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Englands Linke hat ein Antisemitismusproblem

Ken Livingstone (2. v. li.) und Jeremy Corbyn (re.)
Ken Livingstone (2. v. li.) und Jeremy Corbyn (re.) (© Imago Images / i Images)

„Was tut nun Jeremy Corbyn, um die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen? Er suspendiert Livingstone und beruft eine Kommission ein. Offenbar mag er nicht selber zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus entscheiden. Diese Geschichte trifft im Kern das schwierige Verhältnis, das ein Teil der europäischen Linken zum Staat Israel hat. Die Ereignisse verdeutlichen die Notwendigkeit, sich der Geschichte der politischen Linken auf neue Weise zu nähern. Sie geben zugleich die Richtung vor, in der diese Auseinandersetzung stattzufinden hätte. Bei genauer Betrachtung streitet sich die Labour Party derzeit unausgesprochen über das Verhältnis des Holocaust zu anderen Verbrechen, namentlich denen des Kolonialismus.

Das Bemühen, die Bedeutung der Massenvernichtung herunterzuspielen, mag auch jenem schlechten Gewissen geschuldet sein, das zum Erfolg der Postcolonial Studies beiträgt. Die Linke des Königreichs schwenkte erst spät zur Kritik des Kolonialismus um. Auch einige Labour-Wähler, die aus den früheren Randgebieten des Empire gekommen sind, dürften sich von den Relativierungen Livingstones und vieler linker Studentengruppen angesprochen fühlen: Der Holocaust scheint in Konkurrenz zur Erfahrung der Kolonialverbrechen zu stehen.“ (Der Schweizer Historiker Raphael Gross im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Die Labour Party und der Antisemitismus“)

 

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