Empörung über Trump: Ein Hauch von Antisemitismus?

„Lassen wir den Verstand sprechen, nicht Gefühle. Das fällt bezogen auf US-Präsident Trump schwer, ist aber unerlässlich, wenn Politik und Politik-Kritik Ergebnis nüchterner Analyse sein sollen. Auch diejenigen, die den Jerusalem-Knoten durchschlagen möchten, müssen wissen wie und wo anzusetzen ist. Wie in der Medizin gilt auch hier: Ohne richtige Diagnose keine Therapie. Fakten statt Legenden! (…) Trump erkennt Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Ob er West-, Ost- oder Ganz-Jerusalem meint, ließ er offen. Da selbst die Trump-Administration die hochformalisierte Sprache der Internationalen Politik anwendet, ist das kein Zufall. Daraus folgt, anders als allgemein unterstellt: Es gibt Spielraum. Konkret: Ost-Jerusalem könnte durchaus Hauptstadt ‚Palästinas‘ werden. (…)

In Variationen ist seit dem UNO-Beschluss über die Internationalisierung Jerusalems dessen Nicht-Anerkennung als Israels Hauptstadt in Erz gegossen. Jahrzehntelang war diese Politik total erfolglos. Sie rückte den Frieden keinen Millimeter näher. Sie führte in die Sackgasse und prallte jedes Mal an die Mauer des Scheiterns. Trotzdem wollen die „Internationale Gemeinschaft“ (auch Kanzlerin Merkel und Noch-wohl-wieder-Außenminister Gabriel) diese Fahrt fortsetzen, Gas geben und nochmal an die Wand fahren. Absurd. Ob Trumps Weg erfolgreicher sein, kann heute keiner sagen, doch die tölpelhafte Fortsetzung des bisherigen Irrwegs ist törichter als töricht. (…)

Trump fühle sich ‚israelfreundlichen jüdischen Spendern verbunden, deren Millionen 2016 halfen, seinen Wahlkampf zu finanzieren.‘ So ARD-Korrespondent Stefan Niemann am 06. Dezember 2017 in der 20-Uhr-Tagesschau. Ähnliches stand am 07.Dezember im Edelblatt Neue Zürcher Zeitung oder in den Jauchegruben Sozialer Medien. Fakt ist: Nur 20% der US-Juden wählten Trump, 70% Hillary Clinton, 5% die beiden übrigen Kandidaten. Fakt ist auch, dass die meisten jüdischen Millionen (um das klassisch antisemitische Bild erneut zu gebrauchen) seit jeher den Demokraten, nicht den Alt- oder Neu-Trump-Republikanern zufließen. Birgt die Jerusalem-Empörung etwa doch einen Hauch von Antisemitismus? Auch darüber sei nachgedacht.“ (Michael Wolffsohn: „Übertriebene Empörung“)

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