Am Montag sagte Qassem: »Der Staat ist nicht verpflichtet, Israels Polizist zu sein … Die Aggression muss aufhören.« Er betonte auch, »sollte der Südlibanon verloren gehen, es keinen Libanon mehr geben wird«, da »alle Libanesen an der Verteidigung des Südens interessiert sind«.
Libanon in Geiselhaft
Als Reaktion auf die Erklärung von Naim Qassem zitierte die emiratische Nachrichtenseite Eram News libanesische Regierungsquellen mit den Worten, dass die Positionen des Hisbollah-Führers »nicht nur politische Ablehnung widerspiegeln, sondern vielmehr eine klare Entscheidung, den Staat allein mit den Kosten einer zukünftigen Eskalation zu belasten, sei es durch Israel oder durch die internationale Gemeinschaft, indem jeder Verhandlungsprozess blockiert wird, der nicht vollständig den Forderungen der Partei entspricht«.
Die Quellen fügten hinzu, dass »die Hisbollah, indem sie jeden Schritt des Libanons mit einer vollständigen Einstellung der israelischen Angriffe verknüpft, eine in absehbarer Zukunft nahezu unmögliche Gleichung aufstellt, was praktisch bedeutet, die Situation am Rande einer Explosion zu halten und gleichzeitig die Regierung und die Armee für die Bewältigung einer Krise verantwortlich zu machen, für deren Lösung ihnen die Mittel fehlen«.
Auch lehnte laut den anonymen Informanten die Hisbollah nicht nur konkrete Initiativen ab, sondern untergrabe auch aktiv die Verhandlungsposition des libanesischen Staates, indem sie als Partei auftritt, die über jedes Vorgehen ein Vetorecht hat, ohne eine realistische Alternative zum Schutz des Landes vor einer Eskalation anzubieten.
Mögliche Szenarien
In diesem Zusammenhang skizzierte der Forscher Mubarak Ahmed in einer vom ägyptischen Cairo News Channel veröffentlichten Analyse zwei Szenarien für den Libanon.
Szenario Nr. 1: Wiederherstellung der Rolle des libanesischen Staates und seiner Fähigkeit, seine primären Funktionen auszuüben. Dies würde beinhalten, alle Milizen, einschließlich der Hisbollah, zu entwaffnen und sämtliche Waffen unter alleiniger Kontrolle des Staates zu halten. Damit würde die Rolle der libanesischen Armee deutlich aufgewertet werden.
Szenario Nr. 2: Scheitern der Entwaffnung der Hisbollah, deren Führer sich darauf berufen, die einzige Abschreckung gegen israelische Aggressionen zu sein. Dies könnte zu konfessionellen Konflikten unvorhersehbaren Ausmaßes oder sogar zu einem regionalen Krieg führen.
Klar ist, dass die Entwaffnung der Hisbollah nicht friktionsfrei über die Bühne gehen wird. Der libanesische Schriftsteller Riad Kahwaji stellte dazu fest, dass »die Entwaffnung der Hisbollah nördlich des Litani-Flusses (im Südlibanon) durch die libanesische Armee im Jahr 2026 aufgrund der Weigerung der Partei, sich diesem Prozess zu unterziehen, mit erheblichen Komplikationen verbunden sein wird«. »Laut Warnungen mehrerer internationaler Gremien wird dies zu einer Wiederaufnahme der [israelischen] Feindseligkeiten gegen Stellungen der Hisbollah führen, insbesondere im Bekaa-Tal, wo sich Lager für ballistische Raketen und Langstreckenraketen sowie Drohnen befinden.«
Verkompliziert wird die Situation laut Kahwaji noch dadurch, dass Ende 2026 das Mandat der UNIFIL-Friedenstruppe im Südlibanon auslaufen wird. Im Grenzgebiet wird daher ein neuer Modus vivendi für eine Situation gefunden werden müssen, in der keine internationalen Puffertruppen mehr anwesend sein werden. Sollte sich die Hisbollah der Entwaffnung verweigern, wie sie dies ständig betont, wird sich das Konfliktpotenzial im Südlibanon noch weiter verschärfen.







