Insbesondere im Emirat Dubai, das traditionell gute Kontakte zum Iran hatte, droht Hunderttausenden Iranern die Ausweisung.
Als Reaktion auf den tausendfachen Beschuss mit knapp 400 ballistischen Raketen und fast 2.000 Drohnen durch das iranische Regime ergreifen die Vereinigten Arabischen Emirate jetzt offenbar drastische Maßnahmen. Wie Iran International unter Berufung auf eine Mitteilung der Fluglinie Flydubai berichtet, haben die Emirate ein Einreise- und Transitverbot für iranische Staatsangehörige über Dubai verhängt.
Die Beschränkung erstreckt sich auf alle Träger eines iranischen Reisepasses, einschließlich derjenigen, die über ein gültiges Aufenthaltsvisum oder Besucher- bzw. Touristenvisa für die Emirate verfügen. Iranern mit aufrechter Aufenthaltserlaubnis, die sich gerade im Ausland befinden, ist die Wiedereinreise verboten. Ausnahmen von diesen Beschränkungen könne es im Einzelfall nur für iranische Verwandte ersten Grades von Staatsangehörigen der Vereinigten Arabischen Emirate geben. Schon vor einigen Tagen gab es Berichte über Iraner auf Reisen, deren Aufenthaltsgenehmigungen für die Emirate für ungültig erklärt worden waren. Iraner im Land sollen aufgefordert worden sein, die Emirate binnen 30 Tagen zu verlassen.
In den vergangenen Wochen sind die Behörden zunehmend gegen iranische Einrichtungen im Land vorgegangen. Zu diesen gehörten laut Iran International »ein iranisches Krankenhaus, iranische Schulen, der ›Club der Iraner‹, die Niederlassung der Islamischen Azad-Universität in den VAE und die Imam-Hossein-Moschee«. Mitarbeitern dieser Einrichtungen wurden die Wohnräume gekündigt und die Aufenthaltserlaubnisse entzogen. Einem anderen Bericht zufolge sollen Dutzende Geldwechsler, die Verbindungen zu den Islamischen Revolutionsgarden haben, verhaftet worden sein.
Traditionell gute Kontakte
Um die Tragweite dieser Maßnahmen zu verstehen, muss man sich vor Augen halten, dass die Emirate bislang eine der größten iranischen Diaspora-Gemeinschaften der Welt beherbergt haben. Genaue Zahlen gibt es nicht, Schätzungen zufolge soll sie aber zwischen 500.000 und 800.000 Iraner umfassen. Der Großteil von ihnen lebte bisher in Dubai.
Besonders das Emirat Dubai hat traditionell enge Kontakte mit dem Iran gepflegt; anders als etwa im Emirat Abu Dhabi haben viele hier ansässige Familien Verwandtschaft im Iran. Zahlreiche iranische Händler haben sich noch unter der Kadscharen-Dynastie, die in Persien bis 1925 herrschte, in Dubai niedergelassen. Dies geschah, um Steuern oder wirtschaftlichen Einschränkungen in ihrem Heimatland zu entgehen und von den günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Dubai zu profitieren. Iraner haben der Stadt in vielerlei Hinsicht ihren Stempel aufgedrückt. Das historische Viertel Al Bastakiya geht genauso auf Iraner zurück wie die für das alte Dubai typischen Windtürme.
Bis zuletzt war Dubai auch für die Islamische Republik ein wichtiger Partner. Gerade in Zeiten strengerer internationaler Sanktionen gegen das iranische Regime war Dubai eine bedeutende wirtschaftliche Drehscheibe. Zahlreiche Güter – von banalen Dingen wie Kühlschränken bis zu Bestandteilen für das iranische Atomwaffenprogramm – wurden auf meist alten und verrosteten Booten die kurze Strecke über den Golf in den Iran gebracht.
Die wahllosen Attacken des iranischen Regimes auf sämtliche Nachbarn, darunter auch auf bislang befreundete Länder, zeitigen jetzt Folgen, deren Auswirkungen für den Iran weit über die Dauer des aktuellen Krieges hinausgehen werden. Die drastischen Maßnahmen in den Emiraten, die das Ende der iranischen Diaspora in Dubai mit sich zu bringen drohen, sind hierfür ein besonders deutlich sichtbares Zeichen.






